Dr.-Feelgood-Songwriter: Wilko Johnson ist tot

Mit seinem abgehackten, präzisen Spiel beeinflusste der Gitarrist der Band Dr. Feelgood die entstehende Punkszene. Später spielte er einen Henker in »Game ...

Mit seinem abgehackten, präzisen Spiel beeinflusste der Gitarrist der Band Dr. Feelgood die entstehende Punkszene. Später spielte er einen Henker in »Game of Thrones«. Nun ist Wilko Johnson mit 75 Jahren gestorben.

23.11.2022, 17.20 Uhr

Wilko Johnson (1947-2022): »Böse Blicke werfen konnte ich schon immer«

Wilko Johnson (1947-2022): »Böse Blicke werfen konnte ich schon immer«

Foto: Awakening / Getty Images

Schaut man sich heute Auftritte der Pub-Rockband Dr. Feelgood an, aus dem britischen Fernsehen, so um 1975 herum, fällt Wilko Johnson sofort ins Auge. Meist in schwarz gekleidet, läuft der Gitarrist stoisch vor und zurück, genauso präzise und rhythmisch wie er auch seine Akkorde anschlägt.

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Gniedelnde Soli, expressive Posen, wallendes Haar – all die Insignien der Rockdinosaurier der Siebzigerjahre waren von Wilko Johnson nicht zu erwarten. Deswegen wurde seine Band Dr. Feelgood zur musikhistorischen Brücke zwischen der englischen Rhythm-&-Blues-Szene der späten Sechziger und dem alles umstürzenden Punk ab 1976. Paul Weller, mit The Jam einer der Punk-Protagonisten, adelte Wilko Johnson als einen der größten Gitarristen.

Dr. Feelgood um 1975

Dr. Feelgood um 1975

Foto: Estate Of Keith Morris / Redferns / Getty Images

Zur Welt kam er am 12. Juli 1947 als John Peter Wilkinson. In den Siebzigern legte er den verhassten Vornamen ab; der Name Wilko klinge großartig, wenn ihn ein großes Publikum brülle: »Wilko! Wilko! Wilko!«, sagte er dem SPIEGEL 2017 in einem Interview.

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"Wilko! Wilko! Wilko!"

"Wilko! Wilko! Wilko!"

Sein Geburtsort Canvey Island in der englischen Grafschaft Essex galt als »Oil City« des Landes wegen seiner petrochemischen Industrie. Dort spielte er in den Sechzigern in verschiedenen Blues- und Skiffle-Bands, bevor sich 1971 Dr. Feelgood zusammenfanden – neben Wilko Johnson noch der Sänger Lee Brilleaux, der Bassist »Sparko« und der Schlagzeuger »The Big Figure«.

Streit über Album-Setlist

Dr. Feelgood machten sich mit ihrem schnell gespielten Rhythm & Blues bald in der wachsenden Pub-Rock-Szene Londons einen Namen. 1974 konnten sie ihr erstes Album einspielen, »Down by the Jetty«, dessen bekannteste Titel die von Wilko Johnson geschriebenen Songs »Roxette« und »She Does it Right« sind. Ebenfalls als prägend anerkannt ist das Album »Malpractice« (1975).

Im Streit über die Setlist eines Albums verließ Wilko Johnson die Band 1977. Er war als Sessionmusiker in der Folge gut gebucht; etwas dauerhafter war sein Engagement als Mitglied von Ian Durys Begleitband The Blockheads.

Wilko Johnson 1977, nach seinem Ausstieg bei Dr. Feelgood

Wilko Johnson 1977, nach seinem Ausstieg bei Dr. Feelgood

Foto: Ian Dickson / Redferns / Getty Images

Über sein Leben schrieb er in einer Autobiografie, die 2017 auch auf Deutsch erschien. Da hatte Johnson bereits sein Schauspieldebüt hinter sich: Er spielte den Henker Ser Ilyn Payne in der Serie »Game of Thrones«. Offenbar half ihm dafür sein Gesichtsausdruck: »Böse Blicke um mich werfen konnte ich schon als Kind ziemlich gut«, sagte er dem SPIEGEL.

Wegen einer Krebserkrankung musste er seinen Serienausflug vorzeitig beenden. Die Musikzeitschrift »Q« zeichnete Wilko Johnson 2014 mit ihrem »Icon Award« aus, da schien der Krebs überwunden.

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Am Mittwochvormittag wurde auf seinen Social-Media-Kanälen der Tod von Wilko Johnson bekannt gegeben. Demnach starb er zu Hause im Alter von 75 Jahren.

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