Öffi-Verspätungen: I man, i tram! - #486

Die Öffis sind derzeit so unpünktlich wie nie zuvor. Wir haben die Wiener Linien gefragt, warum das so ist >> Forscher solidarisieren sich mit den radikalen Aktivisten der Letzten Generation >> Geheimes Wien, Teil 10: Der Meisterspion vom Alsergrund >> Kino-Tipps von Michael Omasta

Wetterkritik: Der Winter traut sich um die Ecke – aber nur ganz kurz in aller Früh. Da ist es in Wien frostig. Im Tagesverlauf dann aber wieder um die 6 Grad. Und morgen wird es überhaupt schon wieder ganz mild.

Guten Morgen!

Kennen Sie das auch? 27 Minuten musste ich gestern warten, bis die Linie 41 Richtung Pötzleinsdorf kam. 13 Minuten waren es auf der Linie 9 Richtung Gersthof. Und im vergangenen Dezember machte auf Social Media das Foto einer Anzeigetafel die Runde, die für die 2er-Linie 37 Minuten Wartezeit in Richtung Dornbach prophezeite. All das sind keine Einzelfälle. Bei den Wiener Linien häufen sich derzeit die Verspätungen. Der Hauptgrund: Das Unternehmen kämpft mit eklatantem Personalmangel. Dazu kommt, dass die Straßenbahninfrastruktur vielerorts veraltet ist - marode Gleise zwingen die Bims zur Schleichfahrt.

Das Unternehmen will gegensteuern und hat vergangene Woche ein Maßnahmenpaket präsentiert (wir haben berichtet). Unter anderem wurden die Intervalle auf 19 der 28 Wiener Straßenbahnlinien und 16 der 131 Buslinien weiter ausgedehnt. Dadurch sollen die Öffis zwar seltener, aber hoffentlich verlässlicher kommen. Noch merken viele Fahrgäste von dieser Verlässlichkeit freilich nicht viel.

Wir haben Fragen ...

Warum haben die Wiener Linien nicht früher auf den Personalmangel reagiert? Wie wollen sie mehr Fahrerinnen und Fahrer rekrutieren? Und: Hat die Stadt die Modernisierung der Straßenbahninfrastruktur schlicht und einfach verschlafen? Darüber haben meine Kollegin Daniela Krenn und ich mit Alexandra Reinagl, Geschäftsführerin der Wiener Linien, gesprochen. Im heutigen FALTER.morgen lesen Sie ein Interview mit ihr, im aktuellen FALTER (kostenfrei mit 4-Wochen-Gratisabo) eine Geschichte über die Hintergründe der Verspätungen und darüber, was für die Stadt auf dem Spiel steht, wenn sich die Wienerinnen und Wiener nicht mehr auf die Öffis verlassen können.

Außerdem: Teil 10 von Thomas Rieglers Serie über das „Geheime Wien“, diesmal mit Erinnerungen an den Meisterspion vom Alsergrund. Und wie jede Woche die besten Kinotipps von Michael Omasta.

Einen schönen Tag wünscht Ihnen

Soraya Pechtl

Zugegeben, die Situation ist nicht schön“

Bei vielen Straßenbahn- und Buslinien kommt es aktuell zu Verspätungen. Woran liegt das und was tun die Wiener Linien dagegen? Darüber hat der FALTER.morgen mit Geschäftsführerin Alexandra Reinagl gesprochen.

von Daniela Krenn & Soraya Pechtl

FALTER.morgen: Vorige Woche haben die Wiener Linien bekannt gegeben, dass es zu weiteren Intervallausdehnungen kommt. Hat sich die Situation seit der letzten Anpassung im November gar nicht verbessert? 

Reinagl: Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Wir haben das sechstgrößte Straßenbahnnetz der Welt und die dichtesten Takte. Wir fallen von einem sehr hohen auf ein hohes Niveau. Wir greifen 3 Prozent des Fahrplans an. 97 Prozent bleiben weiterhin unverändert. Die Morgenspitze und die U-Bahnen sind nicht betroffen. Unser Ansinnen war es, das Mindestmaß an Veränderung durchzuführen. Wir haben bereits im November versucht, mit einer 0,4 prozentigen Fahrplananpassung dem Personalmangel entgegen zu treten. Dann sind mit Jahresende extrem viele Krankenstände gekommen. Und die Anpassung von November hat nicht mehr gereicht, daher haben wir jetzt weitere Maßnahmen umgesetzt. Zugegeben, die Situation ist nicht schön. Aber wir wollen jetzt klar kommunizieren, wie wir die Situation verbessern wollen.

