Rassistische Attacke in Grevesmühlen: Jugendliche verletzen ...

27 Tage vor
Rassistische Attacke in Grevesmühlen: Politiker zeigen sich erschüttert

Stand: 15.06.2024 20:52 Uhr

Grevesmühlen - Figure 1
Foto NDR.de

In Grevesmühlen soll am Freitagabend eine Gruppe von rund 20 Jugendlichen zwei Mädchen aus Ghana angegriffen und beleidigt haben. Laut Polizei trat einer der Täter einem Mädchen ins Gesicht. Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern sind von dem Vorfall erschüttert.

Am Freitagabend ist es offenbar in Grevesmühlen (Landkreis Nordwestmecklenburg) zu einem rassistisch motivierten Angriff auf zwei acht und zehn Jahre alte, ghanaische Mädchen gekommen. Wie die Polizei am Sonnabend mitteilte, sollen die Täter dabei dem jüngeren Mädchen unter anderem ins Gesicht getreten haben.

Eltern schreiten ein und werden ebenfalls angegriffen

Bei den Angreifern handle es sich um bis zu acht Personen aus einer Gruppe von insgesamt 20 Jugendlichen. Sie sollen den beiden Mädchen gegen 19.30 Uhr am Ploggenseering Gewalt angetan haben, als diese gerade vom Sport auf dem Weg nach Hause waren. Als der Vater der beiden Mädchen die Jugendlichen zur Rede stellte, sei auch er angegriffen worden. Der Vater und seine jüngere Tochter wurden leicht verletzt ins Krankenhaus gebracht. Ein Unbekannter soll die Opfer der Attacke fremdenfeindlich beleidigt haben. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung und Beleidigung und sucht Zeugen.

Grevesmühlen - Figure 2
Foto NDR.de

AUDIO: Rassistische Attacke in Grevesmühlen: Jugendliche verletzen Achtjährige (1 Min)

Schwesig: Abscheuliche Tat muss rasch Konsequenzen haben

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) zeigte sich am Sonnabend entsetzt über den mutmaßlich rassistischen Angriff. "Das verletzte Mädchen ist acht Jahre alt - so jung wie meine Tochter." Schwesig schrieb auf der Plattform X, man dürfe nicht zulassen, dass Hass und Hetze unsere Gesellschaft vergiftet und Gewalt unsere Kinder bedroht. Ihre Gedanken und ihr Mitgefühl seien bei den betroffenen Kindern und ihrer Familie. "Diese abscheuliche Tat muss rasch Konsequenzen haben. Rassismus und Gewalt sind widerlich. Das gilt erst recht, wenn Kinder angegriffen werden", hieß es in dem Beitrag weiter.

Innenminister Pegel verurteilt Attacke

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Christian Pegel (SPD) hat den Angriff auf die zwei ghanaischen Mädchen aufs Schärfste verurteilt. "Man greift keine Menschen an, erst recht keine Kinder und schon gar nicht aus rassistischen Motiven", sagte Pegel. Für Rassismus sei in der Gesellschaft kein Platz.

Grevesmühlen - Figure 3
Foto NDR.de
Bürgermeister: Tat lässt sich nicht entschuldigen

Der Bürgermeister von Grevesmühlen, Lars Prahler (parteilos), reagierte erschüttert auf den Angriff. "Diese rassistisch motivierte Tat macht mich einfach fassungslos. Das zeugt von bodenlosem Hass und enthemmter Unmenschlichkeit und lässt sich nicht entschuldigen. Auch nicht dadurch, dass es [die Täter] Jugendliche seien", so Prahler im Interview mit NDR 1 Radio MV. Er besuchte die Familie am Sonnabend. Diese lebe seit etwa 2016 in Grevesmühlen. "Die Tat hat natürlich Spuren hinterlassen - körperlich und in den Köpfen, insbesondere der Kinder."

Das Stadtfest in Grevesmühlen sollte am Sonnabend trotz des Vorfalls stattfinden. "Weil wir uns von derlei Aktionen von Randgruppen nicht vorgeben lassen wollen, wie wir als Stadtgesellschaft miteinander leben wollen", erläuterte Prahler.

Zeichen setzen in schwierigen Zeiten

"Ich glaube wir leben gerade in sehr schwierigen Zeiten, wo komplexe Probleme auf der Straße liegen und diejenigen es einfach haben, die mit dumpfen Parolen und einfachen Lösungen Leute einfangen, als Menschenfänger", führte Prahler weiter aus. Es sei auch an der Zeit, dass die Mehrheitsgesellschaft, die das Abdriften in rassistische Menschenbilder ablehne, sich Gehör verschaffe und Zeichen setze.

Grevesmühlen - Figure 4
Foto NDR.de
Integrationsbeauftragte Michael appelliert an Jugendliche

Die Integrationsbeauftragte Jana Michael sprach von einer "abscheulichen und schockierenden Tat". Sie appellierte an die Mitglieder der Jugendgruppe, die Täter zu benennen und nicht aus Gruppendruck zu schweigen. "Jeder Zeuge, der schweigt, macht sich mitschuldig und verhindert die Aufklärung dieser widerlichen Gewalt an Kindern." Ihre Gedanken seien bei der angegriffenen Familie. "Dem verletzten achtjährigen Mädchen und ihrem Vater wünsche ich eine schnelle Genesung."

Landrat Schomann (CDU): Verhalten ist nicht zu tolerierender Grenzübertritt

Am Sonnabendnachmittag verurteilte auch Landrat Tino Schomann (CDU) die Tat aufs Schärfste: "Verabscheuungswürdige Taten wie diese lassen mich sprachlos zurück." Dass die Täterinnen und Täter noch im jugendlichen Alter waren, sei keine Entschuldigung. Auch sie müssten zur Rechenschaft gezogen werden. "In meinem Landkreis ist kein Platz für Gewalt", stellte Schomann klar. "Taten wie diese sind eine Schande. Aus einer Gruppe heraus auf die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft loszugehen ist an Feigheit kaum zu übertreffen!" Er hoffe inständig, dass die Polizei die Täter ermittelt und angemessen bestraft. Denn so ein Verhalten sei in Nordwestmecklenburg ein nicht zu tolerierender Grenzübertritt, erklärte Schomann.

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Nordmagazin | 15.06.2024 | 19:30 Uhr

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