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Türkische Wirtschaft wächst - und hat ein Problem

Im vergangenen Jahr hat die türkische Wirtschaft dem globalen Trend getrotzt und hat zugelegt. Doch das hat seinen Preis. Die üppige Kreditvergabe führt dazu, dass die Währung unter Druck gerät und die Inflation nach oben schießt.

Montag, 01. März 2021

Lira fällt, Inflation steigt Türkische Wirtschaft wächst - und hat ein Problem 

Im vergangenen Jahr hat die türkische Wirtschaft dem globalen Trend getrotzt und hat zugelegt. Doch das hat seinen Preis. Die üppige Kreditvergabe führt dazu, dass die Währung unter Druck gerät und die Inflation nach oben schießt.

Die Türkei hat im Corona-Jahr 2020 als eines der wenigen Länder ein Wirtschaftswachstum geschafft. Das Bruttoinlandsprodukt legte um 1,8 Prozent zu, wie aus amtlichen Daten hervorgeht. Von den 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern (G20) hat lediglich noch China ein Plus geschafft, das mit 2,3 Prozent allerdings höher ausfiel. Die Türkei hat ihr gutes Abschneiden vor allem einem Kreditboom zu verdanken: Die staatlichen Banken haben ihre Darlehensvergabe in der zweiten Jahreshälfte nahezu verdoppelt.

Das hat allerdings seinen Preis. Der Kurs der Landeswährung Lira fiel auch wegen der Politik des billigen Geldes im vergangenen Jahr auf immer neue Rekordtiefs. Das wiederum kurbelte die Teuerung an, da viele Waren im Ausland gekauft werden müssen. Die Inflationsrate kletterte im Januar auf 15 Prozent, Daten für den Februar liegen noch nicht vor. Die Erholung sei "unausgewogen und verschärfte letztlich einige der externen Schwachstellen des Landes", sagte Jason Tuvey vom Analysehaus Capital Economics.

Die Aktivitäten des Finanzsektors wuchsen im vergangenen Jahr um mehr als 21 Prozent. Andere Dienstleistungen, zu denen der für die Türkei wichtige Tourismus gehört, schrumpften dagegen um 4,3 Prozent. Auch die Aktivität des Bausektors, ein Wachstumsmotor in den vergangenen Jahren, ging um 3,5 Prozent zurück. Ökonomen gehen davon aus, dass die Wirtschaft in diesem Jahr um rund fünf Prozent wachsen wird, und das, obwohl die Notenbank angesichts der hohen Inflation an einer restriktiveren Geldpolitik festhalten will.

Der Leitzins liegt mittlerweile bei 17 Prozent. Im vergangenen Sommer hatte er noch bei 8,25 Prozent gelegen. Seitdem hat sich die Geldpolitik grundlegend verändert. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte im November die Spitze der Notenbank ausgetauscht und den einstigen Finanzminister Naci Agbal auf den Stuhl des Notenbankchefs gehievt - kurz nachdem die Landeswährung auf ein Rekordtief gefallen war.

Erdogan machte Agbals Vorgänger Murat Uysal für den Niedergang der Lira verantwortlich. Dabei hatte der Präsident selbst immer wieder vehement niedrige Zinsen gefordert, um die Wirtschaft anzukurbeln. Der neue Zentralbankchef gilt als Verfechter einer strafferen Geldpolitik im Kampf gegen die hohe Inflation.

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