Die Wiener Linien kämpfen mit einem Personalproblem. Im Dezember haben Sie einen Mitarbeiterbedarf von 100 Straßenbahnfahrern und nochmals 100 Busfahrern ausgegeben. Wie viele konnten Sie seither rekrutieren?

Reinagl: Das hält sich momentan ein bisschen die Waage. Wir haben eine steigende Fluktuation. Die Austrocknung am Arbeitsmarkt führt dazu, dass Menschen schneller kündigen, weil sie die Gewissheit haben, dass sie woanders einen Job bekommen. Der Personalunterstand ist also nach wie vor bei hundert. 

Heuer gehen bei den Wiener Linien 600 Mitarbeiter in Pension. Hätte man darauf nicht früher reagieren müssen?

Reinagl: Wir haben darauf reagiert. Wir haben eine strategische Personalplanung und wussten, dass die Babyboomer-Generation in Pension gehen wird. 2020 und 2021 haben wir daher tausende Leute rekrutiert. Viele waren während der Pandemie in Kurzarbeit oder arbeitslos und sind dann zu uns gekommen. Nur haben uns manche wieder verlassen. Wir müssen uns natürlich die Frage stellen, warum das so war. Aber nicht abschätzbar war, dass der Arbeitsmarkt - und das zeigt sich in allen Branchen - nach 2021 sehr rasch durch die konjunkturelle Lage ausgetrocknet ist. Falsch eingeschätzt haben wir auch die Qualifikation und Lernwilligkeit der Arbeitswilligen. Kaum jemand will außerhalb der Ausbildungsstätte lernen. Wir mussten daher den Lernprozess während der Ausbildung vertiefen und die Schule um fünf Tage verlängern.

Warum ist der Personalmangel gerade bei Straßenbahn- und Busfahrern so eklatant? Und bei U-Bahn-Fahrern nicht?

Reinagl: Es gibt rund 500 U-Bahn-Fahrer. Im Vergleich sind es bei der Straßenbahn 1.300 und bei den Bussen circa 1.200. Die Dimension ist also eine andere. Aber ich stelle mir diese Frage auch. Ich glaube, der Beruf des U-Bahn-Fahrers ist mit weniger Stress verbunden, weil man auf einem eigenen Gleisbett, abgeschnitten vom restlichen Verkehr fährt. Die Straßenbahnen sind großteils im Fließverkehr unterwegs, wo sie nie ausweichen können. Das ist eine große Herausforderung. Stellen Sie sich vor, sie haben einen proppenvollen Zug. Dann kommt ein Falschparker, an dem sie nicht vorbeikommen. Die Fahrgäste regen sich auf und Sie haben andere Straßenbahnen hinter sich, die warten. Ich glaube, dass sind Situationen, vor denen potentielle Mitarbeiter zurückschrecken. Dazu kommt auch, dass wir 24/7 in Betrieb sind. Da entstehen natürlich Dienste, die nicht angenehm sind. 

Alexandra Reinagl ist seit November 2022 Vorsitzende eines dreiköpfigen Geschäftsführerinnen-Teams der Wiener Linien © APA/HANS KLAUS TECHT

Kurz vor Weihnachten gab es einen offenen Brief von Straßenbahnfahrern, die die Arbeitsbedingungen bei den Wiener Linien kritisieren. Zum Beispiel, dass sogenannte Unterbrecherdienste zunehmen würden. Das heißt, ein Straßenbahnfahrer hat eine Frühschicht, geht auf eine mehrstündige unbezahlte Pause und arbeitet nachmittags wieder. 

Reinagl: Die Attraktivierung der Fahrdienste ist ein wesentlicher Punkt unseres Maßnahmenpakets. Die neuen Kollektivverträge sehen eine Lohnerhöhung vor (Anmerkung: von 2.300 auf 2.800 Euro brutto). Die Zulagen, etwa jene für Unterbrecherdienste, werden zum Teil um bis zu 50 % angehoben. Wir haben auch bereits vor Veröffentlichung des Briefes geplant, die Unterbrecherdienste auf das notwendigste Maß zu reduzieren. Man muss dazu sagen, nicht alle Mitarbeiter empfinden diese Dienste als ungerecht. 

