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Eintracht Frankfurt: Fredi Bobic will nicht „rumeiern“ - und wollte schon 2020 weg

Fredi Bobic wollte Eintracht Frankfurt schon im Winter 2020 verlassen. Nun will er mit seiner Ankündigung klare Kante zeigen. Er wechselt wohl zu Hertha BSC Berlin.
  • Ingo Durstewitz

    vonIngo Durstewitz

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Fredi Bobic wollte Eintracht Frankfurt schon im Winter 2020 verlassen. Nun will er mit seiner Ankündigung klare Kante zeigen. Er wechselt wohl zu Hertha BSC Berlin.

  • Fredi Bobic wird Eintracht Frankfurtverlassen - Hertha BSC lockt.
  • Als Nachfolger des Sportvorstands wird der ehemalige SGE-Kapitän Christoph Spycher gehandelt.
  • Trainer Adi Hütter und „Mastermind“ Ben Manga haben sich zur Eintracht bekannt.

+++ 19:55 Uhr: Fredi Bobic spricht Klartext. Er wolle nicht „rumeiern“, die Verantwortlichen der Eintracht sollen bereits darauf „vorbereitet“ gewesen sein, dass der Sportchef der Frankfurter für den Sommer 2021 eine berufliche Veränderung anstreben würde.Gegenüber der ARD sagt Bobic in der Sendung „Sportschau Thema“, dass er schon Ablauf der vergangenen Saison einen Wechselwunsch hinterlegt hatte. Damals sei er aufgrund der Corona-Pandemie gebeten worden, „die Corona-Saison durchzuziehen“ und habe dieser Bitte entsprochen. Wie Bobic sagt, habe er dies schon „aus moralischen Gründen“ getan.

Fredi Bobic wird Eintracht Frankfurt verlassen. Medienberichten zufolge zieht es ihn zu Hertha BSC Berlin.

© via www.imago-images.de

Dennoch habe der Aufsichtsrat der Frankfurter Eintracht versucht, Fredi Bobic über die laufende Saison hinaus zu halten. Er habe erklärt, dass die sportliche Luftveränderung für ihn eine „persönliche Sache“ sei, und das habe der Aufsichtsrat auch „verstanden“. Ob er tatsächlich wie in diversen Medien übereinstimmend berichtet, zu Hertha BSC Berlin wechseln wird, möchte der aktuelle Eintracht-Sportvorstand nicht sagen. Er wolle auf das Thema „gar nicht mehr eingehen“, sagt Bobic. Dies begründet er damit, dass zuletzt „leider immer wieder zu viele Indiskretionen an die Öffentlichkeit“ gekommen seien.

Eintracht Frankfurt: Fredi Bobic bestätigt Abgang – Zieht es den Sportchef zur Hertha?

Update vom Dienstag, 02.03.2021, 16.51 Uhr: Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic hat laut „kicker“ seinen Abschied von der SGE in der Sendung „Sportschau Thema“ bestätigt. Die Sendung wird in der ARD am späten Dienstagabend ausgestrahlt. Der 49-Jährige steht vor einem Wechsel zu Hertha BSC. Bei den Frankfurtern ist Bobic seit 2016 im Amt.

Eintracht Frankfurt: Fredi Bobic vor dem Absprung – Zieht es den Sportchef nach Berlin?

Erstmeldung vom Montag, 01.03.2021, 20.30 Uhr: Frankfurt - Am frühen Abend des Montags passierte rund um Frankfurt genau das, was einem Bundesligisten, der darum kämpft, erstmals in seiner Geschichte an der Champions League teilnehmen zu dürfen, besser nicht passieren sollte: Unruhe hielt mit einem Schlag Einzug, gewaltige Unruhe, auf höchster Ebene. Der TV-Sender Sky vermeldete nämlich um kurz vor 19 Uhr: „Das ist ein echter Hammer. Fredi Bobic will die Eintracht verlassen.“ Ein Paukenschlag, für die Eintracht zur Unzeit.

