Irans Nationalmannschaft singt Hymne gegen Wales | sportschau.de

Irans Nationalmannschaft singt Hymne gegen Wales | sportschau.de

Stand: 25.11.2022 11:34 Uhr

Die iranische Nationalmannschaft hat gegen Wales die Hymne nicht boykottiert. Anders als beim Auftaktspiel gegen England sangen die Spieler mit.

Die iranische Nationalmannschaft hat ihren Hymnenprotest aus dem Auftaktspiel nicht wiederholt. Vor dem Spiel gegen Wales sang die gesamte Nationalmannschaft mit, als die Hymne gespielt wurde. Das Nicht-Singen der Hymne gegen England hatte weltweit viel Beachtung gefunden und wurde als Zeichen der Solidarität mit den Anti-Regime-Protesten im Iran gewertet. Von Teilen der Zuschauer wurde die Hymne mit Pfiffen begleitet.

ARD-Korrespondentin Willinger: Ausschluss aus der Nationalmannschaft könnte drohen

ARD-Iran-Korrespondentin Katharina Willinger sagte im Vorfeld der Partie im Sportschau-Interview, dass auf die Nationalspieler nach der WM Strafen zukommen könnten: "Viele gehen davon aus, dass Konsequenzen drohen, wenn sie in den Iran zurückkehren. Das könnte der Ausschluss aus der Nationalmannschaft sein. Oder sogar das Ende der sportlichen Karriere, wenn sie bei iranischen Vereinen spielen." Neun der 26 Spieler sind bei iranischen Teams unter Vertrag.

Es könnte, so Willinger, auch während der WM schon Druck auf Verwandte und Freunde ausgeübt werden. Auch wenn es immer wieder hieß, dass vom Regime kein Druck auf die Mannschaft ausgeübt werde, sei das kaum glaubhaft: "Aus dem Sicherheitsapparat fährt immer jemand mit. Frei bewegen kann man sich sicher nicht, wenn man Teil einer iranischen Nationalmannschaft ist", so Willinger.

Katarische Sicherheitskräfte konfiszieren Protest-Botschaften

Vor der Partie gegen Wales war zu sehen, wie katarische Ordner ein T-Shirt mit der Protestbotschaft "Women Life Freedom" - Frauen, Leben, Freiheit gegen Widerstand konfisziert hatte. Bereits vor dem Auftaktspiel gab es mehrfach Fälle, in denen Sicherheitskräfte Protestbekundungen verhindert hatten.

Für kaum eine andere Nationalmannschaft wird die Weltmeisterschaft in Katar zu solch einer Zerreisprobe wie für den Iran.

Die Presseagentur Associated Press (AP) berichtet von Konflikten zwischen regimenahen und regime-kritschen Stadionbesuchern vor der Partie. Kleinere Gruppen von Männer sollen Beleidigungen und "The Islamic Republic of Iran" in Richtung von Frauen geschrien haben, die vor dem Stadion Interviews über die Proteste im Iran gegeben haben. Außerdem sollen Fans Hüte, auf denen der Name vom kürzlich inhaftierten Ex-Nationaspieler Voria Ghafori stand, von Regime-Anhängern abgenommen worden sein.

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