Zum ganzen Interview geht es hier.

Freispruch – und zwar nicht im Zweifel, sondern „im Großen und Ganzen, weil der Tatbestand nicht erfüllt ist“: Das ist das Ergebnis der Neuauflage des Prozesses gegen den ehemaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und den Unternehmer Walter Grubmüller.

In dem Verfahren war es um den Vorwurf gegangen, Strache habe als Gegenleistung für eine Parteispende versucht, ein Gesetz im Interesse Grubmüllers hinzubiegen (hier gehts zu einem Überblick).

In erster Instanz wurden die beiden Angeklagten zu 15 (Strache) bzw. 12 Monaten (Grubmüller) bedingt verurteilt und legten Berufung ein. Das Oberlandesgericht gab ihnen recht und hob den Schuldspruch wieder auf: Das Erstgericht habe entlastende Beweise nicht ausreichend gewürdigt.

Gestern kam die zweite Instanz zum Ergebnis, dass die von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) vorgelegten Beweise für einen Schuldspruch „bei weitem nicht ausreichen“. Dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft hat bis Ende der Woche Zeit, ihrerseits Rechtsmittel einzulegen.

Benedikt Narodoslawsky

Forscher werden forscher

Eine Gruppe Wissenschaftler solidarisiert sich mit den Aktivisten der „Letzten Generation". Man müsse die Gesellschaft endlich „aufrütteln".

Dienstag, kurz nach 8 Uhr, der Morgenverkehr bahnt sich durch die Wiener Praterstraße, auf dem Sockel des Tegetthoffdenkmals am Praterstern haben sich zig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Solidaritätskundgebung für die radikale Klimaschutzbewegung „Letzte Generation" versammelt. Die ÖVP hatte diese in den vergangenen Tagen massiv angegriffen.

„Es ist leider wirklich notwendig, die Gesellschaft aufzurütteln", sagte Biodiversitätsforscher Franz Essl bei der gestrigen Kundgebung © APA/GEORG HOCHMUTH

Während die Wissenschaftler vom Ernst der Klimakrise erzählen, setzen sich Aktivistinnen und Aktivisten der Letzten Generation einen Steinwurf entfernt auf die Praterstraße, blockieren den Frühverkehr und ernten dafür ein Hupkonzert. Die Wissenschaftlerinnen müssen lauter sprechen als sonst, auch weil die Polizei mit Sirenengeheul anrückt. Biodiversitätsforscher Franz Essl von der Uni Wien, der am Tag zuvor zum Wissenschaftler des Jahres ausgezeichnet wurde (ein Porträt von ihm finden sie im aktuellen FALTER), sagt: „Es ist leider wirklich notwendig, die Gesellschaft aufzurütteln – das betrifft vor allem die Entscheidungsträger.“

Die Liste der teils sehr prominenten Wissenschaftler, die die Proteste unterstützen, ist 47 Namen lang. Nicht alle haben es zum Tegetthof-Denkmal geschafft. Gekommen sind unter anderem Michael Staudinger, der ehemalige Chef der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und Helga Kromp-Kolb, die federführend am österreichischen Sachstandsbericht Klimawandel mitgeschrieben hat. Als Polizisten die Klimaschützerinnen der „Letzten Generation" von der Straße schleifen, stellen sich einige Wissenschaftlerinnen demonstrativ hinter die Aktivisten und blockieren damit selbst die Straße.

„Der Diskurs verläuft sehr einseitig, nämlich zwischen eher rechten Politiker:innen und Aktivist:innen. Das ist eine sehr ungute Polarisierung“, erklärt Reinhard Steurer, Politikwissenschaftler an der Boku, den Sinn der Solidaritätskundgebung, die er selbst mitgeplant hat, „es war Zeit, dass sich auch die Wissenschaft zu Wort meldet und diesen Diskurs etwas aufdröselt – mit seriösen Argumenten und einer gewissen Ruhe.“

An diesem Morgen wird der Diskurs noch sehr emotional geführt. „Danke, ihr seid geil“, ruft ein Aktivist vom Gehsteig zu den Wissenschaftlern herüber. Ein wütender Radfahrer schreit wenige Sekunden später: „Geht's scheißen, ihr Wichser!“

Wann wurde einer Frau in Österreich erstmals der Titel Kommerzialrat verliehen?

