„Kampf gegen westliche Hegemonie“: Putin rechtfertigt Ukraine-Krieg vor Müttern

StartseitePolitik„Kampf gegen westliche Hegemonie“: Putin rechtfertigt Ukraine-Krieg vor Müttern

Erstellt: 25.11.2022, 14:52 Uhr

Von: Christian Stör

KommentareTeilen

Der russische Präsident trifft sich mit Müttern und Ehefrauen kämpfender Soldaten. Von seiner Linie weicht er dabei nicht ab: der News-Ticker zum Ukraine-Krieg.

Abwehr von Drohnen: Nato liefert StörsenderNeun Monate Krieg: Selenskyj gibt sich kämpferischHinweis der Redaktion: Lesen Sie aktuelle Entwicklungen im Ukraine-Konflikt in unserem News-Ticker. Die hier verarbeiteten Informationen zum Ukraine-Krieg stammen teils von den Kriegsparteien aus Russland und der Ukraine. Sie lassen sich deshalb in Teilen nicht unabhängig überprüfen.

+++ 14.40 Uhr: Wladimir Putin tritt während des Ukraine-Kriegs eher selten in Erscheinung – vor allem im Vergleich zu seinem ukrainischen Gegenspieler Wolodymyr Selenskyj, der befreite Gebiete wie die Stadt Cherson besucht und sich jeden Abend per Video an sein Volk wendet. Nun aber ist Putin wieder einmal öffentlich aufgetreten. Kurz vor dem Muttertag in Russland am Sonntag (27. November) hat sich der russische Präsident mit Müttern und Ehefrauen kämpfender Soldaten getroffen.

Wladimir Putin trifft sich vor dem Muttertag in der Staatsresidenz Novo-Ogaryovo mit Müttern von russischen Soldaten, die an der Militäroperation in der Ukraine teilnehmen.

Wladimir Putin trifft sich vor dem Muttertag in der Staatsresidenz Novo-Ogaryovo mit Müttern von russischen Soldaten, die am Ukraine-Krieg teilnehmen. © Mikhail Metzel/Imago

Dabei forderte Putin die Mütter der Soldaten auf, nicht alles zu glauben, was sie im Fernsehen sähen oder im Internet läsen, und behauptete, es seien viele „Fälschungen“ über den Krieg im Umlauf. „Ich möchte, dass Sie wissen, dass ich persönlich und die gesamte Führung des Landes Ihren Schmerz teilen“, sagte Putin in dem veröffentlichen TV-Clip. „Wir verstehen, dass nichts den Verlust eines Sohnes ersetzen kann. Wir teilen diesen Schmerz.“ Putin fügte hinzu, dass er die „militärische Spezialoperation“ gegen die Ukraine nicht bereue. Sie sei ein notwendiger Wendepunkt im Kampf gegen die westliche Hegemonie. Die Kommentare der Mütter wurden in dem Fernsehclip nicht gezeigt.

News zum Ukraine-Krieg: Millionen von Menschen werden in Not gestürzt

+++ 13.45 Uhr: Bei russischen Angriffen auf die kritische Infrastruktur der Ukraine sind nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) seit Oktober mindestens 77 Zivilpersonen getötet worden. „Millionen von Menschen werden durch diese Angriffe in extreme Not und entsetzliche Lebensbedingungen gestürzt“, sagte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk. Auch Videos, die ukrainische Soldaten bei der Hinrichtung russischer Kriegsgefangener zu zeigen scheinen, seien in einer vorläufigen Analyse von der UN als authentisch eingestuft worden, so Türk. Die Ukraine will nach eigenen Angaben mutmaßliche Misshandlungen durch ihre Streitkräfte untersuchen.

+++ 13.15 Uhr: Bei einem Besuch in Kiew hat der britische Außenminister James Cleverly der Ukraine Rettungswagen und weitere praktische Unterstützung versprochen. „Während der Winter hereinbricht, versucht Russland, die ukrainische Entschlossenheit durch brutale Angriffe auf Zivilisten, Krankenhäuser und Energieinfrastruktur zu brechen“, sagte der Politiker in Kiew der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge. „Russland wird scheitern.“

News zum Ukraine-Krieg: Nato liefert Störsender

+++ 12.15 Uhr: Die Nato hat den Streitkräften der Ukraine Störsender zur Drohnenabwehr geliefert. Die sogenannten Jammer seien Teil eines umfassenden Unterstützungspakets, sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg bei einer Pressekonferenz in Brüssel. Zu ihm gehörten auch Treibstoff, medizinisches Material und Winterausrüstung. Die Jammer sollen der Ukraine dabei helfen, Angriffe mit Kamikaze-Drohen abzuwehren. Die Geräte sind in der Regel elektromagnetische Sender, die das Navigations- oder Kommunikationssystem der Drohnen stören. Kiew fordert unterdessen Waffen, die auch Putin selbst bedrohen können (s. Update v. 11.10 Uhr).

