Karneval am Rhein: Rosenmontagszüge in Köln und Düsseldorf ...

Rosenmontagszug

In Köln hat sich am Montagvormittag der größte deutsche Rosenmontagszug in Bewegung gesetzt. Während er im vergangenen Jahr ausnahmsweise im rechtsrheinischen Deutz gestartet war, um dann über den Rhein zu ziehen, fuhr er dieses Jahr wieder wie gewohnt an der Severinstorburg in der Kölner Südstadt im Linksrheinischen ab.

Die Persiflagewagen zeigen dieses Jahr unter anderem Bundeskanzler Olaf Scholz als Faultier in der Hängematte und Außenministerin Annalena Baerbock als Elefant im Porzellanladen. Auf einem Wagen streckt eine Figur mit heruntergelassener Hose ihr blankes Gesäß einigen zum Hitlergruß ausgestreckten Armen entgegen ‒ an einem Arm prangt das Logo der AfD.

„Das ist doch gut in einer Zeit, die nicht immer nur mega easy ist“

„Dieser Wagen sagt eigentlich alles: Die können uns mal am Arsch lecken“, sagte BAP-Sänger Wolfgang Niedecken am Montag dazu im WDR Fernsehen. Er erinnerte auch an die große Kölner Demo gegen rechts Ende Januar. „Das war rührend. Als ich über die Deutzer Brücke ging, da stand ein Chor, ein Laienchor, die haben Bläck-Fööss-Lieder gesungen, und dann kamen Familien mit Kinderwagen, dann kamen alte Leute am Rollator ‒ die wollten dabei sein.“ All diese Menschen hätten die Botschaft kommunizieren wollen: „Nein, an uns kommt ihr nicht vorbei.“

Auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) läuft im Kölner Rosenmontagzug mit. „Das ist doch gut in einer Zeit, die nicht immer nur mega easy ist ‒ einfach ein bisschen Spaß haben“, sagte er. Karneval sei gelebte Vielfalt, genau wie ganz Nordrhein-Westfalen.

Nicht im Zug mit dabei war Frieda, die Jungfrau des Kölner Dreigestirn: Sie ‒ die eigentlich ein Mann ist und Friedrich heißt ‒ musste sich am Sonntag einer Hüftoperation unterziehen. Dadurch wurde das Dreigestirn auf ein Duo reduziert. „Wir werden den Tag für meinen Papa mit genießen“, sagte Prinz Sascha, der im wahren Leben der Sohn der Jungfrau ist.

Donald Trump, der die Nationalflagge der USA zu einer Hakenkreuz-Fahne verunstaltet

Ein Kanzler ohne Hirn und die russisch-orthodoxe Kirche zu Füßen Putins: Auch in Düsseldorf feiern die Karnevalisten den Rosenmontag mit politischen Botschaften. Die Wagen vom Team um Wagenbauer Jacques Tilly waren am Montagmorgen erstmals öffentlich zu sehen, als sie vom Depot zum Aufstellungsort des Düsseldorfer Rosenmontagszugs rollten.

Zu sehen ist dabei eine Pappmaché-Version von Donald Trump, der die Nationalflagge der USA zu einer Hakenkreuz-Fahne verunstaltet. Ein Narr demaskiert die AfD – und hinter der Maske kommt eine böse Fratze mit Hitler-Bärtchen zum Vorschein.

Die vielen Demonstrationen gegen Rechtsextremismus finden sich im „Zoch“ ebenfalls wieder: Ein bunter Fischschwarm mit der Aufschrift „Wir sind mehr“ hat sich formiert und ist im Begriff, einen finster dreinblickenden blau-braunen Fisch zu verspeisen.

Internationale Beachtung für Wagen von Jacques Tilly

Bei einem weiteren Mottowagen geht es darum, wie sich die Klimakrise um Aufmerksamkeit der Medien bemüht, die aus Narrensicht im vergangenen Jahr ganz den Kriegen auf dem Planeten galt. Apropos Krieg: Der Nahost-Konflikt findet sich auch bei den Mottowagen wieder: in Form eines Hamas-Kämpfers, der Zivilisten zwischen sich und einen israelischen Panzer schiebt.

Die Krankenhäuser, die unter einem mächtigen Kostenblock ächzen, dürfen bei den Narren noch ein wenig mehr stöhnen: Oben auf dem Block liegt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).

Für Düsseldorfs ehemaligen Oberbürgermeister Thomas Geisel haben die Narren noch Spott übrig: Er darf nach seinem Wechsel von der SPD ins Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) die Schleppe einer Monarchin tragen: „Sahras neuer Wagenknecht“. Die Wagen aus Tillys Werkstatt sind in den vergangenen Jahren immer wieder international beachtet worden.

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