DFB-Team in der Einzelkritik: Starker Rüdiger, schwache Nebenleute

Stand: 23.11.2022 18:10 Uhr

Deutschland verliert gegen Japan mit 1:2 und zeigte vor allem in der Defensive mehr Schatten als Licht. Antonio Rüdiger überzeugte, Niklas Süle und Nico Schlotterbeck dagegen nicht. Die deutschen Spieler in der Einzelkritik.

Sportschau

Manuel Neuer: 72 Minuten lang hatte die deutsche Nummer 1 keinen Schuss parieren müssen, dann stand er jedoch im Rampenlicht - mit schlechtem Ausgang für ihn. Glanzparade in der 73., Gegentor nach gehaltenem Schuss in der 76., beim 1:2 nicht schuldlos, als er die kurze Ecke gegen Asano öffnete. Wie seinem Team fehlte dem Kapitän auch das Glück.

Niklas Süle: Mal auf der rechten Seite, mal dritter Innenverteidiger - vor allem aber auf verlorenem Posten. Der Dortmunder machte wenig nach vorne, dafür aber viele Fehler in der Defensive. Insbesondere beim 1:2, als er weit hinter seinen Abwehrkollegen stand und so das Abseits aufhob. Beim Ausgleich ging er zudem nicht in den Zweikampf, ließ den gegnerischen Stürmer zum Schuss kommen.

Antonio Rüdiger: Der Abwehrchef war lange der ganz große Anker im deutschen Spiel. Während seine Nebenleute patzten, blockte der Real-Star die japanischen Schüsse immer wieder, lief lange Bälle ab und gewann fast alle Zweikämpfe (81 Prozent). Leider haben sich Süle und Schlotterbeck aber nicht an ihm aufrichten können.

Nico Schlotterbeck: Schon in der ersten Halbzeit war der BVB-Abwehrspieler ein Unsicherheitsfaktor, im zweiten Durchgang verschlechterte sich das nochmal enorm. Im Zweikampf extrem zögerlich, ließ die Japaner so immer wieder passieren. Beim 1:2 rächte sich das mit 1:2, als er Asano nicht mehr als Begleitschutz gab. Die meisten Ballkontakte (134) im Spiel, aber einfach nicht gut in den direkten Duellen (43 Prozent gewonnene Zweikämpfe).

David Raum: Gerade vor der Pause war der Flügelspieler auf der linken Seite gar nicht zu stoppen, brach immer wieder durch und leitete gefährliche Aktionen ein. Ein Offensivlauf ermöglichte das 1:0, als es nach einem Foul an Raum Elfmeter gab. Im zweiten Abschnitt kam jedoch auch vom Leipziger nicht mehr viel, er verpasste es auch, defensiv für mehr Absicherung zu sorgen.

Deutschlands David Raum holt bei der Aktion einen Elfmeter für Deutschland im WM-Spiel gegen Japan raus. Bild: IMAGO / Offside Sports Photography

Joshua Kimmich: Der Organisator im defensiven Mittelfeld wie ihn sich Bundestrainer Hansi Flick wünscht - jedoch nur eine Halbzeit lang. Kimmich bekam im Verbund das Mittelfeld nach der Pause nicht mehr in den Griff, spielte auch selbst ziemlich fehlerhaft. Der Bayern-Star kam zwar viermal zum Abschluss, es fehlte oft aber auch im Torschuss die Genauigkeit.

Ilkay Gündogan: Er hatte Glück, als sein Ballverlust in der achten Minute zwar zum Gegentor führte, der Torschütze aber im Abseits stand. Danach fing sich der 32-Jährige, war gefährlichster Deutscher (sechs Torschüsse) und blieb beim Elfmeter zum 1:0 cool. Auch Gündogan tauchte im zweiten Durchgang jedoch unter, die Wende im Spiel kam aber erst nach seiner Auswechslung.

Serge Gnabry: Nach einer unauffälligen ersten Halbzeit tauchte der Flügelstürmer nach der Pause häufiger in Szene, traf nach einer Minute Aluminium und bereitete unter anderem die Topchance für Hofmann zum möglichen 2:0 vor. Mit sechs Torschüssen war Gnabry Aktivposten - jedoch mit mangelhafter Genauigkeit.

Thomas Müller: Bei seinem Comeback war der Routinier überall zu finden und war der Organisator in der deutschen Offensive. Vor allem als Vorbereiter trat Müller in Erscheinung, kam aber selbst nicht in gefährliche Abschlusssituation. Als er ausgewechselt wurde, fehlte dem Angriffsspiel die Organisation.

Jamal Musiala: Der Shootingstar der Bundesligasaison suchte die engen Räume und fand dort immer wieder gute Lösungen. In der 51. Minute hätte er beinahe schon das Tor des Turniers erzielt, als er fünf Japaner ausspielte, dann aber über das gegnerische Gehäuse schoss. Es zieht sich ein wenig durch den deutschen Abend, aber auch bei Musiala waren es am Ende die entscheidenden Nuancen, die zum Misserfolg führten.

Deutschlands Jamal Musiala setzt sich während des WM-Spiels gegen Japan durch. Bild: IMAGO / PanoramiC

Kai Havertz: Gegen tiefstehende Japaner tat sich der Offensivspieler des FC Chelsea enorm schwer und suchte meist vergeblich freie Räume. 27 Ballkontakte sind mit Abstand die wenigsten im DFB-Team und dazu kam Pech, als er bei seinem vermeintlichen 2:0 kurz vor dem Halbzeitpfiff knapp im Abseits stand.

Jonas Hofmann (67. für Müller): Drei Minuten nach seiner Einwechslung hätte der 30-Jährige das zweite deutsche Tor erzielen müssen. Insgesamt machte der Gladbacher ein unglückliches Spiel als Joker.

Leon Goretzka (67. für Gündogan): Die besten Aktion hatte er in der 95. Minute, als er per Dropkick knapp das 2:2 verpasste. Zuvor viele Ungenauigkeiten und fehlende Kontrolle im Mittelfeld im Verbund mit Kimmich.

Deutschlands Leon Goretzka setzt sich im Zweikampf während des WM-Spiels gegen Japan durch. Bild: IMAGO / USA TODAY Network

Mario Götze (79. für Musiala): Bei seiner Rückkehr in die Nationalmannschaft konnte der Frankfurter kaum Akzente setzen. Ein Beleg dafür ist, dass Götze in insgesamt 18 Einsatzminuten nur fünf Ballkontakte hatte.

Niclas Füllkrug (79.): Als Anspielstation war der Bremer in der Schlussphase bei hohen Bällen wertvoll, bereitete unter anderem die Chance von Goretzka per Kopf vor. Füllkrug kam auch selbst einmal zum Abschluss, verfehlte aber das Tor.

Youssoufa Moukoko (89. für Gnabry): Mit einem Alter von 18 Jahren und drei Tagen ist der Dortmunder Stürmer nun der jüngste deutsche WM-Teilnehmer der Geschichte. Die Krönung dieses Rekords fehlt jedoch, auch Moukoko konnte in der Schlussphase nicht mehr für den Ausgleich sorgen.

Quelle: sportschau.de

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