Präsident Raisi vermisst: Was wir über den Hubschrauberabsturz in ...

19 Mai 2024

Drei Hubschrauber waren unterwegs, nur zwei sind sicher gelandet. Der iranische Präsident Ebrahim Raisi ist offenbar abgestürzt. Wie das Regime reagiert und welche Probleme die Helfer vor Ort haben – der Überblick.

Iran - Figure 1
Foto DER SPIEGEL

19.05.2024, 23.17 Uhr

Rettungskräfte nahe der vermuteten Absturzstelle im Nordwesten Irans

Foto: Azin Haghighi / AP

Seit mehreren Stunden wird der iranische Präsident Ebrahim Raisi vermisst, die Suche nach ihm gestaltet sich extrem schwierig. Sein Hubschrauber soll im Nordwesten des Landes abgestürzt sein, derzeit herrscht Ungewissheit über das Schicksal des Regimepolitikers. Die Regierung hat einen groß angelegten Sucheinsatz gestartet, der sich auf ein bergiges Gebiet in der Region Ost-Aserbaidschan im Nordwesten Irans konzentriert. Der oberste geistliche Führer Ali Khamenei rief die Iraner auf, sich »keine Sorgen zu machen«. Was bisher bekannt ist:

Was ist passiert?

Wie das iranische Staatsfernsehen berichtete, hatte der Präsidentenhubschrauber mit Raisi an Bord in der Jolfa-Region in der Provinz Ost-Aserbaidschan (die zu Iran gehört) bei schlechtem Wetter einen nicht näher beschriebenen »Unfall«. Dieser ereignete sich laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna im Waldgebiet von Dismar nahe der Stadt Warsaghan. Laut der Nachrichtenagentur Tasnim soll die Unglücksstelle lokalisiert worden sein.

Zuvor hatte Raisi gemeinsam mit dem aserbaidschanischen Staatschef Ilham Alijew im Grenzgebiet zwischen beiden Staaten ein Dammbauprojekt eingeweiht.

Innenminister Ahmad Wahidi bezeichnete den Unfall als »harte Landung aufgrund der Wetterbedingungen«. Raisis Konvoi bestand aus insgesamt drei Hubschraubern, zwei davon landeten sicher in der Stadt Täbris im Nordwesten des Iran.

Auf der Suche nach der Unglücksstelle haben Retter offenbar Kontakt zu zwei Insassen herstellen können. In einem Interview des Staatsfernsehens sagte der Vizepräsident für Exekutivangelegenheiten, Mohsen Mansuri, dass mehrfach bereits mit der Besatzung Kontakt aufgenommen worden sei.

Laut Innenminister Wahidi war es »schwierig, eine Kommunikation zum dritten Helikopter herzustellen«, in dem Raisi saß. Laut Irna waren auch Außenminister Hossein Amirabdollahian sowie der Gouverneur und der wichtigste Imam von Ost-Aserbaidschan mit an Bord.

Was können die Rettungstrupps tun?

Laut Irna wurden mehr als 20 Rettungsteams mit Spürhunden und Drohnen in die Region entsandt, teilweise war sogar die Rede von 40 Rettungsteams. Auch Soldaten sowie Mitglieder der Revolutionswächter und der Polizei seien im Einsatz, erklärte Generalstabschef Mohammed Bagheri. Fernsehbilder zeigten Helfer des Iranischen Roten Halbmonds bei Regen und dichtem Nebel auf einem Abhang.

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Foto DER SPIEGEL

Die Wetterbedingungen vor Ort sind miserabel. Zur Dunkelheit kommen Regen sowie dichter Nebel, die die Suche erschweren. Rettungshubschraubern ist es nicht möglich, hier aus der Luft zu suchen. Die Rettungsteams sind zu Fuß unterwegs, da die Absturzstelle in einer abgelegen, bergigen und schlecht ausgebauten Region liegt.

Wie reagiert die iranische Führung?

Unter Regierungsanhängern besteht die Sorge, dass der neunköpfigen Besatzung etwas zugestoßen sein könnte. Insider berichteten von »Lebensgefahr«.

Irans oberster Führer Ajatollah Ali Khamenei rief nach einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Irna die Bevölkerung auf, nicht besorgt oder ängstlich zu sein. »Es wird keine Unterbrechung der Regierungsgeschäfte geben«, versicherte das geistliche Oberhaupt der Islamischen Republik. Die Staatsangelegenheiten würden durch den Zwischenfall nicht beeinträchtigt. Khamenei erklärte weiter, er bete für die Unversehrtheit Raisis.

Wie reagiert die Bevölkerung?

Etliche Regimeanhänger pilgerten in Moscheen, um für den Präsidenten zu beten. Die Situation wird im Land genau verfolgt. Gleichzeitig machen sich in den sozialen Medien Häme und Spott über den Absturz breit. Unter Regimekritikern kursieren Videos, die zeigen sollen, wie Gegner des Präsidenten mit Feuerwerk feiern. Sicherheitskräfte sollen die Feiern offenbar unterbinden.

Menschen beten für Raisi in Tehran

Foto: Vahid Salemi / AP

In der Opposition trägt Raisi den Namen »Blutrichter«. Als Scharia-Richter hat er die Hinrichtungen von tausenden Menschen zu verantworten, darunter Regimekritiker und politische Gefangene. Während der Frauenproteste in Iran 2022 reagierten die Sicherheitsbehörden unter seinem Kommando ebenfalls mit extremer Härte.

Wie reagiert das Ausland?

Mehrere Staaten boten ihre Hilfe bei der Suche an. Die Türkei entsendet speziell ausgebildete Bergretter. Ein Team von 32 Bergrettungs-Spezialisten sowie sechs Fahrzeuge würden nach Iran gebracht, erklärte der staatliche Rettungsdienst Afad.

Der für die EU-Krisenhilfe zuständige EU-Kommissar Janez Lenarcic schrieb am Sonntagabend auf der Plattform X, auf das iranische Hilfeersuchen hin werde der Kartenservice des Copernicus Notfalldiensts der Europäischen Kommission aktiviert. Der Dienst liefert eigenen Angaben zufolge auf Abruf detaillierte Informationen für Notfallsituationen, indem er auf Satellitenbasis Geodaten und Bilder bereitstellt.

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Auch der Irak und Russland boten Hilfe an. »Russland ist bereit, jede notwendige Hilfe bei der Suche nach dem vermissten Hubschrauber und der Untersuchung der Gründe für den Vorfall zu leisten«, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Zakharova, in einer von der russischen Nachrichtenagentur RIA veröffentlichten Stellungnahme.

Einer Sprecherin zufolge ist auch US-Präsident Joe Biden über die Situation informiert worden. Zahlreiche Regierungen muslimisch geprägter Staaten veröffentlichten zudem Mitteilungen zum Absturz. Neben Kuwait drückten auch Saudi-Arabien, Katar, der Irak und Aserbaidschan ihre Sorge über den Verbleib von Präsident Raisi aus.

Was würde im Falle von Raisis Tod passieren?

Im Falle von Raisis Tod würde gemäß der iranischen Verfassung dessen Stellvertreter Mohammed Mochber zunächst dessen Funktionen übernehmen. Binnen 50 Tagen müsste dann ein neuer Präsident gewählt werden. Nach Angaben eines Regierungssprechers machte sich Mochber am Sonntag gemeinsam mit mehreren Ministern auf den Weg nach Täbris.

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