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Werder ist wieder da! Baumann: "Wird verdammt schwer"

Nach einer durchfeierten Aufstiegs-Nacht beginnen für Werder Bremen schwierige Planungen für die neue Saison in der Fußball-Bundesliga. Für Trainer Ole Werner ist es die erste - für Werder die 58.

Stand: 16.05.2022 10:28 Uhr

Nach einer durchfeierten Aufstiegs-Nacht beginnen für Werder Bremen schwierige Planungen für die neue Saison in der Fußball-Bundesliga. Für Trainer Ole Werner ist es die erste - für Werder die 58.

von Andreas Bellinger

Um 17.22 Uhr brachen die Dämme, die Werder-Fans fluteten den Rasen und im Tollhaus Weserstadion wurde der 15. Mai endgültig zum grün-weißen Feiertag ausgerufen. 18 Jahre nachdem die Bremer zum vierten und bis dato letzten Mal die Meisterschale in Empfang nehmen konnten, war Werders Rückkehr in die Fußball-Bundesliga durch ein 2:0 über Jahn Regensburg besiegelt und "endlich der Druck aus dem Kessel", wie es Torjäger Niclas Füllkrug in schon bierseliger Stimmung nannte - mit freiem Oberkörper: "Mein Outfit in den nächsten drei Tagen."

Werner: "Erlebt man vielleicht nur einmal"

Das Bad in der Menge und das mitunter närrische Treiben mit Bierduschen und zerlegten Toren hatten sich die Werderaner durchaus verdient nach einer Saison, die noch Ende November mit Platz zehn in der Tabelle einer zum Vergessen glich. Doch dann kam Ole Werner und die Impfpass-Affäre um Markus Anfang wurde zum Startpunkt einer unglaublichen Erfolgsserie (43 von 57 möglichen Punkten).

VIDEO: Ole Werner: Werder Bremens Aufsteiger (29 Min)

Als bestes Team der Rückrunde (37 Punkte) machten die Grün-Weißen die prompte Rückkehr ins Fußball-Oberhaus perfekt und korrigierten somit den "Betriebsunfall" Abstieg. "Außergewöhnlich", schwärmte Werner auch über die Unterstützung in der ganzen Stadt. "Das erlebt man vielleicht nur einmal im Leben."

"Ducksch is von fire" - Triumphzug durch Bremen

In Meistermanier und T-Shirts mit der Aufschrift "Löppt" (Läuft) kutschierte der Aufsteiger schließlich auf einem Truck durch die tausendfache Schar der Werder-Anhänger - beschallt aus überdimensionalen Lautsprechern, aus denen neben dem üblichen "Nie mehr Zweite Liga" natürlich auch die Musik zu "Ducksch is von fire" dröhnte. Der noch von Anfang in Hannover losgeeiste Stürmer brachte es in 29 Spielen für Werder auf 21 Tore, während sein kongenialer Partner Füllkrug 19 Mal ins Schwarze traf.

Fritz: "Bin überwältigt"

Überschwang wohin das Auge schaute: "Der SVW ist wieder da", prangte in großen Lettern am Werder-Truck - und Club-Boss Klaus Filbry tönte ungewohnt unvorsichtig: "Ich hoffe, dass das der letzte Aufstieg ist, den wir mit Werder Bremen feiern, weil wir in der Ersten Liga bleiben."

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Auch Profi-Chef und Ehrenspielführer Clemens Fritz ("Ich bin einfach nur überwältigt") und Frank Baumann ließen sich treiben, hier und da wurde eine Träne verdrückt. Vor allem der Geschäftsführer Sport, dem der Abstieg persönlich angekreidet worden war, blickte im Gespräch mit dem NDR erleichtert über den Rasen, auf dem Stunden zuvor die Post abgegangen war. "Pure Freude" empfinde er - so viel Emotion durfte sein.