1) 1791

2) 1865

3) 1952

Auflösung von gestern: Die kürzeste Straße Wiens ist die Tethysgasse mit lediglich 11 Metern Länge – und damit sogar kürzer als die 17,5 Meter, die wir gestern irrtümlich angegeben haben.

Thomas Riegler

Der „Meisterspion“ vom Alsergrund

Wie in einem Haus in der Latschka im 9. Bezirk Geheimdienst-Geschichte geschrieben wurde.

„Wir haben nicht viel erreicht, um den Lauf der Geschichte zu verändern, oder?“ Zu diesem bitteren Schluss kommen zwei gealterte Spione in „Silverview“, einem Romanfragment von John Le Carré. Tatsächlich haben Geheimdienste selten entscheidenden Einfluss auf den Gang weltpolitischer Ereignisse ausgeübt. Es gibt aber auch Beispiele für das Gegenteil. Eine diese Geschichten nahm ihren Ausgang in Wien-Alsergrund, genauer gesagt in der Latschkagasse Nr. 9.

© Thomas Riegler

Dort war die Wohnung von Alice „Litzi“ Friedmann, einer kommunistischen Untergrundaktivistin. 1933 stand ein junger Engländer vor ihrer Tür: Harold Adrian Russell Philby, von allen nur „Kim“ genannt. Der Cambridge-Student wollte seine Deutschkenntnisse verbessern. Nach Wien hatte es ihn auch verschlagen, weil er einen Beitrag leisten wollte: Die finale Konfrontation zwischen der Linken und dem Regime von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß lag in der Luft.

Zwischen Litzi und Kim funkte es sofort: „Er stotterte, manchmal mehr und manchmal weniger, und wie viele Menschen mit einem Handikap war er sehr charmant. Wir haben uns schnell ineinander verliebt“, erinnerte sich Litzi viele Jahre später.

Sie war 23 Jahre alt und bereits geschieden, Kim zwei Jahre jünger. Als am 12. Februar 1934 der viertägige Bürgerkrieg ausbrach, halfen beide mit, flüchtende Angehörige des Republikanischen Schutzbunds mit Geld, Essen und Kleidung zu versorgen und durch die Kanalisation zu evakuieren. Um Litzi zu schützen, heiratete sie Kim am 24. Februar 1934 im Wiener Rathaus. Wenig später reisten beide nach Großbritannien aus.

Auf diese Weise geriet eine Ereigniskette in Gang, die die Geschichte des Kalten Krieges mitprägen sollte. Denn Kim wurde kurz nach seiner Rückkehr vom sowjetischen Geheimdienst rekrutiert. Eine andere jüdische Emigrantin aus Österreich, die Fotografin Edith Tudor-Hart, hatte sein Potenzial erkannt. Schon 1933 hatte sie Kim bei ihrer Freundin Litzi kennengelernt. Nun führte sie ihn zum Agentenführer Arnold Deutsch, einem weiteren gebürtigen Wiener.

Deutsch warb nicht nur Philby an, sondern noch vier von dessen Studienkollegen. Gemeinsam bildeten sie den Agentenring der „Cambridge Five“. Zwischen 1935 und 1951 ließen sie Moskau rund 20.000 Seiten Dokumente und Berichte zukommen. Sie taten das, um im Kampf gegen den Faschismus zu helfen und weil sie die konservative Ordnung zu Hause ablehnten. Von den Zuständen in der Sowjetunion hatten sie keine Ahnung. Das gelieferte Material war so hochkarätig, dass der misstrauische Diktator Stalin an ein Täuschungsmanöver glaubte.

Philby war der erfolgreichste Spion und wäre beinahe Chef des britischen Geheimdiensts geworden. Doch 1963 wurde er endgültig enttarnt und floh hinter den „Eisernen Vorgang“. In den 25 Jahren, die er bis zu seinem Tod 1988 in Moskau lebte, unternahm Philby nie den Versuch, mit Litzi Kontakt aufzunehmen. Die beiden hatten sich 1946 scheiden lassen, weil die Ehe mit einer Kommunistin Philbys Tarnung gefährdet hätte.

Litzi übersiedelte 1947 in die DDR und kehrte 1984 nach Österreich zurück. Es war, als „hatte sie Wien seit dem Tage ihrer Geburt nicht verlassen“, meinte ihre Tochter Barbara Honigmann. Schließlich habe Litzi die Stadt geliebt, „trotz der Österreicher“. Einmal in der Woche half sie einen Vormittag im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands aus. 1991 starb Litzi ohne viel preisgegeben zu haben. Dabei kann ihr Einfluss nicht hoch genug eingeschätzt werden. Schließlich hatte für Kim alles in Wien begonnen.

