USA und Partner sagen Kiew Stärkung der Flugabwehr zu

3 Tage vor
NATO
NATO-Gipfel in Washington Ukraine soll weitere Flugabwehrsysteme bekommen

Stand: 10.07.2024 02:12 Uhr

Die Ukraine bittet seit langer Zeit um eine Verstärkung für ihre Flugabwehr, um sich gegen Russland zu verteidigen. Auf dem NATO-Gipfel in Washington versprach US-Präsident Biden nun ein weiteres "Patriot"-System.

Zum Auftakt des NATO-Gipfels in Washington hat US-Präsident Joe Biden ein zusätzliches "Patriot"-Flugabwehrsystem der Vereinigten Staaten für die Ukraine angekündigt. Zusammen mit bereits bekannten Beiträgen aus Deutschland, Rumänien, den Niederlanden und Italien seien "fünf strategische Luftverteidigungssysteme" zusammengekommen, sagte Biden bei einem Festakt zum 75-jährigen Bestehen der Allianz.

Biden sagte bei seiner Rede vor den Staats- und Regierungschefs, die Ukraine solle im Laufe des nächsten Jahres auch Hunderte zusätzliche Abfangraketen bekommen, um die ukrainischen Städte vor russischen Raketen zu schützen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte in den vergangenen Monaten eindringlich gemahnt, dass weitere "Patriot"-Systeme nötig seien, um die ukrainischen Städte und Ballungsräume zu schützen. 

"Wir arbeiten an weiteren Zusagen in diesem Jahr", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung Bidens mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und den Staats- und Regierungschefs Rumäniens, der Niederlande und Italiens. "Unsere Botschaft an Moskau und die Welt ist klar: Unsere Unterstützung für die Ukraine ist stark und standhaft."

"Patriot"-Systeme für die Ukraine

Die USA hatten bislang bereits ein "Patriot"-System für die Ukraine bereitgestellt. Biden hatte die Lieferung vor rund anderthalb Jahren genehmigt, als Selenskyj zu seiner ersten Auslandsreise seit Beginn des russischen Angriffskriegs in die USA gereist war. Die US-Regierung liefert der Ukraine außerdem regelmäßig weitere Munition für das "Patriot"-System. Kiew hat nach eigenen Angaben bislang insgesamt vier "Patriot"-Systeme erhalten. Drei davon hat Deutschland bereitgestellt. Ein weiteres wurde unter anderem von Rumänien in Aussicht gestellt. 

Was ist das Flugabwehrsystem "Patriot"?

Das Flugabwehrsystem "Patriot" besteht aus radargestützten Lenkflugkörpern. Das System gilt als eine der modernsten Flugabwehrwaffen der Welt. Die Abschusscontainer und Radaranlagen sind in der Regel auf Sattelschlepper und Lkw montiert, so dass sie mobil sind. Das System wurde in den 60er-Jahren in den USA entwickelt. An der Fertigung waren auch deutsche Unternehmen beteiligt. Mit den Raketen können Flugzeuge, Marschflugkörper und ballistische Raketen bekämpft werden. Für die Abwehr kleiner Geschosse wie Mörsergranaten ist es nicht geeignet.
Das "Patriot"-System kann bis zu fünf Ziele gleichzeitig bekämpfen. Die Bundesrepublik führte die Waffe 1989 ein. Nach Angaben des Herstellers verfügen zwölf Staaten über "Patriot"-Systeme - darunter sechs NATO-Staaten.

Der Krieg in der Ukraine gehört zu den Hauptthemen beim NATO-Gipfel in Washington. Die Staats- und Regierungschefs der 32 Mitgliedsstaaten des Verteidigungsbündnisses feiern dort das 75. Jubiläum der NATO. 

Selenskyj dankt Bündnisstaaten

Selenskyj dankte den USA, Deutschland und weiteren NATO-Staaten für die geplante Stärkung der Luftabwehr seines Landes. Er sei den Partnern dankbar, dass sie diese Erklärung zur Unterstützung des ukrainischen Luftverteidigungssystems verabschiedet hätten, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. Die zusätzlichen Luftverteidigungssysteme würden helfen, russische Drohnen und Raketen zu zerstören und die Ukrainer besser vor russischem Luftterror zu schützen.

Selenskyj schrieb weiter, dies sei ein weiterer wichtiger Schritt nach der Entscheidung der USA, der Ukraine bei der Lieferung von Luftabwehrraketen Vorrang einzuräumen. Er sei Biden für seine Führungsrolle und allen Partnerländern für ihr Engagement dankbar.

Biden um Auftreten bedacht

Der 81-jährige Biden wirkte bei seiner mehrfach von Applaus unterbrochenen Rede kämpferisch. Er war sichtlich bemüht, den Eindruck zu korrigieren, den er im Fernsehduell gegen den republikanischen Herausforderer Donald Trump vor gut zehn Tagen hinterlassen hatte. In dem ersten TV-Duell hatte Biden fahrig und teils abwesend gewirkt. Mitglieder seiner Demokratischen Partei stellten daraufhin seine Führungsfähigkeit in Frage.

Das NATO-Treffen fällt in die heiße Phase des US-Wahlkampfs. Im November finden in den USA Präsidentschaftswahlen statt.

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