VfB und FCH spielen 3:3 - Ein Punkt zwischen Freude und Frust

12 Tage vor
VfB

Eigentlich könnte die Fußballwelt im Schwabenland derzeit schöner nicht sein. Auf der einen Seite ist der VfB Stuttgart ungebremst auf Kurs Champions League, steht nur drei Punkte hinter dem FC Bayern München und spielt mit einer Ausbeute von 57 Punkten aus 27 Spielen schon jetzt die erfolgreichste Saison seit 2008/09.

Und auf der anderen Seite ist da ja noch der Aufsteiger aus Heidenheim, der sich - entgegen der meisten Prognosen - im ersten Bundesliga-Jahr mit 30 Punkten aktuell fernab des Abstiegskampfes befindet. Und trotzdem war im Anschluss an das wilde 3:3 im direkten Aufeinandertreffen am Ostersonntag keiner der beiden Vereine zunächst so richtig zufrieden.

Nübel hadert mit Patzer vor dem 1:2

Der VfB nicht, weil die Mannschaft nach klar überlegenen 55 Minuten sowie der 2:0-Führung durch Tore von Serhou Guirassy (41.) und Angelo Stiller (53.) das Spiel noch aus der Hand gab. Vor 60.000 Zuschauern und der neu eröffneten Haupttribüne in der MHP-Arena in Stuttgart schien der 19. Saisonsieg bereits sicher - die VfB-Fans stimmten bereits ihre Gesänge von Europapokal-Nächten in der kommenden Saison an.

Doch dann brachte zunächst ein individueller Fehler von Torwart Alexander Nübel den Heidenheimer Anschlusstreffer (62.), ehe Tim Kleindienst mit seinem ersten Bundesliga-Doppelpack (84./85.) das Spiel sogar komplett drehte. „Der Ball rutscht mir irgendwie nach unten durch. Ich habe natürlich gehofft, dass wir das Ding noch über die Runden ziehen, hat leider nicht geklappt“, analysierte Nübel hinterher seinen Patzer vor dem 1:2.

Guirassy und Undav schreiben VfB-Geschichte

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, hatte laut Trainer Sebastian Hoeneß mit fehlender Klarheit und Schärfe in der zweiten Halbzeit zu tun: „Nach dem 2:0 war Partystimmung im Stadion. Das ist auch okay, die Fans dürfen sich über gute Spiele freuen“, sagte Hoeneß. „Nur wir dürfen uns nicht freuen. Wir müssen sehr klar bleiben.“ Dass sein Team durch den Treffer von Deniz Undav (90.+8) zum 3:3-Endstand aber doch noch zurückkomme, freue ihn enorm. „Das ist eine junge Mannschaft, die sehr viel richtig macht. Dass wir noch das 3:3 erzielen, ist überragend“, erklärte Hoeneß. Außerdem: Mit ihren Toren schrieben sich Guirassy und Undav in die Geschichtsbücher des VfB Stuttgarts. Mit nun 38 Toren hat das Sturmduo mehr Tore erzielt als das bisherige VfB-Spitzen-Duo Jürgen Klinsmann und Karl Allgöwer, die vor 40 Jahren die bisherige Bestmarke von 37 Toren aufgestellt hatten.

Gleichzeitig war das Tor zum 3:3 der späte Nackenschlag für die Gäste von der Ostalb. „Ich glaube, so richtig glücklich ist keiner“, erklärte Heidenheim-Trainer Frank Schmidt nach dem sechsten sieglosen Spiel in Folge. Der VfB habe die Dominanz auf dem Feld nicht in drei Punkte verwandeln können, sein Team habe Sekunden vor dem Abpfiff noch den Ausgleich hinnehmen müssen. Anderseits: „Was meine Mannschaft nach dem Anschluss gemacht hat, war aller Ehren wert. Es ist unfassbar, was das Team für eine Mentalität hat“, sagte Schmidt.

