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Friseure werden teurer - und diese Branchen könnten bald folgen

Wer einen Friseurtermin hat, sollte sich auf höhere Preise einstellen. Auch nach dem ersten Lockdown hatten die Salons preislich angezogen.
Kundinnen stehen um Mitternacht vor einem Friseur in Berlin Schlange, um einen Termin zu ergattern.
Kundinnen stehen um Mitternacht vor einem Friseur in Berlin Schlange, um einen Termin zu ergattern.
picture alliance / Geisler-Fotopress | Frederic Kern/Geisler-Fotopress

Die Friseure durften als eine der ersten Branchen aus dem Lockdown. Neben dem Andrang auf Termine müssen Kunden auch mit steigenden Preisen rechnen.

Grund dafür sind unter anderem die strengeren Hygiene-Auflagen und die dezimierte Kundenzahl. In der Regel gehe es um einen Prozentsatz Aufschlag.

Laut einer Analyse der ING könnte sich der Preisanstieg auch in anderen Branchen kurz nach der Öffnung wiederholen, wie in der Gastronomie oder beim Reisen.

Seit Montag dürfen die Friseure als erste Branche aus dem Lockdown. Der Ansturm war groß, bei vielen waren seit der Ankündigung Anfang Februar die Terminkalender schnell voll, auch Business Insider berichtete. Einige Friseure nutzten den hohen Andrang für Spendenaktionen für einen guten Zweck. So versteigerte eine Friseurin aus Duisburg den ersten Termin in ihrem Salon für 500 Euro, ein andere Friseur aus Bayreuth bekam 422 Euro durch die gleiche Vorgehensweise, wie unter anderem das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtete.

50 Euro mehr auf den Normalpreis

Julia (29, Name geändert) aus Berlin wollte jedoch gar keinen Termin ersteigern, sondern nur zu ihrem regelmäßigen Friseurbesuch in einem Salon im Stadtteil Prenzlauer Berg gehen. Doch dort erlebte sie einen unerwarteten Preisanstieg: Statt der normalen 160 Euro für Strähnchen färben, waschen, schneiden und föhnen sollte die gleiche Behandlung plötzlich rund 210 Euro kosten – also 50 Euro mehr als üblich. Der Preisanstieg wurde laut Julia vom Salon damit begründet, dass der Friseur nach dem ersten Lockdown nicht die Preise erhöht habe und auch die zugesagten Corona-Hilfen noch nicht geflossen seien. Julia sagte den Termin letztendlich ab – zu teuer.

Julias Erlebnis sticht in seiner preislichen Höhe hervor – einen „moderaten Preisanstieg“ erwarte aber auch der Zentralverband der Friseure, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete. „Wir erwarten Corona bedingt keine besonderen Preissteigerungen.“, sagt Jörg Müller,  Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Friseurhandwerk zu Business Insider. „Grundsätzlich gilt aber, dass dies jedes Unternehmen selbst entscheidet.“ Als Grund für Preisanstiege nannte der Zentralverband laut der Deutschen Presse-Agentur zum einen den zeitlichen Mehraufwand durch den neuen Schutzstandard. Zum anderen müssten Friseursalons mehr Geld für Schutzausrüstung wie etwa Einmalhandschuhe, Masken und Desinfektionsmittel ausgeben. All das könne zu einem moderaten Anstieg der Preise führen.

Wie teurer ein Haarschnitt künftig wird, lässt sich allerdings nicht genau beziffern – das legt jeder Salon selber fest. Die Landesinnungsmeisterin von Thüringen, Sybille Hain, rechnet entweder mit einer Pauschale von einigen Euro oder einem bestimmten Prozentsatz auf den Preis. „Das deckt die Zusatzkosten. Es ist nicht so, dass wir daran verdienen.“ Star-Friseur Shan Rahimkhan aus Berlin erlebt das Gleiche. Auf eine Anfrage von Business Insider teilte eine Sprecherin mit: „Bedingt der Hygienemaßnahmen und der dadurch entstanden Kosten, müssen wir unsere Preise um 8-10% erhöhen. Noch dazu mussten wir in beiden Salons die Kundenplätze je um fast die Hälfte reduzieren.“

Schon im Dezember Preisanstieg von 6,3 Prozent

Auch das Statistische Bundesamt erwartet einen Anstieg der Preise bei den Friseuren. Im Anschluss an den ersten Lockdown mussten Verbraucher im Mai 2020 für Friseurdienstleistungen bereits 5,4 % mehr bezahlen als im Vorjahresmonat, so das Statische Bundesamt. Im September 2020 lagen die Preise für Haarschnitte und Co. um 6,3 % über denen des Vorjahresmonats – trotz des zum 1. Juli 2020 gesunkenen Mehrwertsteuersatzes.

