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Corona-Pandemie: Mit "Luca" aus dem Lockdown?

"Gemeinsam das Leben erleben" - mit diesem Slogan wirbt die App "Luca" für ihren Service. Sie soll in der Corona-Pandemie die Kontaktnachverfolgung erleichtern und den Bürgern wieder mehr Freiheiten erlauben. Wie funktioniert das?

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Stand: 01.03.2021 14:27 Uhr

"Gemeinsam das Leben erleben" - mit diesem Slogan wirbt die App "Luca" für ihren Service. Sie soll in der Corona-Pandemie die Kontaktnachverfolgung erleichtern und den Bürgern wieder mehr Freiheiten erlauben. Wie funktioniert das?

Im Umgang mit der Corona-Pandemie werden händeringend neue Wege gesucht: Seien es Schnelltests für Daheim, eine ausgeweitete Maskenpflicht oder ein digitaler Impfausweis - einige werden bereits beschritten, andere geplant oder erst noch diskutiert. Ein - aus Sicht von Politikern wie etwa dem NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet - vielversprechender Ansatz hat einen digitalen Hintergrund und heißt "Luca". Die App hat für Schlagzeilen gesorgt, nicht nur weil sie von den Rappern der "Fantastischen Vier" mitentwickelt wurde, sondern weil sie die Kontaktnachverfolgung erheblich erleichtern und die Gesundheitsämter entlasten könnte.

Hinter "Luca" steckt das Berliner IT-Startup neXenio und eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern - unter anderem auch die "Fanta Vier"-Musiker. Beteiligt sind auch das Hasso-Plattner-Institut und die Bundesdruckerei. Dabei richtet die App nach Angaben von neXenio-Gründer Patrick Hennig den Blick nicht nur auf Kulturveranstaltungen, sondern auf alle Bereiche des gesellschaftlichen Zusammenlebens: Etwa Gastronomie, öffentlichen Nahverkehr, Pflegeheime, private Feiern oder auch die Arbeit im Büro.

Funktionsweise und Sicherheit von Daten

Anstatt einer "Zettelwirtschaft", wie es der NRW-Landeschef Laschet ausdrückte, arbeitet "Luca" mit QR-Codes. Ein Gast trägt seine Daten einmalig in die App ein, welche daraufhin einen sich permanent ändernden QR-Code generiert, der dem jeweiligen Smartphone zugeordnet ist. Auch der "Gastgeber" braucht "Luca" auf einem mobilen Endgerät. Beim Betreten einer Einrichtung werden über die Codes Daten anonymisiert erfasst. Im Falle einer bestätigten Infektion werden die Daten mit einem Gesundheitsamt ausgetauscht - es ist laut der Selbstbeschreibung der App die einzige Stelle, die die Daten dann auslesen kann, für alle anderen Akteure seien diese unzugänglich.

"Dein QR-Code kann nur vom Gesundheitsamt gelesen werden, und auch nur, um Infektionsketten zurückzuverfolgen. Veranstalter oder andere Personen können deinen QR-Code niemals entschlüsseln, lesen, oder etwas anderes damit anfangen", betonen die Entwickler. Man habe bereits sehr früh mit Datenschützern zusammengearbeitet - "es hilft ja niemandem etwas, wenn wir erst etwas entwickeln, das von den Datenschützern so nicht abgenickt wird".

Rapper Smudo von den "Fantastischen Vier" sagte dem WDR, die App sei eine "massive Entlastung der Gesundheitsämter". Er selbst sei überrascht gewesen, aber "so eine Lösung gibt es in ganz Europa nicht".

Damit die Gesundheitsämter aber entlastet werden können, müssen sie auch mitmachen und an die App angebunden werden. Das gestaltet sich momentan offenbar noch schwierig. Landesweit angefragt hat laut den Verantwortlichen bereits Baden-Württemberg. Auch NRW-Chef Laschet äußerte sich bereits wohlwollend, konkrete Ankündigungen machte er aber bislang nicht.

"Luca" und andere Apps

Die Entwickler beschreiben "Luca" als einen "guten Zusatz zur 'Corona-Warn-App'". Diese dient zum Unterbrechen von Infektionsketten und warnt den Nutzer nach einem Kontakt mit einer nachweislich Corona-positiv getesteten Person. Im Unterschied zu "Luca" arbeitet sie passiv im Hintergrund des Smartphones. Hat ein Nutzer sein positives Testergebnis jedoch nicht in die "Corona-Warn-App" eingetragen, werden auch keine Kontaktpersonen gewarnt. Im Fall von "Luca" werden die Gesundheitsämter aktiv in die Kontaktnachverfolgung eingebunden. Ihre Arbeit wird umso mehr erleichtert, je mehr Menschen die App nutzen.

Neben "Luca" bietet noch eine Reihe weiterer Apps einen ähnlichen Service an - zum Beispiel "darfichrein" oder "vida". Im Gegensatz zu ihnen ist "Luca" jedoch für die Gastgeber kostenlos. Grundsätzlich befürchten aber Experten, dass eine Vielzahl solcher Apps die Akzeptanz der digitalen Nachverfolgungs-Tools erschweren könnte.

"Luca" im Einsatz

Eingesetzt wird "Luca" bereits an mehreren Orten, etwa auf Sylt, Amrum und Föhr. Die stark vom Tourismus abhängigen Inseln haben hier den Saisonstart im Blick und werben deshalb verstärkt für das Projekt. Auf Sylt setzen bereits 200 Betriebe die App ein, als nächstes sollen beispielsweise auch Arztpraxen, Fitnessstudios, Friseursalons, aber auch Schulen und Kitas mit dem System vertraut gemacht werden.

Eine Modellstadt mit "Luca"-Unterstützung will Rostock werden. Die Nutzung der App soll Voraussetzung für die Öffnung von Kultur, Handel und Sport sein. So rechnet Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen bereits für diesen Monat mit Zuschauern beim Fußball-Drittligisten Hansa Rostock. Zudem würden gemeinsam mit den Verbänden immer mehr Betriebe in der Anwendung der App geschult.

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