Kleindienst hätte gerne den Hattrick geschnürt

Ähnlich zwiegespalten fassten auch seine Spieler das Ergebnis auf. „Wenn man mit der letzten Aktion des Spiels den Ausgleich kassiert, ist man automatisch enttäuscht. Das tut extrem weh, auch wenn es am Ende ein Punkt mehr für den Klassenerhalt ist“, sagte Heidenheims Kapitän Patrick Mainka. Doppeltorschütze Tim Kleindienst sah einen „unfassbaren Spielverlauf“, haderte ebenso mit dem Ausgleich, betonte aber auch: „Als Mannschaft können wir unfassbar stolz sein, dass wir in Stuttgart nach einem 0:2 noch so ein Spiel abliefern.“

Gerne hätte er zudem das Eigentor von Nübel zum 1:2 für sein Torkonto beansprucht, schließlich kam der entscheidende Kopfball von ihm. „Es wäre schöner gewesen, wenn du das Tor kriegst, dann hättest du einen Hattrick gemacht“, sagte Kleindienst. Und Torwart Kevin Müller stellte fest: „Es war eine Achterbahnfahrt. Wenn man den ganzen Spielverlauf sieht, ist ein Punkt in Ordnung für uns. Nichtsdestotrotz ist es natürlich ärgerlich.“

Ein Punkt für die „unglaubliche Moral“

Es wird deutlich: Die beiden schwäbischen Vereine haben in einer bislang mehr als positiv verlaufenen Bundesliga-Spielzeit an Selbstbewusstsein gewonnen und wollen die Erwartungen weiter übertreffen. So freute sich Frank Schmidt besonders, dass sich seine Spieler unmittelbar nach Abpfiff über das Unentschieden ärgerten. Für die „unglaubliche Moral“ seiner Mannschaft sei der eine Zähler sehr wertvoll, um in den ausstehenden sieben Spielen weiter zu punkten und den Klassenerhalt perfekt zu machen.

„Das Spiel hat gezeigt, dass wir immer zurückkommen können. Das ist unser Faustpfand“, so Schmidt. Denn klar sei auch: „Wir brauchen noch Punkte. Das Spiel hier nehmen wir mit.“ Mit Bayern und Leipzig erwarten die Heidenheimer in den kommenden Wochen weitere Spitzenmannschaften.

Schwere Aufgaben für beide Clubs

Und auch auf Seiten des VfB Stuttgarts ging der Blick schnell nach vorne. „Aus diesem Spiel gibt es viel zu lernen“, stellte Sebastian Hoeneß fest. Bereits am kommenden Samstag kann der VfB im schweren Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund einen weiteren wichtigen Schritt Richtung Champions League machen. „Für mich ist das ein Spiel mit einer Riesenchance“, warf der VfB-Trainer einen Blick voraus. Nicht dabei sein wird dann VfB-Abwehrchef und Nationalspieler Waldemar Anton, der sich im Spiel gegen Heidenheim die fünfte Gelbe Karte abgeholt hatte und gesperrt fehlen wird.

Fans des VfB Stuttgart haben auch im Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim ihren Unmut gegen die Turbulenzen in der Vereinspolitik zum Ausdruck gebracht. Schwarze Rauchwolken stiegen nach den ersten Spielminuten aus dem Fanblock auf. Viele Anhänger in der Cannstatter Kurve waren zudem dem Aufruf der organisierten Fanszene gefolgt und kamen in schwarzer Kleidung ins Stadion. „Aufsichtsrat, Investoren, Präsidium: Es reicht!“, stand auf einem Banner. Nach einem anfänglichen Stimmungsboykott unterstützen die VfB-Anhänger erst nach zehn Minuten lautstark ihr Team. Der Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle kündigte an, dass es am Dienstag bei einer Sitzung mit allen Beteiligten auch um die zukünftige Struktur des Vereins gehen werde.

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