"Der Flensburg-Krimi" mit Katharina Schlothauer: "Das war Liebe auf den zweiten Blick"

Mit dem "Flensburg-Krimi: Der Tote am Strand" feierten Katharina Schlothauer und Eugene Boateng Einstand. Wir verraten, warum sich der Krimi lohnt.

Im "Flensburg-Krimi: Der Tote am Strand", der vor einem Jahr Premiere feierte und am Donnerstag, 24. November, 20.15 Uhr im Ersten wiederholt wird, packen die Macher sehr viel rein. Schon allein die beiden Hauptfiguren stechen mit ihren umfangreichen Biografien hervor: ein schwarzer Ermittler mit Hang zur Spielsucht und eine lesbische Kriminalhauptkommissarin, die vom Leben schwer gebeutelt ist - vor ihren Augen hat sich ein Krimineller erschossen, ihr Vater wurde mit Wahnvorstellungen in die Psychiatrie eingeliefert und ihr Bruder, ebenfalls Polizist, beging, nachdem er mit beschlagnahmten Drogen gedealt hat, Selbstmord.

Überhaupt gibt es in diesem Donnerstag-Abend-Krimi so viele Fälle von Suizid, wie es ansonsten selten der Fall ist.

Darum geht's im "Flensburg-Krimi: Der Tote am Strand"

Svenja Rasmussen (Katharina Schlothauer) schiebt wieder Dienst in Flensburg. Ihr Vater (Uwe Rohde), der mit Wahnvorstellungen in die Psychiatrie eingeliefert wurde, benötigt ihre Unterstützung. Also hat die Kriminalhauptkommissarin ihre Lebensgefährtin in Hamburg zurückgelassen und sich als Elternzeitvertretung in ihren Heimatort versetzen lassen. Dort erwartet sie neben ihrem neuen Partner Antoine Haller (Eugene Boateng) auch ihre Ex-Freundin und ein neuer Chef (Wolfram Grandezka).

Kaum eingetroffen, muss Rasmussen zum ersten Einsatz. Ein Toter wurde an die Flensburger Förde gespült. Wie sich herausstellt, handelt es sich um den Dänen Christian Rommedahl, der mit einem schweren Holzgegenstand erschlagen wurde. Seine Frau Grete Rommedahl (Lise Risom Olsen) hatte ihn bereits als vermisst gemeldet.

Auf dem Handy des Toten finden die Ermittler Fotos der 15-jährigen Lisa Schaaf (Kya-Celina Barucki). Warum hat Rommedahl das Mädchen verfolgt und fotografiert? Lisas Mutter beging vor fünf Jahren Selbstmord, der Vater (Max von Pufendorf) bestreitet Rommedahl zu kennen. Doch ein dunkles Geheimnis verbindet die Familien Rommedahl und Schaaf.

Die Bildergalerie zu "Flensburg-Krimi: Der Tote am Strand" Hintergrund

Katharina Schlothauer war bereits in Christoph Schlingensiefs „The African Twin Towers“ zu sehen. Sie lebte einige Zeit in Chile, bis sie von 2008 bis 2012 ihr Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig absolvierte. Sie arbeitete am Theater und spielte in Filmen wie „Dina Foxx – Tödlicher Kontakt" und „Julia muss sterben" mit. Zudem ist sie in Krimis wie „Tatort“ und „Die Protokollantin“, „Ferdinand von Schirach: Feinde" zu sehen. Zuletzt stand Katharina Schlothauer u. a. in der Hauptrolle für den TV-Film „Behüte mich“ vor der Kamera.

Katharina Schlothauer im Interview mit der ARD

ARD: Warum wollten Sie die Rolle der Hauptkommissarin gern spielen?

Katharina Schlothauer: Ist doch toll, eine Hauptkommissarin spielen zu dürfen! Ich finde es wichtig, dass man Frauen in Hauptrollen in den Fokus rückt. Svenja selbst ist eine wunderbare Rolle. Es war am Anfang nicht leicht, sie zu greifen, das war Liebe auf den zweiten Blick. Aber je mehr ich mich mit der Rolle beschäftigt habe, umso mehr durfte ich entdecken, wie subtil sie ist, wie viel in der Figur steckt. Ich habe mich in sie verliebt und zugesagt.

.... subtil und nicht leicht zu durchschauen.

Svenja ist wie eine Schatzsuche, eine kleine Entdeckungsreise und total spannend für mich. Ich erkannte, wie vielschichtig diese tolle Figur ist. Sie ist sehr feinfühlig, macht viel mit sich im Inneren aus, hat Humor, verbindet sich mit anderen Menschen und kann sich sehr, sehr gut in andere Menschen einfühlen. Sie hat so etwas wie einen sechsten Sinn, ist „psychic“. Sie spürt Dinge auf einer anderen Ebene, dem muss sie unbedingt nachgehen, dafür brennt sie.

Ist sie auch jemand, der gern Verantwortung übernimmt?

Ich denke, sie kämpft mit ihrer Scham, dem Gefühl, in der Vergangenheit versagt zu haben, und sie versucht deshalb z. B. eine Erklärung für den Tod ihres Bruders zu finden, das treibt sie an. Dadurch entsteht dann auch Verantwortung – für ihren Beruf und für die Menschen, die sie umgeben.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil…

Der "Flensburg-Krimi" dürfte auf dem bekannten Krimi-am-Donnerstagabend-Sendeplatz etwas Anlaufschwierigkeiten haben. Schließlich ist er sehr überfrachtet an Hintergrundgeschichten und Problemen, die zunächst auch etwas holprig daherkommen. Trotzdem lohnt es sich, dranzubleiben. Denn je mehr sich die Charaktere entfalten und sich die Biografien entschlüsseln, umso interessanter, ja schon fast sympathischer werden sie: Der Chef, der immer was zu essen in der Hand hat, der Polizist, der mit jedem überall um alles wettet und sein Auto nur im Schneckentempo bewegt und natürlich die Hauptperson - die Kriminalhauptkommissarin, die einerseits sehr tough, aber durch ihre Schicksalsschläge auch sehr mitfühlend sein kann.

Der frische Wind, den die drei mitbringen, dürfte gefallen. Und ein großes Plus ist natürlich die längst überfällige Diversität, die dieser Krimi zeigt. Die Zeiten, in denen nur ältere, weiße Männer ermitteln, sind schließlich längst überholt.

Die Spannung ist auf jeden Fall gesetzt: Was wird in der zweiten Folge noch aufgefahren?

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