Thomas Rieglers gerade erschienenes Buch „Österreichs Geheime Dienste. Eine neue Geschichte“ kann man übrigens auch über faltershop.at beziehen.

Literatur

Stefanie Sargnagel liest wieder einmal aus „Dicht – Aufzeichnungen einer Tagediebin“, ihrem ersten Roman, der auf drei Sammlungen von Facebook-Statusmeldungen folgte. Die Wiener Autorin und Zeichnerin hat darin zu einer schlüssigen Form des Erzählens gefunden, die erneut auf dem selbst Erlebten basiert: Sargnagel arbeitet ihre Jugend zwischen 15 und 20 auf und lässt Jahre zwischen Rausch und Depression eindringlich Revue passieren. (Sebastian Fasthuber)

Rabenhof, 20.00

Cormac McCarthy: Stella Maris & Der Passagier

Ein Jäger stößt im Wald auf die Leiche einer jungen Frau. Ihre rote Schärpe sticht aus dem winterlichen Weiß hervor. Suizid am Weihnachtstag: So beginnt Cormac Mc-Carthys zweibändiger Roman „Der Passagier“/„Stella Maris“.

Der US-amerikanische Romancier, bekannt für seine besonders düstere Weltsicht, feiert 2023 seinen 90er. Seit dem Welterfolg „Die Straße“ sind 16 Jahre vergangen. Der neue Zweiteiler ist wieder ein ziemlicher Brocken. Doch er hält - untypisch für ein Spätwerk - auch einige Überraschungen bereit. Die Bücher sind bei aller Finsternis nicht nur bedrückend schwer, sondern von Humor durchzogen; sie werden von absurden Wendungen und merkwürdigen Figuren bevölkert, wie man sie sonst eher bei McCarthys Kollegen Thomas Pynchon findet … (Sebastian Fasthuber)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

Michael Omasta

Vera

Die Schauspielerin Vera lebt im Schatten ihres berühmten Vaters. Der oberflächlichen Beziehungen dieses Milieus schon lang müde, treibt sie ziellos durch den Tag und die römische High Society. Als in der Vorstadt bei einem Verkehrsunfall ein Kind verletzt wird, geht sie eine intensive Beziehung zu dem achtjährigen Buben und seinem Vater ein. Bald muss sie erkennen, dass sie auch in dieser Welt lediglich als Mittel zum Zweck dient. Starkes, semidokumentarisches Drama mit Vera Gemma, der Tochter des italienischen Schauspielstars Giuliano Gemma.

Regie: Tizza Covi, Rainer Frimmel, Ö/I 2022

The Banshees of Inisherin

© Verleih

Irland, 1923. Auf der abgelegenen Insel Inisherin versteht der gutmütige Tölpel Pádraic (fabelhaft: Colin Farrell) die Welt nicht mehr. Sein bester Freund Colm (Brendan Gleeson), existentieller Denker und Geiger, beschließt ihre lebenslange Freundschaft abrupt zu beenden: "Ich mag dich einfach nicht mehr." Mithilfe seiner bücherliebenden Schwester Siobhán (Kerry Condon) versucht der verwirrte Pádraic seinen Freund zurückzugewinnen. Ob dies gelingt ist zweifelhaft, doch den verschrobenen Charakteren dabei zuzusehen, ist tragisches und äußerst komisches Vergnügen zugleich. (Martin Nguyen)

Regie: Martin McDonagh, GB/IRL/USA 2022

Passagiere der Nacht

Die Handlung setzt 1981 mit der Wahl von François Mitterrand zum französischen Staatspräsidenten ein: Hoffnung liegt in der Luft, Leute tanzen in den Straßen. Nach dem schmerzhaften Ende ihrer Ehe muss Elisabeth Davies (Charlotte Gainsbourg) sich und ihre zwei Kinder im Teenager-Alter allein durchbringen. Sie beginnt einen neuen Job bei einer nächtlichen Radioshow. Als sie dabei die junge Streunerin Talulah kennenlernt, holt sie diese zu sich nach Hause. Betörendes, magisches Kino.

Regie: Mikhaël Hers, F 2022

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