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Krebs-Prävention: Darum ist die HPV-Impfung auch für Jungen so wichtig!

14. September 2021 - 14:58 Uhr

Das Gebärmutterhalskrebs-Risiko sollte auch bei Jungen nicht unterschätzt werden

von Daniela Halm

Fast jeder infiziert sich im Laufe des Lebens mit Humanen Papillomviren (HPV). In den meisten Fällen verläuft so eine HPV-Infektion harmlos. In 10% der Fälle allerdings kann sie Krebs auslösen, vor allem Gebärmutterhalskrebs. Was viele nicht wissen – diese Viren können auch bei Männern zu Krebserkrankungen führen, etwa im Mund- und Rachenraum oder im Genitalbereich. Die HPV-Impfung senkt das Krebs-Risiko deutlich, doch die Impfquote ist gerade bei den Jungen viel zu niedrig.

Genitalwarzen und Krebs durch Viren

Humane Papillomviren (HPV) werden vor allem über Sexualkontakte übertragen. Die Viren gelangen über die Schleimhäute oder kleine Verletzungen in der Haut in den Körper. Eine HPV-Infektion verläuft meist unbemerkt. Harmlose Genitalwarzen können die Folge sein, aber es kann auch zu Zellveränderungen, Krebsvorstufen und schließlich Krebs kommen. Jedes Jahr gibt es 7.700 Krebsfälle in Deutschland – verursacht durch Humane Papillomviren. Am häufigsten ist bei Frauen der Gebärmutterhalskrebs, Männer erkranken an Krebs im Mund- oder Rachenraum, in der Analregion oder am Penis.

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HPV-Impfung schützt alle

Doch es gibt die HPV-Impfung, die bis zu 90 Prozent vor einer Infektion mit diesen Viren schützt. Seit 2007 wird sie für Mädchen im Alter von neun bis 14 Jahren empfohlen, seit 2018 auch für Jungen. "HPV galt lange als die typische Mädchenimpfung, die vor Gebärmutterhalskrebs schützt", so Kinder- und Jugendärztin Teresina Steiger aus Speyer. Doch ein Fünftel aller Krebserkrankungen, die durch HPV entstehen, bekommen Jungen und Männer. "Deswegen ist es wichtig, dass beide Geschlechter geimpft werden, nicht nur, weil sie sich persönlich schützen, sondern weil sie auch den Sexualpartner schützen", so Steiger.

Schlechte Impfquote bei Jugendlichen

Umso erstaunlicher sei die niedrige Impfquote bei den Jugendlichen, findet Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. Weniger als 50 Prozent der 15-jährigen Mädchen und nur ein verschwindend geringer Anteil an Jungen seien gegen HPV geimpft, so Nettekoven. Das soll sich dringend ändern. Deshalb steht die Nationale Krebspräventionswoche vom 13.-17. September unter dem Motto "Impfen gegen den Krebs". Bei einer Impfquote von 80 Prozent seien die Krebsfälle durch HPV vermeidbar.

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Deutschland ist Schlusslicht beim Impfen

"In Deutschland fehlt es bislang an Strukturen und Strategien, die Kinder und Eltern automatisch an die Impfung erinnern", so Nettekoven, "andere Länder machen uns dies mit Erfolg vor". In Portugal etwa sind 95% aller 15-jährigen Mädchen geimpft. In Ländern wie Spanien, Schweden, Norwegen oder England führen schulbasierte Impfprogramme zu Impfquoten von mehr als 80%. "In Zukunft würde ich mir wünschen, dass auch die Politik da einfach mal einen Gang zulegt, dass Aufklärungskampagnen starten, auch an den Schulen", so Kinderärztin Steiger.

Nur Suppen und Smoothies nach Zungenkrebs

Eine Impfung hätte seine Krebserkrankung verhindern können, ist sich Don Rohde aus Köln sicher. Der Polizist bekam 2015 die Diagnose Zungenkrebs, ausgelöst durch Humane Papillomviren. Als Ärzte den Tumor bei ihm entdeckten, hatte er bereits in die Lymphknoten gestreut. Es folgten mehrere Operationen, eine Chemo- und eine Strahlentherapie. Rohde hat überlebt, aber kämpft noch heute mit den Folgen seiner Krebserkrankung. Welche das sind und wie er auf die Erkrankung aufmerksam wurde, sehen Sie im Video.

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Zerstörte Geschmacksnerven

Seine Geschmacksnerven sind durch die Krebstherapie teilweise zerstört oder sehr empfindlich, der Rachen asymmetrisch verdreht, wie er im Video erzählt. Essen ist für ihn mühsam und kein Genuss mehr. Doch der Kölner hat sich nicht entmutigen lassen und eine Selbsthilfegruppe gegründet, um andere Patienten mit ähnlicher Diagnose zu unterstützen und durch die Therapie zu begleiten. Zum Thema Impfen hat er eine klare Meinung. Er hofft, dass die Impfquote bei den Jugendlichen steigt, damit mehr Menschen vor HPV-Krebs geschützt sind.

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