Weltenbummler Witajewski: Der Fußball-Trainer aus Lehrte lebt ...

11 Tage vor

Stand: 18.11.2023 15:57 Uhr

Torben Witajewski hat sich die Bezeichnung Weltenbummler redlich verdient. Libanon, Bahrain, Japan, Indien und aktuell Pakistan: Der 28-Jährige aus Lehrte bei Hannover ist viel rumgekommen bei der Jagd nach seinem Traum vom Trainerjob im Profifußball. Mit Pakistan arbeitet er aktuell an einem WM-Märchen.

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von Matthias Heidrich und Ole Lerch

Eine Direktabnahme ins lange Eck, unhaltbar für Hul Kimhuy im Tor von Kambodscha: Harun Hamids Treffer zum 1:0-Sieg Pakistans Mitte Oktober war historisch. Mit dem Erfolg qualifizierte sich Pakistan erstmals für die zweite Runde der WM-Qualifikation. Der Traum von der WM-Teilnahme 2026 lebt für den 193. der FIFA-Weltrangliste und bedeutet für Millionen Menschen des südasiatischen Landes alles.

Mit Pakistan zur WM 2026?

"Alle sind irgendwie glücklich", sagte Torben Witajewski dem NDR, als er sich an den historischen Sieg erinnert. Als Co-Trainer der pakistanischen Nationalmannschaft ist der Norddeutsche mittendrin und war von den Reaktionen überwältigt. "Das ist schon gewaltig. Man kriegt unglaublich viele Anrufe und Nachrichten, wird überall darauf angesprochen, wenn man im Land unterwegs ist. Teilweise auch von Pakistanern in Deutschland."

Ein 28 Jahre alter Fußball-Trainer aus Deutschland in Pakistan, das ist außergewöhnlich, aber angesichts Witajewskis Lebensweg auch wieder nicht. 1995 in Hannover geboren, träumte er als junger Kicker beim SV 06 Lehrte von einer Karriere als Profi. Der zweite Kreuzbandriss mit 16 Jahren machte das unmöglich. Den Fußball aufzugeben, war aber keine Option für Witajewski. Er stieg direkt als Jugendcoach bei seinem Verein ein. Immer das Ziel vor Augen, es doch noch in den Profibereich zu schaffen - nun eben als Coach.

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Erste Auslandsstation: Videoanalyst im Libanon

Mit Anfang 20 ging es für ihn in Deutschland aber nicht vorwärts: "Ich kam aus einem kleinen Verein, war kein Fußballprofi oder ähnliches. Ich habe mich dann entschieden, ins Ausland zu gehen." Weltweit verschickte der Lehrter Bewerbungen und landete schließlich im Libanon, als Videoanalyst in einem Nachwuchsleistungszentrum.

"Egal, wo man auf der Welt ist, Fußball ist immer wichtig und jeder spielt und 'spricht' Fußball." Torben Witajewski

Der Beginn einer kleinen Fußball-Weltreise für Witajewski, die ihn als Jugendtrainer zunächst in den Bahrain führte, ehe der Sprung in den Erwachsenenbereich gelang: als Trainer einer Universitätsmannschaft in Japan. Über den Berater einer seiner Spieler wurde er auf den Luca SC aufmerksam. Der indische Zweitligist suchte einen Coach und fand ihn Anfang 2021 in dem damals 25-Jährigen.

Von Indien nach Pakistan

Finanzielle Probleme des Clubs beendeten das Kapitel Indien für den Niedersachsen im April 2022. Die eine Tür ging zu, eine andere öffnete sich für Witajewski. Der pakistanische Fußballverband fragte an und der Weltenbummler stürzte sich als Nationalmannschafts-Co-Trainer ins nächste Abenteuer. Zudem hilft er dem Verband bei der weltweiten Spielerakquise.

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"Ich bin unglaublich froh, diesen Weg gegangen zu sein. Das hat mich als Mensch positiv verändert." Torben Witajewski

"Die Strukturen sind einfacher, weil es sie grundsätzlich nicht gibt. Das heißt, man kann leichter Sachen anpassen und etwas verändern", erklärte Witajewski. "Dadurch ist das natürlich spannend. Und durch die Tatsache, dass Pakistan mit über 200 Millionen Einwohnern Potenzial hat."

Kanada, Mexiko und USA rufen

Sollte Pakistan die Qualifikation für die WM 2026 schaffen, wäre das eine absolute Sensation. Die erste Partie der zweiten Runde ging am vergangenen Donnerstag mit 0:4 gegen Saudi-Arabien verloren. Das Witajewski-Team trifft noch auf Jordanien und Tadschikistan. Der Erste und Zweite der Gruppe G ziehen in die dritte Quali-Runde ein, in der die ersten WM-Tickets für das Turnier in Kanada, Mexiko und den USA vergeben werden.

Das wären wohl Reiseziele ganz nach dem Geschmack des Weltenbummlers aus Lehrte bei Hannover, für den es aber nicht immer die weite Welt sein muss. Irgendwann die Koffer stehen zu lassen und seinen Profifußball-Traum in der Heimat Deutschland zu leben, ist Witajewskis Ziel.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 18.11.2023 | 19:30 Uhr

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