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Das Aus für Neuhaus: Lupe und Fernglas helfen beim Verstehen

Notwendige Entscheidung oder blanker Aktionismus? Arminia trennt sich von seinem Aufstiegstrainer Uwe Neuhaus. Die Verantwortlichen gehen einen gewagten Schritt. Eine kommentierende Einordnung von Michael Richter. - kicker

Notwendige Entscheidung oder blanker Aktionismus? Arminia trennt sich von seinem Aufstiegstrainer Uwe Neuhaus. Die Verantwortlichen gehen einen gewagten Schritt. Eine kommentierende Einordnung von Michael Richter.

Führte Arminia zurück ins Oberhaus und muss nun gehen: Uwe Neuhaus.

Führte Arminia zurück ins Oberhaus und muss nun gehen: Uwe Neuhaus. imago images

Die Entscheidung wirkt für viele schwer nachvollziehbar und ist für diejenigen, die sie getroffen haben, auch nicht gerade einfach vermittelbar. Musste Arminia Bielefeld tatsächlich die Reißleine ziehen und sich von diesem verdienten Trainer trennen? Zu aussichtsreich mutet die aktuelle sportliche Situation im Abstiegskampf nach wie vor an, zu frisch ist zudem auch noch die Erinnerung an den herausragenden Aufschwung unter Uwe Neuhaus in der 2. Liga und auch an Lichtblicke wie zuletzt den beherzten Auftritt beim 3:3 gegen den FC Bayern.

Notwendige Entscheidung oder blanker Aktionismus? Um die Macher in Ostwestfalen zu verstehen, helfen eine auf die aktuelle Situation gelegte Lupe und ein Fernglas mit Blick in die Zukunft. Erst so wird der äußerlich unpopuläre Cut als wohl überlegte Entscheidung auf Basis interner Analysen und Bewertungen der vergangenen Wochen und Monate erkennbar.

Die Ausrichtung als "Ausbildungsverein" schien gefährdet

Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme führten beim genauen Hinsehen ganz offensichtlich zu der Überzeugung: Der kurz- und mittelfristige Erfolg in der Bundesliga ist stark gefährdet, da es Neuhaus letztlich nicht gelang, seine erfolgreiche Zweitliga- zu einer stabil konkurrenzfähigen Bundesligamannschaft zu transformieren, dabei Homogenität und Konkurrenzkampf im Kader zu bewahren und alle Spieler mitzunehmen. Darüber hinaus erschien die langfristige Ausrichtung als "Ausbildungsverein für Talente" gemäß der eigenen Philosophie mit Uwe Neuhaus, der diesem internen Prozess wenig Interesse beimaß, über die Saison hinaus sogar gar nicht mehr möglich.

Das alles macht die Entscheidung nachvollziehbar. Garantien, dass sie am Ende auch von Erfolg gekrönt sein wird, gibt es freilich ebenso wenig wie sie ein Festhalten an dem 61-Jährigen geliefert hätte. Vielleicht erhöht sie zumindest die Chancen, wenngleich es fraglos auch riskant anmutet, auf dem Cheftrainer-Posten nun eine eher langfristige Lösung anzustreben, die schon im Sommer verbrannt sein könnte, wenn sich der weitere Saisonverlauf zum Desaster für Arminia entwickelt.

Die Verantwortlichen in Bielefeld gehen einen gewagten Schritt. Den etwaigen Vorwurf jedoch, bedrohliche Schieflagen identifiziert, aber nicht rechtzeitig im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Überzeugungen darauf reagiert zu haben, müssen sie sich nicht gefallen lassen.

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