Was über die Brandanschläge auf Frankreichs Bahn bekannt ist

26 Jul 2024
Frankreich

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Vor Olympia-Eröffnung in Paris Was über die Brandanschläge in Frankreich bekannt ist

Stand: 26.07.2024 18:29 Uhr

Kurz vor der Olympia-Eröffnungsfeier in Paris verüben Unbekannte Brandanschläge auf das französische Bahnnetz. Was ist genau passiert? Und welche Auswirkungen hat der Anschlag auf die Spiele? Was bislang bekannt ist.

Nur wenige Stunden vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris verüben Unbekannte mehrere Brandschläge auf das Schnellzugnetz in Frankreich. Die französische Staatsbahn SNCF spricht von starken Beeinträchtigungen. Auch Sportler sind von den Folgen der Vorfälle betroffen.

Was ist genau passiert?

Nach Angaben der Bahn wurden in der Nacht mehrere Brandanschläge auf Anlagen des Schnellzugnetzes verübt. Dabei zündeten die Täter unter anderem Signalanlagen an und durchtrennten Kabel. Hochrangige Politiker wie der Premierminister Gabriel Attal sprachen von Sabotageakten. Die Auswirkungen auf das Eisenbahnnetz am Tag der Eröffnung der Olympischen Spiele sind massiv und schwerwiegend, schrieb Attal auf X. Der Geheimdienst sei eingeschaltet worden, um die Täter zu finden.

Was ist zu den Tätern bekannt?

Wer hinter den Anschlägen steckt und ob sie politisch motiviert sind, ist noch unklar. Offenbar sind bislang keine Menschen zu Schaden gekommen. Es gibt keine Berichte über entgleiste Züge oder andere Unfälle, die im Zusammenhang mit der Sabotage stehen könnten.

Gibt es sonst Erkenntnisse zu den Hintergründen?

Der Chef der Eisenbahngesellschaft SNCF, Jean-Pierre Farandou, spricht von womöglich geplanten Taten. "Wir können annehmen, dass die Anschläge geplant und kalkuliert waren", sagte Farandou. Dafür spreche auch, dass die Brände an Gleisgabelungen gelegt worden seien.

Inzwischen beschäftigen die Angriffe auch die Pariser Staatsanwaltschaft. Es werde unter anderem eine Untersuchung eingeleitet wegen des Verdachts auf Beschädigung eines Gutes, "das den grundlegenden Interessen der Nation diene", teilte die Behörde mit.

Welche Bahnstrecken sind konkret betroffen?

Laut SNFC gab es Brandschläge auf drei Achsen:

der Ost-Achse, die von Paris nach Straßburg führt, der Nord-Achse, auf der unter anderem der Eurostar in Richtung Ärmelkanal und London fährt und der Atlantik-Achse von Paris Richtung Südwesten.

Bahn-Chef Farandou zufolge konnte ein weiterer mutmaßlicher Sabotageakt südöstlich von Paris verhindert werden. Mitarbeiter hätten Eindringlinge bemerkt und die Polizei alarmiert.

Welche Einschränkungen gibt es für Passagiere?

Der Bahnverkehr rund um Paris ist laut SNFC teils stark beeinträchtigt. 800.000 Menschen müssen Zugausfälle in Kauf nehmen. Jeder zweite Zug nach Osten, nach Norden und jeder vierte Schnellzug in Richtung Bordeaux ist derzeit betroffen, teilte Verkehrsminister Patrice Vergriete mit. An französischen Bahnhöfen kam es vielerorts zu Chaos und massiven Behinderungen. Tausende Reisende strandeten in den Bahnhöfen und wussten teils über Stunden nicht, wie es weitergeht.

Die Bahn arbeitet mit Hochdruck an der Reparatur. Über das Wochenende muss aber weiter mit Einschränkungen gerechnet werden - vor allem bei TGV-Schnellzügen. Wie das Unternehmen mitteilte, sind davon voraussichtlich auch die Verbindungen von und nach Stuttgart und Frankfurt betroffen. Reisenden empfiehlt SNFC, im Internet zu prüfen, ob der gebuchte Zug tatsächlich fährt oder ob es Abweichungen gibt.

Sind auch deutsche Reisende betroffen?

Die Deutsche Bahn geht davon aus, dass die Anschläge kaum Auswirkungen auf den Zugverkehr innerhalb Deutschlands haben. Allerdings kann es zu Einschränkungen bei Zügen kommen, die von oder nach Straßburg oder Paris unterwegs sind. Auf ihrer Homepage verwies die Bahn darauf, sich vor Reiseantritt zu informieren.

Drei deutsche Olympia-Springreiter mussten heute bereits umplanen. Sie wollten eigentlich nach Paris fahren, doch wegen der zu erwartenden großen Verspätung stornierten die Pferdesportler ihre Anreise. Bei der Eröffnungsfeier sind sie deshalb nicht mit dabei.

Welche Auswirkungen gibt es auf die Olympischen Spiele?

Auch die Route zum Stade de France im Norden von Paris - wo Rugbyspiele und die Leichtathletik-Wettkämpfe stattfinden - ist durch die Anschläge stark beeinträchtigt. Allerdings halten sich direkte Einschränkungen auf die sportlichen Events bislang in Grenzen, weil heute kein Training und kein Wettkampf auf dem Programm steht.

Was die Eröffnungsfeier am Abend anbelangt, versicherte die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, laut dem Sender BFMTV, dass es keine Einschränkungen geben werde: "Es ist inakzeptabel, was passiert ist, aber es wird sich nicht auf die Zeremonie heute Abend auswirken", sagte sie.

Wie steht es um die Sicherheit der Eröffnungsfeier?

Auch IOC-Präsident Thomas Bach zeigte sich gesammelt. "Wir haben volles Vertrauen in die französischen Behörden", sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. Alle erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen seien getroffen worden. Die französischen Behörden würden zudem von 180 weiteren Geheimdiensten aus der ganzen Welt unterstützt, erklärte Bach. Bei der Eröffnungsfeier auf der Pariser Seine sollen etwa 45.000 Sicherheitskräfte im Einsatz sein.

Welche Reaktionen gibt es von deutscher Seite?

Die deutsche Regierung verurteilte die Sabotageakte gegen die französische Bahn. "Das ist etwas, was absolut zu verurteilen ist. Ein solches Fest des Friedens mit Gewalttaten zu stören, kann niemals akzeptiert werden und verlangt entschiedenste Zurückweisung", sagte Bundeskanzler Olaf Scholz bei einem Besuch der Deutschen Botschaft in Paris. Er hoffe, "dass die französischen Behörden bald erfolgreich sein werden bei der Identifizierung der Täterinnen und Täter", sagte der SPD-Politiker. 

Laut Bundesinnenministerin Nancy Faeser zeigten die Vorfälle auch, "wie ernst die Bedrohungslagen aktuell in Europa sind und wie wichtig die starken Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Olympischen Spiele sind". 

Die SPD-Politikerin betonte: "Die Sicherheit hat in diesen Zeiten höchste Priorität - das gilt für die Olympischen Spiele in Paris genauso wie es für die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland galt."

Vor den Olympischen Spielen haben Polizei und Militär ihre Präsenz in Paris massiv verstärkt. Frankreich hatte im März die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Ende Mai vereitelten Ermittler Pläne für einen islamistischen Terroranschlag auf ein Fußballspiel während der Olympischen Spiele.

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