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Friseure schneiden wieder Haare - einige seit Mitternacht | Wirtschaft

Nach Monaten des Lockdowns dürfen Friseure seit Montagmorgen wieder Haare schneiden. Einige Salonbetreiber nahmen das wörtlich - und griffen Punkt 0.01 Uhr zu Kamm und Schere.

Nach Monaten des Lockdowns dürfen Friseure seit Montagmorgen wieder Haare schneiden. Einige Salonbetreiber nahmen das wörtlich - und griffen Punkt 0.01 Uhr zu Kamm und Schere.

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Video 03:04 Min. |01.03.21, 19:30 Uhr |hessenschau

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Diesen Moment hatte Katja Emmel zweieinhalb Monate lang herbeigesehnt: In der Nacht zum Montag, um Punkt 0.01 Uhr durfte sie die Tür zu ihrem Salon in Espenau (Kassel) wieder aufschließen. Und trotz der nächtlichen Stunde saß die erste Kundin schon bereit.

Tamara Meschke hatte an einer Spendenaktion der Friseurin teilgenommen und den ersten Haarschnitt nach der Schließung ersteigert. Das Geld war aber nicht etwa für den Salon gedacht: Katja Emmel sammelte Geld ein, um die örtliche Jugendfeuerwehr zu unterstützen: "Ich habe mehrmals mitbekommen, wie die nachts ausgerückt sind", erzählt die 53-Jährige. "Bei ihnen ist auch so viel weggefallen. Da dachte ich: Für die stehst du auch einmal nachts auf."

Katja Emmel, Friseurin aus Espenau Katja Emmel, Friseurin aus Espenau

"Um die Uhrzeit einen Haarschnitt zu kriegen, ist ja auch mal etwas Besonders", ergänzt Meschke lachend. 258,88 Euro kamen so zusammen, aufgerundete 300 Euro übergab Emmel der Feuerwehr.

"Wollte nur meiner Cousine die Haare schneiden"

Auch andernorts wurden Farbtuben wieder aus dem Schrank geholt, Scheren geschärft und die seit Mitte Dezember wild gewachsenen Haare in Form gebracht: Die 29-jährige Süheyla Caiada aus Wetter (Marburg-Biedenkopf) etwa hatte ihre Wiedereröffnung ebenfalls für genau 0.01 Uhr angekündigt. Was zunächst als Gag gedacht war, sei schnell Ernst geworden: "Eigentlich wollte ich nur meiner Kusine die Haare schneiden."

Die Fassade des Salons von Süheyla Caiada. Die Fassade des Salons von Süheyla Caiada.

Nun hat die Friseurmeisterin in der ersten Nacht gleich mehrere Termine vergeben - bis etwa 2 Uhr. Ebenfalls um 0.01 Uhr startete Michael Ruppel aus Oberursel (Hochtaunus), dann machte er eine kleine Pause, um um 6 Uhr wieder zu öffnen. Bis Ende März ist er voll ausgebucht, erzählt er: "Erst in der letzten Woche habe ich wieder ein paar Termine frei."

Jeder zehnte wäre ohne Hilfe insolvent

Dass die Friseursalons wieder öffnen dürfen, sei ein Hoffnungsschimmer für die finanziell stark belastete Branche, sagte der Geschäftsführer des Landesinnungsverbands des Friseurhandwerks in Hessen, René Hain. 10 bis 20 Prozent der Unternehmen hätten im zweiten Corona-Lockdown angegeben, ohne Hilfen insolvent zu gehen.

"Die Hoffnung ist jetzt, wieder seinen eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können", sagte Hain. Laut Verband gibt es in Hessen rund 6.000 Salons mit rund 17.000 Beschäftigten. Sie mussten seit Mitte Dezember von Rücklagen leben.

Ausgebucht trotz Neueröffnung

In den kommenden beiden Wochen sei sie bereits komplett ausgebucht, sagt auch Friseurin Caiada. Und das trotz Neueröffnung. Erst in den vergangenen Monaten renovierte sie die Räume der ehemaligen Fahrschule in Wetter, stellte Waschbecken und Spiegel auf. "Wir mussten uns beeilen, um pünktlich zum Ende des Lockdowns fertig zu werden", erzählt sie.

Ein paar Stammkunden habe sie von ihrem alten Arbeitgeber mitgenommen, unter den Kunden seien aber auch viele neue. "Normalerweise wäre montags mein Ruhetag. Den habe ich aber erstmal gestrichen, um die Wünsche der Kunden erfüllen zu können."

"Click and Meet" soll folgen

Die Landesregierung hatte entschieden, für die Friseure eine Ausnahme zu machen - um älteren Menschen entgegenzukommen, die etwa Hilfe beim Haarewaschen brauchen. Der Einzelhandel, der ebenfalls seit mehr als zwei Monaten geschlossen ist, muss noch warten.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) stellte allerdings in Aussicht, nach der kommenden Bund-Länder-Schalte am 3. März "Click and Meet" zu erlauben - also Beratungstermine mit einzelnen Kunden in den Geschäften. Restaurants, Gaststätten und Cafés sollen dann in einem weiteren Schritt ab April zumindest ihren Außenbereich öffnen dürfen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 01.03.2020, 19.30 Uhr

Veröffentlicht am 28.02.21 um 20:59 Uhr

Quelle: hessenschau.de/Anja Engelke, Sonja Fouraté, dpa/lhe

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