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Nach Smudo-Auftritt bei »Anne Will«: Luca-App bricht offenbar unter Ansturm neuer Nutzer zusammen

Mit der App Luca sollen sich Infektionsketten schneller erkennen lassen. Musiker Smudo hat die Software jetzt bei »Anne Will« vorgestellt – woraufhin die App erst einmal schlappmachte.

Bei den Zuschauerinnen und Zuschauern der Sendung kam deren Konzept offenbar gut an. Die Macher der App jedenfalls twitterten bald darauf: »Wow, wir sind überwältigt. Das waren etwas viele Downloads in sehr kurzer Zeit.« Was bedeutete: Vorübergehend war die App lahmgelegt, wie auch Nutzer-Screenshots zeigen.

Erst später am Abend kam von den Machern die Nachricht, dass das System wieder wie gewohnt laufe: »Wir sind wieder da! Das waren unfassbar viele Registrierungsanfragen in kurzer Zeit.«

Auf eine SPIEGEL-Anfrage, wie viele App-Downloads es am Sonntagabend gab und wie viele Nutzerinnen und Nutzer die App insgesamt schon installiert haben, haben die Macher der App nicht im Detail geantwortet: Sie teilen aber mit, dass am Sonntagabend rund 350.000 SMS-Verifizierungen angefragt worden seien. Im Luca-System registrieren sich die Nutzerinnen und Nutzer eingangs mit ihrer Handynummer.

Wie groß der Run auf die App war und ist, lässt sich so nur grob abschätzen – ebenso, wie schnell die Technik dahinter überlastet ist. Googles Play Store listet die App bislang mit mehr als 100.000 Installationen. Daraus lässt sich zumindest ablesen, dass die Gesamtdownloadzahl auf Android irgendwo zwischen 100.000 und 500.000 liegt.

Das verspricht die App

Schon bald soll die kostenlose App, die Smudo vergangene Woche bereits dem CDU-Vorsitzenden Armin Laschet vorgestellt hatte, durch mehr überzeugen als nur gutes Marketing. Die Betreiberfirma Culture4Live gibt an, eine »schnelle und lückenlose Kontaktnachverfolgung« ermöglichen zu wollen. Dafür wollen die Luca-Macher möglichst viele Veranstalter, aber vor allem auch Gesundheitsämter als Partner gewinnen.

Derzeit laufen nur in wenigen Regionen Kooperationen mit Gesundheitsämtern, etwa auf Sylt, Amrum und Föhr oder in Schwerin und Rostock. Das führt dazu, dass sich die App bislang im Grunde nur an jenen Orten so einsetzen lässt, wie sie gedacht ist.

Der Ansatz der App sieht vor, dass sich Nutzer zum Beispiel bei Restaurant- oder Konzertbesuchen per QR-Code ein- und auschecken. Die eigenen Kontaktdaten werden dabei in verschlüsselter Form übertragen, heißt es. Anders als die Corona-Warn-App ist die Luca-App aber keine Open-Source-Lösung, bei der auch Dritte die technische Sicherheit überprüfen könnten.

Wird später zum Beispiel ein Restaurant-Besucher positiv auf das Coronavirus getestet, kann jener Nutzer freiwillig seine über die App erstellte Kontakthistorie an das zuständige Gesundheitsamt weitergeben. Das Gesundheitsamt wiederum, das übermittelte Kontaktdaten anders als der Restaurantbetreiber oder Dritte in diesem Fall auch entschlüsseln können soll, könnte dann unkompliziert weitere Luca-Nutzer kontaktieren, die im selben Restaurant waren.

Man will Infektionsherde sichtbar machen

Smudo sagte bei »Anne Will«, es gehe darum, Infektionsherde sichtbar zu machen. Die Corona-Warn-App des Robert Koch-Instituts sei dabei »nicht so erfolgreich wie gewünscht«. Auch die Dokumentationspflicht, die unter anderem für Restaurants gilt, funktioniere bisher nicht so, wie sie soll, so der Musiker.

Luca wolle nun den Prozess des Ein- und Auscheckens digitalisieren, aber noch einen Schritt weitergehen, unter anderem, indem Gesundheitsämter die Kontakthistorien Infizierter direkt in ihr System überführen und so schneller feststellen könnten, wer noch in dem Restaurant war. Smudos Darstellung zufolge müssten auf diese Weise nämlich nicht erst einmal Schuhkartons voller Registrierungszettel ins Amt gebracht und dort händisch ausgewertet werden müssen.

Die Kontaktverfolgung könne dadurch an Geschwindigkeit gewinnen, glaubt der Musiker, der sich einen Einsatz der App auch in einzelnen Blöcken im Stadion oder in der Bahn vorstellen kann. Nachhalten lassen sich über die Software prinzipiell aber auch private Treffen wie Geburtstagsfeiern.

Wie bei der Corona-Warn-App wird es auch bei der Luca-App so sein, dass ihr Einsatz zunehmend mehr Sinn ergibt, wenn sie von möglichst vielen Nutzerinnen und Nutzern verwendet wird. Zugleich brauchen die Betreiber, zu denen neben einer neXenio genannten Ausgründung aus dem Hasso-Plattner-Institut (HPI) sowie Smudo auch die anderen Mitglieder der Fantastischen Vier zählen, möglichst viele weitere Partnerschaften mit Gesundheitsämtern.

Wer wissen will, ob die App-Macher an seinem Ort bereits eine solche Partnerschaft eingegangen sind, kann dies durch eine Eingabe seiner Postleitzahl auf der Luca-Website herausfinden. Luca gibt es für Android und iOS und in Form einer per Browser nutzbaren Web-App.

Icon: Der Spiegel
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