Marco Reus: Für immer Nummer 11 – eine Liebeserklärung (Meinung)

18 Mai 2024

MEINUNG

Abschied von Marco Reus Für immer Nummer 11: Mach's gut, Capitano!

Marco Reus - Figure 1
Foto STERN.de

Mit stehenden Ovationen verabschiedeten die Dortmunder Fans Marco Reus nach 12 Jahren

© Bernd Thissen / DPA

Nach 12 Jahren verlässt Marco Reus Borussia Dortmund. Schon heute ist er eine Legende. Und das wird er für immer bleiben. Eine Liebeserklärung. 

Es sind vier Stufen die hinaufführen aus dem dunklen Spielertunnel ins gleißend helle Flutlicht des Dortmunder Westfalenstadions. Der Platz, 105 mal 68 Meter groß, umrahmt von 81.365 Verrückten auf den Rängen. Schon viele Spieler, die das schwarz-gelbe Trikot trugen, sind diesen Weg gegangen. Nur wenige haben einen solchen Abschied bekommen wie Marco Reus. Am Samstag ging er diesen Weg ein letztes Mal.

Spieler wie ihn gibt es nur alle paar Jahrzehnte. Thomas Müller bei den Bayern ist so einer. Francesco Totti für die AS Rom war es auch – Spieler, die praktisch ihre ganze Karriere bei nur einem Verein gespielt haben und dabei dem Ruf des Auslands, des großen Geldes widerstanden haben. Loyalität wird im Ruhrgebiet und insbesondere in Dortmund heute noch groß geschrieben. Streit kann es geben, aber man muss sich aufeinander verlassen können. Wahrscheinlich eines der letzten Überbleibsel aus dem Bergbau. Kumpel helfen sich. Kumpel sind füreinander da. 

Marco Reus - Figure 2
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12 Jahre lang hielt er die Knochen für den BVB hin

Reus war da. 12 Jahre lang hat er buchstäblich die Knochen für Schwarz-gelb hingehalten. "Der hatte immer Scheiße am Schuh", hört man heute noch im Stadion. Gemeint ist Reus' Krankenakte, die deutlich umfangreicher ist als seine Trophäensammlung. Schambeinverletzung, Kreuzbandriss, Außenbandriss – praktisch alles was der Körper zu bieten hat, war bei Reus schon einmal kaputt. Mehr als 140 Profi-Spiele verpasste er, weil er im Krankenbett lag. Und immer wieder kämpfte er sich zurück. Allein dieses Durchhaltevermögen kann einen schon zur Legende machen.

Aber auch wenn Reus auf dem Feld stand, passte er perfekt zum BVB. Er war unprätentiös, technisch fast perfekt, verstieg sich aber nie in unnötige Dribblings und Übersteiger. Die Schönheit des einfachen Spiels perfektionierte er. Der Rückraum war sein Revier, flacher Pass vom Flügel und die unwiderstehliche Schusstechnik von Reus ließen die Fans dutzende Male jubeln. Kaum ein Spieler in der Bundesliga-Geschichte konnte den Ball so mit dem Innenrist streicheln wie er.

Marco Reus - Figure 3
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Dieser grazile, fast schmächtige Junge aus Dortmund, er wurde zum Vorbild für eine ganze Generation von Fans. Außerhalb des Felds fast schon schüchtern. Seine Auftritte nie extravagant oder überheblich, entscheidend war für Reus immer "auf'm Platz", wie BVB-Ikone Adi Preißler einst sagte. 

Die Nummer 11 wird immer Marco Reus gehören

Und er stand damit auch für den allgemeinen Aufwärtstrend von Borussia Dortmund im vergangenen Jahrzehnt. Wo Reus ab 2013 spielte, standen nur wenige Jahre vorher Spieler wie Steven Pienaar oder Florian Kringe auf dem Platz und kämpften gegen den Abstieg. Mit Reus kam auch der nachhaltige Erfolg nach Dortmund. 

Zwei Champions League-Finals, zwei DFB-Pokal-Siege, sechs Mal Vizemeister. Nur die Meisterschale blieb Reus verwehrt. Und vielleicht macht genau das seine Geschichte perfekt. In Dortmund muss man nicht Meister sein, um zur Legende zu werden.

Reus' Nummer 11 wird noch für viele Jahre bleischwer sein. Fan-Initiativen forderten gar, sie als Erinnerung an Reus nie wieder zu vergeben. Doch das wird vermutlich gar nicht nötig sein. Schon jetzt hat der 34-Jährige eine der höchsten Ehrungen bekommen, die es in Dortmund überhaupt gibt: Sein Bild schmückt seit dieser Woche den Eingang zum Block 13 der Südtribüne – dem Block der Ultras des BVB. 

Ob neu vergeben oder nicht: Die Nummer 11 wird immer Marco Reus gehören. Und bis wir uns wiedersehen bleibt nur zu sagen: Danke! Und: Mach's gut, Capitano! 

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