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Kohfeldt weg - was wird jetzt aus Kruse?

Florian Kohfeldt und Max Kruse fanden in Wolfsburg wieder zusammen. Nun ist der Trainer weg - was wird aus dem Offensivmann, der für einen Coach durchaus eine Herausforderung darstellt?

Florian Kohfeldt und Max Kruse fanden in Wolfsburg wieder zusammen. Nun ist der Trainer weg - was wird aus dem Offensivmann, der für einen Coach durchaus eine Herausforderung darstellt?

Der gemeinsame Weg in Wolfsburg ist schon wieder zu Ende: Max Kruse (li.) und Florian Kohfeldt.

Der gemeinsame Weg in Wolfsburg ist schon wieder zu Ende: Max Kruse (li.) und Florian Kohfeldt. IMAGO/Christian Schroedter

Kruse ist abgehoben. Am Sonntag machte sich der Stürmer nach erledigter Arbeit für den VfL, den er mit seinen Toren in der Liga gehalten hat, auf den Weg in die USA. Urlaub nach einer fordernden Saison. Irgendwann unterwegs wird der 34-Jährige eine Nachricht aus Wolfsburg erhalten haben, die ihm gar nicht geschmeckt haben dürfte - der VfL trennte sich von Trainer Florian Kohfeldt. Jenem Mann, der "eine sehr entscheidende Rolle" für seinen Winterwechsel von Union Berlin nach Wolfsburg gespielt hatte. Nun ist der Coach entlassen - was wird jetzt aus Kruse?

Die innige Beziehung zwischen Fußballlehrer und Fußballer entstand während der gemeinsamen Zeit bei Werder Bremen. Kohfeldts Trainerstern ging an der Weser auf, Kruse machte er zu seinem Kapitän, der das in ihn gesetzte Vertrauen zurückzahlte. Im Winter, als dem VfL und auch schon Kohfeldt das Wasser bis zum Hals stand, setzte sich der Coach stark dafür ein, dass der Offensivmann für fünf Millionen Euro aus Berlin als Klassenerhalts-Garantie verpflichtet wird. Ein Transfer für den Augenblick, aber ist der Deal mit Kruse auch zukunftsfähig?

Jedenfalls wird es schwer sein für den Routinier, einen Trainer zu finden, der so viel Verständnis aufbringt für die Eigenarten dieses Fußballers, der auf dem Rasen mangelnde Fitness mit großem Instinkt wettzumachen versucht und außerhalb nicht selten verhaltensauffällig wird. Erst kürzlich, als er Wolfsburgs Meistertrainer Felix Magath ob dessen Trainingsmethoden als "krank" bezeichnete und dafür sogar von Kohfeldt gemaßregelt werden musste.

"Natürlich polarisiert Max", weiß der Wolfsburger Ex-Trainer. In seinem letzten Spiel mit dem VfL war es Kruse, der mit einem Tor und einer Vorlage das 2:2-Remis gegen den FC Bayern ermöglichte. "In diesen Spielen", so Kohfeldt, "stechen sein Raumgefühl, sein Freilaufverhalten, sein Instinkt für offensive Räume hervor, aber auch sein taktisch ordentliches Defensivverhalten." Jedoch: Zu häufig in dieser Rückrunde nahm sich Kruse auch raus aus dem VfL-Bemühen, Intensität auf den Platz zu bekommen.

Ich glaube, dass Max sich in gewisse Rollen einfügen muss, er braucht immer gewisse Grenzen.

Florian Kohfeldt vor seiner Entlassung über Max Kruse

Für einen Trainer ist es ein schmaler Grat, wenn er von seiner Mannschaft die totale Hingabe einfordert und trotzdem immer wieder an Kruse festhält in der Hoffnung bzw. Überzeugung, dass er mit Offensivaktionen dankt. "Ich glaube, dass Max sich in gewisse Rollen einfügen muss, er braucht immer gewisse Grenzen." Aber, so Kohfeldt: "Ich werde Max Kruse trotz allem nicht seine Individualität nehmen, das macht ihn stark und auch zu einem besonderen Spieler. Die Mischung aus Disziplin, die er hatte und die durchaus auch in den nächsten Wochen sehr wichtig sein wird, und diesem Besonderem, was er auch in diesem Halbjahr in Wolfsburg gezeigt hat, lässt mich hoffnungsfroh in die Zukunft blicken."

Sätze, die Kohfeldt am Samstag im festen Glauben formulierte, auch in der kommenden Spielzeit in Wolfsburg auf der Trainerbank zu sitzen. Wenige Stunden später offenbarte ihm die VfL-Führung jedoch, dass sein Weg schon wieder zu Ende ist. Was bedeutet das für Kruse? Der neue Trainer wird darüber befinden müssen, ob er mit diesem besonderen Spielertypen etwas anfangen kann. Kruses Vertrag in Wolfsburg läuft bis 2023 und kann sich bei einer bestimmten Anzahl an Einsätzen und der internationalen Qualifikation sogar bis 2024 verlängern. Dass er noch so lange beim VfL spielt, daran glaubt aber kaum noch jemand.

Thomas Hiete

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