WM 2022 | Nationalmannschaft: DFB-Pleite gegen Japan – Die große Angst

Das DFB-Team steht mit dem Rücken zur Wand. Die Mannschaft muss gegen Spanien liefern. Doch die Angst vor einem frühen Aus spielt mit.

"Ist das das beste Spiel, das Sie je für Japan gemacht haben?", fragte ein englischer Journalist Ritsu Doan, als dieser nach dem Sieg gegen Deutschland durch die Mixed-Zone in den Stadionkatakomben des Khalifa-Stadions lief. "Ja, ich hoffe es", sagte der Freiburger grinsend, drehte sich um und schritt weiter Richtung Ausgang.

Doan hatte gut lachen. Seine Mannschaft hatte soeben Deutschland mit 2:1 besiegt und auch dank seines Treffers zum 1:1 einen Start nach Maß in die so umstrittene WM in Katar hingelegt – ganz im Gegensatz zum deutschen Team. Was ein gelungener Auftakt in einer schweren Gruppe hätte werden sollen, entwickelte sich für die Flick-Elf zu einem absoluten Alptraum.

Die Enttäuschung stand den DFB-Spielern noch gut eine Stunde nach Abpfiff ins Gesicht geschrieben. Der eingewechselte Mario Götze, der nach über acht Jahren wieder ein WM-Spiel bestritt, hatte "nichts zu sagen". Bayerns Jamal Musiala, ein Lichtblick im deutschen Offensivspiel, vertröstete die Journalisten aufs "nächste Mal".

Auch Hansi Flick zeigte sich auf der Pressekonferenz nach der Partie "brutal enttäuscht". Und das zu Recht. Denn die deutsche Mannschaft hätte diese Partie auf keinen Fall verlieren müssen. Es war eine unnötige Pleite, nach der man nun schon nach Spiel eins mit dem Rücken zur Wand steht. Und der Bundestrainer sich diversen Fragen stellen muss.

Experte kritisiert: Hansi Flicks Handeln an der Seitenlinie kann Stefan Effenberg teilweise "nicht nachvollziehen". (Quelle: t-online)

Statistiken sprechen eine deutliche Sprache

Wie konnte man eine Partie, die man über weite Strecken kontrollierte, dermaßen einfach aus der Hand geben? Bis zur 75. Minute hatte man durch den Elfmeter-Treffer Ilkay Gündogans mit 1:0 in Führung gelegen. Doch dann brach die deutsche Mannschaft ein. Kollektive Passivität beim Ausgleich, individuelle Fehler vor dem 1:2.

Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache – und das pro Deutschland. Einen Expected-Goals-Wert von 3.27 zu 1.42, 26 zu 12 Torschüsse, vier (!) vergebene Großchancen. Die Zahlen belegen schnell, woran es im deutschen Spiel haperte: Effizienz und Abschlussglück. Es erklärt zumindest, warum das DFB-Team nach dem Elfmetertreffer Gündogans nicht in der Lage war nachzulegen – geschweige denn das Spiel zu entscheiden.

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Serge Gnabry: Der Angreifer vergab einige Großchancen. (Quelle: IMAGO/Gladys Chai von der Laage)

Doch spätestens nach 70 Minuten hätte Flick umstellen und seine Abwehr stabilisieren müssen. Bereits im ersten Durchgang agierte die Dreierkette aus Nico Schlotterbeck, Antonio Rüdiger und Niklas Süle hochstehend an der Mittellinie.

Die Einwechslungen von Jonas Hofmann (für Thomas Müller) und Leon Goretzka (für İlkay Gündoğan) verpufften. Im Gegenteil: Goretzka vermied es vor dem Ausgleich, entschlossen in den Zweikampf zu gehen. Beim 1:2 hob Niklas Süle das Abseits auf, während Nico Schlotterbeck im Laufduell mit Bochums Takuma Asano das Nachsehen hatte. Und auch Schlussmann Neuer ist beim Rückstand nicht von einer Schuld freizusprechen.

Neuer wird deutlich

Doch warum reagierte die Nationalelf so passiv? Warum überließ man Japan das Spielfeld, während man zuvor lange Zeit die Kontrolle über die Partie hatte? "Die individuellen Fehler, die wir in der zweiten Halbzeit gemacht haben, dürfen uns nicht passieren", bilanzierte Flick nach Abpfiff. Sein Kapitän wurde noch deutlicher. "Wir haben den Gegner stark gemacht. Wenn man keine Pässe mit Aussage macht, kommt irgendwann die Retourkutsche. Das haben wir uns selbst eingebrockt", analysierte Neuer die Pleite.

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