Steigende RSV-Fallzahlen stellen Kinderkliniken vor Probleme

Kinderkliniken kommen an ihre Grenzen: Das RS-Virus verursacht eine große Welle an Atemwegserkrankungen. Betroffen sind vor allem Kleinkinder.
Ärzte warnen - Steigende RSV-Fallzahlen stellen Kinderkliniken vor Probleme Ein am Respiratorischen Synzytial-Virus (RS-Virus oder RSV) erkrankter Patient liegt auf einer Kinderstation in einem Krankenbett. (Quelle: dpa/Marijan Murat)Bild: dpa/Marijan Murat

Kinderkliniken kommen an ihre Grenzen: Das RS-Virus verursacht eine große Welle an Atemwegserkrankungen. Betroffen sind vor allem Kleinkinder. Das Problem seien aber nicht die hohen Fallzahlen, sondern Personalmangel, warnt Kinderarzt Jakob Maske.

Das Robert Koch-Institut rechnet damit, dass sich akute Atemwegserkrankungen in den nächsten Wochen noch deutlich stärker ausbreiten als bisher. In der vergangenen Woche sei die Zahl der erfassten Fälle auf sieben Millionen gestiegen, schreibt das RKI in seinem Wochenbericht. Die sogenannten RSV-Infektionen führen dazu, dass vor allem Säuglinge und Kleinkinder ins Krankenhaus kommen - und genau das wird jetzt zum Problem.

RSV steht für Respiratorisches Synzytial-Virus, ein Erreger von akuten Atemwegserkrankungen. Es wird von Mensch zu Mensch verbreitet, vor allem durch Tröpfcheninfektion. Der Nachweis von RS-Viren erfolgt nach einem Abstrich im Labor.

Kinderarzt Jakob Maske, Bundessprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, warnte am Freitag im rbb24 Inforadio davor, dass die Krankenhäuser Probleme haben, schwerkranke Kinder aufzunehmen. "Das liegt nicht unbedingt daran, dass die Zahl der schwerkranken Kinder so stark ansteigt, sondern es liegt daran, dass unser Bundesgesundheitsministerium die ambulante und die klinische Medizin regelrecht gegen die Wand fährt und damit Kinder und Jugendliche gefährdet", so Maske. Schuld daran sei vor allem Personalmangel. Hier müsse die Politik gegensteuern, damit medizinische Berufe attraktiver werden.

Archivbild: Eine Pflegerin eines Seniorenpflegeheims geht am 25.02.2016 in Berlin mit einem Bewohner durch einen Gang. (Quelle: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert)

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Kaum freie Kinderbetten in mehreren Bundesländern

In mehreren Bundesländern, darunter Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, gebe es schon jetzt kaum ein freies Kinderbett in Kliniken mehr, sagte Florian Hoffmann, Generalsekretär der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) und Oberarzt im Dr. von Haunerschen Kinderspital in München. Er sprach von "Katastrophenzuständen" - Familien mit kranken Kindern müssten teils in der Notaufnahme auf einer Pritsche schlafen. Das sei für Deutschland ein Armutszeugnis. Viele betroffene Kinder seien schwer krank und müssten beatmet werden.

Bereits im Spätsommer 2021 hatte es eine unüblich hohe RSV-Welle gegeben - die Lage aktuell sei aber schlimmer, sagte Hoffmann. Nicht nur in Deutschland, generell auf der Nordhalbkugel gebe es ein "dramatisches epidemisches Geschehen". Betroffen seien viele Kinder von ein oder zwei Jahren, die - auch angesichts der Corona-Pandemie und der dagegen getroffenen Maßnahmen - bisher keinerlei Kontakt zum RSV hatten, erklärte Hoffmann.

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Corona-Schutzmaßnahmen verhinderten auch RSV-Infektionen

An RSV kann man in jedem Alter erkranken, aber vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern ist der Erreger bedeutsam. Innerhalb des ersten Lebensjahres hätten normalerweise 50 bis 70 Prozent und bis zum Ende des zweiten Lebensjahres nahezu alle Kinder mindestens eine Infektion mit RSV durchgemacht. Im Zuge der Corona-Schutzmaßnahmen waren viele solche Infektionen allerdings zeitweise ausgeblieben.

Es kann sich um eine einfache Atemwegsinfektion handeln, aber auch schwere Verläufe bis hin zum Tod sind möglich. Zu Risikopatienten zählt das RKI zum Beispiel Frühgeborene und Kinder mit Lungen-Vorerkrankungen, aber auch generell Menschen mit Immunschwäche oder unterdrücktem Immunsystem.

Sendung: rbb24 Inforadio, 25.11.2022, 13:20 Uhr

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