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5 Tage vor

Ausland Rätselhafte Krankheit

Russlands Geheimdienst steckt mutmaßlich hinter Havanna-Syndrom – US-Regierung gibt sich bedeckt

Stand: 09:12 Uhr | Lesedauer: 4 Minuten

Havanna-Syndrom russland - Figure 1
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Flaggen vor der US-Botschaft in Havanna

Quelle: dpa/Ramon Espinosa

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Seit Jahren erkranken diverse US-Diplomaten am rätselhaften Havanna-Syndrom. Eine große Recherche legt nun nahe, dass es durch gezielte Angriffe des russischen Geheimdienstes verursacht wurde. Die US-Regierung gibt sich bedeckt, aber erklärt: Auch 2023 beim Nato-Gipfel in Vilnius gab es einen Fall.

Das seit Jahren rätselhaft auftretende Havanna-Syndrom ist möglicherweise gezielt durch Attacken des russischen Militärgeheimdienstes GRU ausgelöst worden. Das legt eine minutiöse, internationale Recherche von „Spiegel“, dem US-Nachrichtenmagazin „60 Minutes“ (CBS) und dem russischen Medium „The Insider“ nahe.

Demnach haben mehrere betroffene US-Diplomaten über Gesichtsidentifizierung bestätigt, dass sich kurz vor Auftreten der mysteriösen, plötzlichen Symptome Agenten des russischen Geheimdienstes in ihrer unmittelbaren Umgebung befanden. Konkret soll es sich laut der Recherche dabei um die GRU-Einheit 29155 handeln, die auch an der Vergiftung des russischen Überläufers Sergei Skripal in Großbritannien beteiligt war.

Die Einheit ist laut geleakter russischer Geheimdienstdokumente außerdem in Russlands Sicherheitsapparat für die Entwicklung „non-letaler akustischer Waffen“ ausgezeichnet worden, an denen bereits in der alten Sowjetunion seit Mitte der 1980er Jahre unter dem Namen „Operation Reduktor“ geforscht wurde und die mit elektromagnetischer Strahlung (etwa Mikrowellen oder Ultraschallwellen) aus maximal 10 bis 15 Metern Entfernung Verletzungen im menschlichen Gehirn auslösen.

Traumatische Hirn- oder Schädelverletzungen

„Der Spiegel“ zitiert auch einen Betroffenen, demzufolge erste Fälle des Syndroms schon 2014 aufgetaucht seien – und zwar im US-Konsulat in Frankfurt am Main. Bislang ging man davon aus, dass das Syndrom, welches mehrere neurologische Störungen umfasst, erstmals im Jahr 2016 in der kubanischen Hauptstadt Havanna aufgetreten waren.

Havanna-Syndrom russland - Figure 2
Foto DIE WELT

Betroffene gaben an, dass die Symptome begannen, nachdem sie etwa ein seltsames Geräusch hörten oder starken Druck in ihrem Kopf spürten. Es folgten plötzlich starke Kopfschmerzattacken, Schwindel, viele mussten sich übergeben oder wurden ohnmächtig. Mehrfach wurden im Nachgang traumatische Hirn-, Schädel- oder knöcherne Ohrverletzungen festgestellt, einige Diplomaten oder Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA sind bis heute arbeitsunfähig, etwa wegen des Verlusts ihrer Seh- oder Hörfähigkeit, ihres Gleichgewichtssinns, anhaltender starker Kopfschmerzen oder kognitiver Störungen.

Wie die Recherche ergab, hatten mehrere der etwa 100 US-Betroffenen in der Vergangenheit auch mehr oder weniger direkt mit der Ukraine zu tun, die seit 2015 eng mit US-Geheimdiensten in ihrer Verteidigung gegen Russland zusammenarbeitet. „Es passierte unseren besten Agenten. Auffällig oft hatten sie in ihrer Arbeit mit den Russen zu tun“, erklärte Greg Edgreen, der für die US-amerikanische „Defense Intelligence Agency“ das Havanna-Syndrom untersuchte.

Fälle rund um den Globus

Bei einem hochrangigen Beamten des US-Verteidigungsministeriums sind auch beim Nato-Gipfel im litauischen Vilnius im vergangenen Jahr Symptome aufgetreten. „Ich kann bestätigen, dass ein hochrangiger Beamter des Verteidigungsministeriums Symptome hatte, die denen ähneln, die bei den ungewöhnlichen Gesundheitsvorfällen gemeldet wurden“, so Pentagon-Sprecherin Sabrina Singh. Die Person sei beim Gipfel in Vilnius gewesen, habe aber nicht zur Delegation des Verteidigungsministers gehört.

Weitere Fälle traten rund um den Globus auf, etwa in Georgien, den USA oder Indien, sowie 2017 auch in Moskau selbst, bei einem Koordinierungstreffen der Geheimdienst im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Die US-Regierung hatte anfangs nicht ausgeschlossen, dass es sich um eine Art Angriff gehandelt haben könnte. Vor gut einem Jahr gingen die US-Geheimdienste laut einem offiziellen Bericht dann mehrheitlich davon aus, dass kein „ausländischer Gegner“ für das sogenannte Havanna-Syndrom verantwortlich ist. Die gemeldeten Beschwerden seien demnach das Ergebnis von Vorerkrankungen, anderer Krankheiten oder Umweltfaktoren.

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Aus dem US-Außenministerium hieß es, man wolle die neuen Berichte weder bestätigen noch kommentieren. Man habe betroffene Mitarbeiter mithilfe des Havanna-Gesetzes umfangreich entschädigt und unterstützt. Der Geheimdienstausschuss sei im März 2023 zu dem Schluss gekommen, dass es unwahrscheinlich ist, dass ein ausländischer Gegner für das Havanna-Syndrom verantwortlich sei. An dieser Einschätzung halte man fest. Die Geheimdienste würden neue Informationen auswerten, wenn es solche gebe.

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Erst vor Wochen hatte es wissenschaftliche Veröffentlichungen dazu gegeben. US-Forscherteam hatten über mehrere Jahre den körperlichen Zustand von 86 Patienten mit Havanna-Syndrom analysiert – Regierungsangestellte und deren erwachsene Familienangehörige. Eine weitere Forschergruppe hatte nach Auffälligkeit im Gehirn gesucht.

Das Ergebnis: „Es gab keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf die meisten Werte, außer bei objektiven und selbstberichteten Messungen zu Gleichgewicht und zu Symptomen von Müdigkeit, posttraumatischem Stress und Depression“, schreiben die Wissenschaftler.

Betroffene beklagen allerdings, dass die US-Regierung möglicherweise die wahren Hintergründe verschleiert – etwa, weil körperliche Angriffe auf dutzende US-Amerikaner als Kriegsakt gewertet werden könnte, der eine entsprechende Gegenreaktion verlangen würde.

In Deutschland bekam das Havanna-Syndrom zuletzt Aufmerksamkeit durch den „Tatort“. Mitte März spielte es eine Rolle in der Folge „Unter Gärtnern“ mit dem Münsteraner Duo Thiel und Boerne. 12,73 Millionen Menschen sahen zu.

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