Will weg: Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic

© Uwe Anspach/dpa

Eintracht Frankfurt: Fredi Bobic wird schon länger von Hertha BSC Berlin umgarnt

Es ist ein Bericht, der sich mit Informationen der FR deckt. Der 49-Jährige wird heftig von Hertha BSC umgarnt, jenen seltsam schwerfälligen Hauptstadtklub, für den der gebürtige Slowene einst stürmte, in jener Stadt, in der seine Familie lebt. Weiche Faktoren wie diese sind in diesem Fall nicht zu unterschätzen.

Das fehlende Bekenntnis des Sportchefs zur Eintracht hatte schon in den vergangenen Wochen intern viele irritiert, die Verantwortlichen haben sich bereits mit einem Bobic-Abgang beschäftigt und sich auf dieses Szenario vorbereitet. Nun könnte es schneller Realität werden als gemeinhin gedacht.

Christoph Spycher Kandidat auf Nachfolge von Fredi Bobic bei Eintracht Frankfurt

Als möglicher Nachfolger schwirrt schon seit geraumer Zeit der Name Christoph Spycher umher, der frühere Eintracht-Kapitän, der derzeit als Sportboss den Schweizer Klub Young Boys Bern erfolgreich managt. Kuriosum am Rande: Spycher und Trainer Adi Hütter arbeiteten bei den Young Boys höchst erfolgreich zusammen, ehe die Eintracht den Meistercoach 2018 aus seinem Vertrag herauskaufte.

Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic zieht es offenbar zur Berliner Hertha.

© Uwe Anspach/dpa

In einer ersten Stellungnahme am Abend versuchte Aufsichtsratschef Philip Holzer, die Wogen zu glätten. „Fredi Bobic hat bei Eintracht Frankfurt einen Vertrag bis 2023. Wir befinden uns mit ihm in Gesprächen über die zukünftige Ausrichtung der bislang sehr erfolgreichen Zusammenarbeit.“ Das stimmt zum einen, weil sich gerade Holzer sehr um eine Fortführung der durch und durch verheißungsvollen Liaison bemühte und nichts unversucht ließ, den Schwaben von einem Verbleib zu überzeugen.

Eintracht Frankfurt will Fredi Bobic halten, jedoch nicht um jeden Preis

Andererseits ist der Hinweis auf die Vertragslaufzeit auch zu beachten. Will sagen: So mir nichts, dir nichts wird der Arbeitgeber seinen Sportchef nicht freigeben. Ob eine gewisse Ablöse fließen oder der avisierte Seitenwechsel in einer Art Gentlemen’s Agreement über die Bühne gehen würde, bleibt abzuwarten. Klar ist, dass laufende Verträge, selbst auf dieser hohen Funktionärsebene, nur so lange Gültigkeit haben, bis sie – warum auch immer – außer Kraft gesetzt werden. Das kann ganz schnell gehen.

Die Eintracht wird kaum auf eine Vertragserfüllung pochen, wenn der sportlich Verantwortliche partout eine neue Herausforderung annehmen möchte. Reisende, heißt es nicht ohne Grund, solle man nicht aufhalten, denn wer mit dem Kopf woanders ist, kann die komplexen Aufgaben an anderer Stelle nicht mehr so angehen und lösen, wie es in der Branche erforderlich ist. Damit wäre keinem geholfen.

Eintracht Frankfurt: Die Absetzbewegungen von Fredi Bobic sind deutlich zu erkennen

Abgeschlossen und final fixiert, das muss festgehalten werden, ist die ganze Angelegenheit noch nicht, über eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses in Frankfurt im Sommer ist noch nicht verhandelt worden, doch die Tendenz ist klar, Absetzbewegungen des früheren Nationalspielers sind deutlich zu erkennen.