Wer heute einen #Friseurtermin ergattert hat, muss eventuell mit höheren Preisen rechnen: Vor Schließung der Salons im Dezember 2020 lagen die Preise für Haarschnitte und Co. um 6,3 % über denen des Vorjahresmonats. https://t.co/0AsYML3Ugx #Friseur pic.twitter.com/MtlRJbg4lA

— Statistisches Bundesamt (@destatis) March 1, 2021
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Gründe für die Preissteigerungen dürften laut der Statistik-Behörde unter anderem sowohl die gestiegenen Nebenkosten zur Umsetzung strengerer Hygieneauflagen als auch der Anstieg der Mindestlöhne im Januar 2020 sein.

ING-Ökonom sieht Anstieg auch in anderen Branchen

Carsten Brzeski, Ökonom der Bank ING, hat die generellen Auswirkungen in einer Analyse mit dem Titel „Eurozone: Reopening inflation will add to ECB’s worries“ untersucht. Darin heißt es: „Sobald die Wirtschaft wieder anspringt, werden zumindest einige Sektoren wahrscheinlich sowohl einen angebots- als auch einen nachfrageseitigen Inflationsschock aufweisen; zumindest vorübergehend. Dies wäre der „Friseur-Effekt“, da die Friseure auf den Nachfrageschub nach der ersten Welle mit Preiserhöhungen reagierten, was zu einer erhöhten Inflation bei Haarschnitten führte.“

Zu Business Insider sagte Brzeski: „Allgemein kann man sagen, dass wir im letzten Jahr durch Lockdowns und Social Distancing fallende Preise hatten und sich dieser Trend jetzt mit einsetzenden Lockerungen umkehren wird. Ob das beim Frisör ist, dem gut besuchten Urlaubsort oder dem Restaurant an der Ecke.“ In vielen Bereichen sei ein Corona-Aufschlag zu erwarten und ein Run auf die Dienstleistungen. Der Aufschlag könne einerseits aufgrund von gestiegener Kosten kommen (Corona-Protokolle), aber andererseits auch als Versuch, die verlorenen Einnahmen auszugleichen.

Brzeski: „Langfristig lässt sich so ein Corona Aufschlag allerdings kaum durchhalten, da Konkurrenz die Preise wieder drücken wird. Die ersten Male bin ich bereit, beim Lieblingsitaliener mehr zu zahlen. Aber beim dritten oder vierten Mal probiere ich dann doch mal das Restaurant zwei Ecken weiter aus.“

Was ihr über einen Besuch beim Friseur noch wissen solltet

1.Kein Rasieren, Bartpflege und Wimpern färben

„Gesichtsnahe Dienstleistungen wie Augenbrauen- und Wimpernfärben, Rasieren und Bartpflege dürfen derzeit nicht ausgeführt werden“, heißt es dazu in dem Schutzstandard. Das trifft etwa die auf Bärte spezialisierten Barber besonders. Sie können in Zukunft nur Herrenhaarschnitte anbieten.

2. Haare waschen im Salon wird Pflicht

Haare waschen wird mit dem Standard für alle Kunden Pflicht. So sollen mögliche Viren in den Haaren abgetötet werden. Dazu reicht es nicht, sich vor dem Friseurbesuch die Haare selbst zu waschen. Auf dem Weg zum Salon könnte man nämlich erneut mit dem Virus in Kontakt kommen.

3. Kein Wasser, aber Zeitschriften

Ein Glas Wasser oder eine Tasse Kaffee wird es außerdem vorübergehend beim Friseur nicht geben. Eine Zeitschrift beim Haare schneiden oder Föhnen zu lesen, ist hingegen erlaubt – sie kann „unter Hygieneauflagen zur Verfügung“ gestellt werden. Die Maßnahmen sollen das Infektionsrisiko in den Salons verringern.

Mit Material der dpa

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