Kader klug und stimmig verstärken

Genugtuung hätte ihm wohl jeder zugestanden, aber Baumann meinte nur: "Es geht nicht um persönliche Befindlichkeiten, der Verein steht über allem." Stolz sei er auf die Trainer, das Team und natürlich die Fans, die eine unfassbare Unterstützung geboten hätten. Und überhaupt:

"Werder hat in den letzten Wochen mal wieder bewiesen, was für ein besonderer Verein es ist." Frank Baumann

Damit das so bleibt, sind besondere Anstrengungen vonnöten. "Wir wissen selbstverständlich, dass die nächste Saison verdammt schwer werden wird", so Baumann. Der Kader müsse klug und stimmig verstärkt werden. Dabei komme es nicht nur auf die Qualität des Einzelnen an. "Das Gefüge der Mannschaft muss passen; die richtigen Charaktere gehören dazu."

Wer bleibt, wer geht? Kader-Pläne noch geheim

Nach Baumanns Vorstellungen sollen auch junge Perspektivspieler eine Chance bekommen. Wie der aus Augsburg geholte 18-jährige Dikeni Salifou. "Wir werden versuchen, die Pläne in den nächsten Tagen und Wochen umzusetzen, damit wir, anders als vor einem Jahr, die Vorbereitung nutzen und gut gerüstet in die am 5. August startende Saison starten können."

Wie die Pläne konkret aussehen, welche Spieler bleiben, welche gehen müssen oder wollen, das ließ Baumann noch unbeantwortet. Mitchell Weiser sowie die Nationalspieler Jiri Pavlenka, Milos Veljkovic oder Marco Friedl sollen wohl bleiben. Das Duo Ducksch/Füllkrug und der Stamm des Aufsteigers auch.

Große Sprünge sind nicht drin

Alles eine Frage der Finanzen könnte man sagen. Deshalb sollte auch niemand auf die Idee kommen, die Situation mit der erfolgreichen Rückkehr anno 1981 zu vergleichen. Dass Werder in wirtschaftlicher Hinsicht schwächelt, ist hinlänglich bekannt, obwohl der Spieler-Etat nach dem Abstieg von 47 Millionen Euro auf unter 20 Millionen Euro reduziert werden konnte. Das Kader-Budget werde nun zwischen diesen beiden Beträgen liegen, kündigte Filbry an. Große Sprünge sind nicht drin. "Werder wird auch in der TV-Tabelle weiter unten stehen." Die Ticketpreise sollen trotzdem stabil bleiben.

Toprak: Abstieg endlich ausgebügelt

Zahlen und Probleme, die den "Feierbiestern" um Einpeitscher Leonardo Bittencourt auf der Jubelfahrt am Osterdeich sicher keine Kopfschmerzen bereitet haben. Aber es gab auch leise Töne, vor allem von denen, die die Abstiegssaison unter Trainer Florian Kohfeldt, dessen Rausschmiss in Wolfsburg fast zeitgleich mit den Jubelszenen im Weserstadion öffentlich wurde, miterlebt hatten.

So wirkte Kapitän Ömer Toprak noch lange nach dem Abpfiff eher in sich gekehrt: "Das Scheitern hat mich sehr hart getroffen; ich habe mich lange geschämt", sagte er. Während die Party auf dem Rasen begann, hatte sich der 32-Jährige in die Kabine geflüchtet, musste alles erst einmal sacken lassen - allein mit sich und seinen Gedanken. "Nach all dem Stress bin ich einfach nur froh, dass wir das ausgebügelt haben."

Erste Bundesliga-Saison für Werner - 58. für Werder

Der als eher norddeutsch kühl, abwartend und kontrolliert geltende Werner hüpfte und tanzte derweil ausgelassen und schüttelte so viele Hände wie wohl selten zuvor in seinen 34 Lebensjahren: "Heute bin ich einmal nicht der Mahner." Es darf jedoch als ausgemacht gelten, dass der im schleswig-holsteinischen Preetz geborene Trainer nach gebührend durchfeierter Nacht umgehend mit den Planungen für etwas Neues beginnen wird - seine erste Saison in der Fußball-Bundesliga, die 58. für Werder: "Wir werden ein Aufsteiger sein", sagte er, "auch wenn wir ein großer Name sind."

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Sportclub | 15.05.2022 | 22:45 Uhr
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