Dass sich diese noch einmal umkehren lassen, ist nicht auszuschließen, aber nicht sehr wahrscheinlich. Für den Frankfurter Baumeister wäre es die ganze Zeit ein Leichtes gewesen, jedwede Gerüchte verstummen zu lassen. So, wie es Adi Hütter am Sonntag in einer Sky-Talkrunde machte, als er auf eine entsprechende Frage, ob er weiterhin in Frankfurt arbeiten werde, klipp und klar antwortete: „Ich bleibe. Da gibt es überhaupt keine Diskussion.“ Das hätten sich die Eintracht-Funktionäre auch auf einer höhere Ebene erhofft – vergeblich.

Fredi Bobic bei Eintracht Frankfurt: Erfolgsstory des Baumeisters

Fredi Bobic hat sich seit jeher als eine Art Projektleiter mit begrenzter Verweildauer gesehen, vier, fünf Jahre erachtet er als sinnvolle Zeit, um etwas aufzubauen, was er in Frankfurt zweifellos getan hat. Seine Erfolge sind unbestritten und ungeheuer groß. Gemeinsam mit seinem Vertrauten, Kaderplaner Ben Manga, und auch Sportdirektor Bruno Hübner hat er die Eintracht sportlich auf ein anderes Niveau gehoben. Seit Amtsantritt 2016, als der Klub gerade so dem Abstieg entrann, hat er mit kluger Personalpolitik die Weichen für eine rosige Zukunft gestellt. Im Zeitraffer: Pokalfinale 2017, Pokaltriumph 2018, Europa-League-Halbfinale 2019, Europa-League-Achtelfinale 2020.

Gerade die vergangene Saison war keine einfache, aber doch sehr solide, obwohl der Eintracht das gefürchtete Sturmtrio – Stichwort Büffelherde – weggekauft wurde. Aber auch das war letztlich eine Erfolgsstory: Transfereinnahmen von weit mehr als 100 Millionen Euro standen zu Buche. Und: Die Mannschaft ist perspektivisch so verstärkt worden, dass sie dieses Jahr realistische Chancen hat, erstmals die Königsklasse zu erreichen.

Eintracht Frankfurt: Fredi Bobic wurde zwei Mal zum Manager des Jahres gewählt

Bobic, gleich zweimal zum Manager des Jahres gewählt, ist in der Branche höchst anerkannt und begehrt. Zuletzt brachte ihm der Deal, Luka Jovic von Real Madrid zurück zur Eintracht zu holen, großen Respekt ein. Vor allem, weil die Konditionen für den Frankfurter Bundesligisten so unfassbar gut waren. Jovics Engagement kostet die Hessen etwas mehr als eine Million Euro. Nicht die Welt.

Für die Eintracht kommt die Meldung dennoch zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Sie schafft einfach Unruhe und Schwingungen, und selbst wenn eine Mannschaft davon nicht direkt betroffen ist, so lenkt es ab, so verschiebt sich der Fokus rundherum irgendwie. Vieles wird davon abhängen, auf dieser Ebene Ruhe und Fakten zu schaffen – in welcher Richtung auch immer.

Trainer Adi Hütter und Scouting-Chef Ben Manga bleiben Eintracht Frankfurt erhalten

Die Verantwortlichen sind daher umso glücklicher, dass sich der Trainer klar bekannt hat. Das wurde mit großem Wohlwollen aufgenommen. Und auch dass Kaderplaner Ben Manga erhalten bleibt und seinen Vertrag verlängern wird, mit mehr Kompetenzen und Verantwortung, wird als wichtiges Signal gewertet. Ben Manga gilt als Mastermind und Perlentaucher bei Talenten im Hintergrund.

Das Fundament steht also, der Vorstand ist stabil und der sich öffentlich zurückhaltende Aufsichtsrat hat die Gesamtkomposition im Blick und ein wachsames Auge auf die Geschehnisse. So, wie es aussieht, wird er einen neuen Sportvorstand finden müssen, aber die Eintracht gilt mittlerweile als gute Adresse. Nur der Richtige muss gefunden werden. „Die Zusammenarbeit hier hat Niveau und Klasse“, sagt Adi Hütter. Wahrscheinlich wird er bald einem neuen Boss berichten. (Ingo Durstewitz)

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