Bekannt aus "Um Himmels Willen": Zum Tod von Fritz Wepper

25 Mär 2024
Fritz Wepper

"Fritz Wepper im Hospiz" titelte die "Bild"-Zeitung Anfang März. Der TV-Star sei am Ende seines Weges angekommen, doch die Bühne des Lebens habe er noch nicht endgültig verlassen. Am Montag wurde nun bekannt: Der beliebte Schauspieler ist tot. Zuerst hatte wiederum "Bild" darüber berichtet unter Berufung auf Weppers Ehefrau. Der 82-Jährige sei in den frühen Morgenstunden friedlich eingeschlafen. Erst im Oktober war mit 79 Jahren sein jüngerer Bruder Elmar gestorben.

Wepper, der sich als evangelischer Christ dem Buddhismus verbunden fühlte, soll verfügt haben, in einem schwarzen Kimono beerdigt zu werden. Diesen trug er zum täglichen Meditieren. Auch das Gebet war ihm wichtig, wie er einmal bekannte. Es habe ihn über viele Probleme und Sorgen getragen.

Die Brüder Wepper stehen beispielhaft für die TV- und Filmgeschichte der Bundesrepublik. An ihren im Krieg gefallenen Vater hatten sie keine Erinnerung. Die Mutter zog die Söhne allein in München auf – "mit viel Liebe, manchmal mit zu viel Liebe", wie Fritz in einem Interview sagte. Alle zwei machten das Abitur. Fritz wirkte früh in Kindersendungen des Bayerischen Rundfunks mit und begeisterte sich für das Theater. International bekannt wurde er 1959 mit dem Antikriegsfilm "Die Brücke" von Bernhard Wicki.

Hollywood-Luft geschnuppert

Ab 1969 startete Wepper im ZDF durch. An der Seite von Erik Ode als "Kommissar" bekam er die Rolle des Assistenten "Harry Klein". Die Serie hatte riesige Einschaltquoten und verschaffte ihm große Popularität. Nachfolger auf seinem Platz im Team wurde nach fünf Jahren Bruder Elmar als "Erwin Klein". Er dagegen wechselte mit seinem Rollennamen zu "Derrick", um dann 24 Jahre lang mit Horst Tappert als titelgebendem Oberinspektor Mordfälle zu lösen. Eine Krimireihe, die in mehr als 100 Ländern lief. Sie wurde Kult, genauso wie der viel kolportierte Satz "Harry, fahr schon mal den Wagen vor", obwohl dieser in keiner einzigen Folge fiel.

Hollywood-Luft schnupperte Wepper, als er in der Verfilmung des Musicals "Cabaret" den jungen Fritz Wendel verkörperte, der aus Angst vor den Nazis im Berlin von 1931 anfangs seine jüdischen Wurzeln verleugnet. Acht Oscars gab es für die Produktion. Mit einer ihm angebotenen US-Karriere wurde es aber nichts, weil er an deutsche TV-Verträge gebunden war. Was blieb, war eine Freundschaft zu Hauptdarstellerin Liza Minnelli. Bei Konzerten des US-Stars in München begrüßte sie jedes Mal euphorisch ihren "Darling Fritz" in der ersten Reihe. Zuletzt hatte sie noch zum Gebet für ihn aufgerufen.

Wie gut sie sich verstanden, zeigt ein Arte-Beitrag von 2009 für die Reihe "Durch die Nacht mit ...", in dem beide New York unsicher machten. Dabei präsentierte sich Wepper auch als Kenner der Kunst von US-Maler Mark Rothko.

Das "Derrick"-Aus bedeutete nicht das Ende der Karriere seines Assistenten. Wepper hatte zuvor schon nebenbei den einen oder anderen TV-Film gedreht und Gastauftritte in Serien. Mit Tochter Sophie als Jungjournalistin und ihm als Psychiater entstanden 15 Folgen von "Mord in bester Gesellschaft", in "Die Brüder" wiederum spielte er mit Elmar 17-mal ein ungleiches Brüderpaar: Fritz den seriösen Oberstaatsanwalt, Elmar einen zwielichtigen Cop.

Ein himmlischer Quotenhit

Von ihrer komischen Seite zeigten sie sich in der BR-Comedy-Reihe "Kanal fatal". In mehreren Episoden waren sie die "Zwei Bayern im Weltraum", die mit ihrem Raumschiff Bavarian Shuffle 1 das All erobern. Natürlich war Fritz als älterer Bruder so wie im richtigen Leben der Commander, und Elmar musste mit der Stellvertreterrolle zufrieden sein. Trotzdem hatten die zwei eine intensive Bindung und teilten die Leidenschaft fürs Fliegenfischen, wo sie Entspannung fanden.

Ein himmlischer Quotenhit wurde für den älteren Wepper die 20 Jahre laufende ARD-Serie "Um Himmels Willen". Als Bürgermeister Wolfgang Wöller führte Wepper erst mit Jutta Speidel als Schwester Lotte und dann mit Janina Hartwig als Schwester Hanna seinen Kleinkrieg. Gerne hätte er weitergemacht, doch nach 260 Folgen war 2021 Schluss.

Noch zu Lebzeiten seiner Frau Angela, die 2019 starb, sorgte der Schauspieler für Schlagzeilen mit seinem Privatleben. Mit 71 wurde er noch mal Vater einer Tochter. Auch wenn es nicht einfach war, gelang es ihm, eine für alle Seiten annehmbare Situation herzustellen. "Es nimmt langsam menschliche Formen an", sagte er 2012 der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Mutter seines Kindes, die Regisseurin Susanne Kellermann, heiratete er 2020: "Ich versuche einfach, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind: hier und jetzt", war Weppers Credo. So hat er es auch mit dem Tod gehalten.

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