+++ 11.10 Uhr: Neun Monate nach Beginn des Ukraine-Kriegs wird die Lage für die Zivilbevölkerung in der Ukraine immer verzweifelter. So war am Mittwoch (23. November) nach massiven russischen Raketenangriffen auf die Energieinfrastruktur landesweit die Stromversorgung ausgefallen. Doch die Ukraine gibt sich trotz winterlicher Temperaturen weiter kämpferisch, Präsident Selenskyj appellierte an den Widerstandsgeist des Volkes (s. Erstmeldung).

Zudem fordert Kiew den Westen zum Handeln auf. „Es müssen jetzt Waffen geliefert werden, die auch ein Bedrohungspotenzial für Putin haben“, hieß es aus Regierungskreisen gegenüber der Zeitung Die Welt. Kiew benötige Raketen mit größerer Reichweite, die auch Abschussbasen und Munitionslager auf russischem Territorium ausschalten können. „Die Möglichkeit eines solchen Gegenschlags unsererseits würde in Moskau als Abschreckung verstanden werden.“ Putin habe sein Kriegsziel der kompletten Beherrschung der Ukraine noch nicht aufgegeben, hieß es weiter aus Regierungskreisen in Kiew. Um sich dem widersetzen zu können, brauche das Land dringend weitere Flugabwehrsysteme.

Update vom Freitag, 25. November, 10.10 Uhr: Nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko hat die Hälfte der Verbraucher in der Hauptstadt Kiew noch immer keinen Strom. Ein Drittel der Kiewer Häuser sei aber bereits wieder beheizt, teilte Klitschko auf Telegram mit. Nach Angaben der Militärverwaltung der Hauptstadt ist die Wasserversorgung in Kiew inzwischen vollständig wiederhergestellt. Die Wärmeversorgung werde ebenfalls wiederhergestellt, Notfallteams seien im Reparatureinsatz.

News zum Ukraine-Krieg: Selenskyj gibt sich kämpferisch

Erstmeldung vom Freitag, 25. November: Kiew – Seit mittlerweile neun Monaten tobt in Europa ein Krieg. Ein Ende des Ukraine-Konflikts ist derzeit nicht abzusehen. Während Russland am Boden viele Rückschläge und teilweise schwere Verluste hinnehmen muss, leidet die Ukraine unter den massiven Luftangriffen, mit denen der Aggressor aus Moskau das ukrainische Volk in die Knie zu zwingen hofft.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gibt sich aber weiter kämpferisch. In seiner Videoansprache hat er angesichts von Kälte und Dunkelheit in den Städten infolge der massiven Blackouts erneut den Widerstandsgeist seines Volkes gegen die russische Invasion beschworen. „Wir haben neun Monate lang einen umfassenden Krieg überstanden, und Russland hat keinen Weg gefunden, uns zu brechen. Und es wird keinen finden“, sagte Selenskyj. „Wir müssen so weitermachen wie jetzt gerade, in Einigkeit und gegenseitiger Hilfe.“

News zum Ukraine-Krieg: Kiew ohne Wasser und Strom

Die Wiederherstellung von Strom- und Wasserversorgung nach dem schweren Raketenangriff vom 23. November dauerte den ganzen Donnerstag und in die Nacht zum Freitag an. Die Hälfte des Bedarfs könne wieder gedeckt werden, teilte der Netzbetreiber Ukrenerho mit.

Angespannt blieb die Lage in der Hauptstadt Kiew. Dort hatten nur 30 Prozent der Haushalte Strom. Die Angriffe auf zivile Ziele seien „die Rache derjenigen, die verloren haben“, sagte Selenskyj. „Das Einzige, was sie tun können, ist zu terrorisieren. Ob Energieterror, Artillerieterror oder Raketenterror – dazu ist Russland unter seiner derzeitigen Führung heruntergekommen.“

News zum Ukraine-Krieg: Lukaschenko schließt Einsatz seiner Armee aus

Derweil schließt der belarussische Staatschef Alexander Lukaschenko einen direkten Einsatz seiner Armee im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine aus. „Wenn wir uns unmittelbar mit den Streitkräften, mit Soldaten in diesen Konflikt einmischen, tragen wir nichts bei, wir machen es nur noch schlimmer“, sagte Lukaschenko nach einer Meldung der Agentur Belta. Belarus unterstütze Russland, seine Rolle sei aber eine andere.

Lukaschenko hat sein von Moskau abhängiges Land als Aufmarschgebiet für russische Truppen zur Verfügung gestellt. Die Ukraine betrachtet das Nachbarland deshalb als Kriegspartei und hält Truppen in Reserve für den Fall, einen direkten Angriff aus Belarus abwehren zu müssen. (cs/dpa)

Auch interessant
Ähnliche Nachrichten