Schwere Explosion in Kiosk in Düsseldorf: 19 Verletzte

29 Tage vor

Düsseldorf. Bei einer Explosion in einem Haus in Düsseldorf sind drei Menschen gestorben. Die Ermittlungen der Mordkommission gingen Freitag weiter.

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Eine Mordkommission setzt am Freitag die Ermittlungen fort. Der Fall ist wohl geklärtIn einem Kiosk in Düsseldorf-Flingern ist es in der Nacht zu Donnerstag zu einer Explosion gekommenDrei Menschen sind dabei gestorben, 16 Menschen wurden teils schwerverletztEine der zwei Schwerverletzten schwebt noch in LebensgefahrDie Straßen sind mittlerweile wieder freigegebenBetroffene Rheinbahn-Linien können wieder durch Flingern fahrenGerüchte um eine Verdeckungstat dementierte NRW-Innenminister Herbert ReulAlle drei Todesopfer wurden bereits identifiziertWas wir zur Explosion bislang wissen – und was nicht

Nach der Explosion und dem verheerenden Feuer in einem Wohn- und Geschäftshaus in Düsseldorf mit drei Toten setzt die Polizei ihre Ermittlungen am Freitag fort. Der Fall ist quasi geklärt. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat der Kioskbesitzer selbst den Brand gelegt.

Die drei Verstorbenen konnten identifiziert werden. Es handelte sich um einen 18-Jährigen, einen 48-Jährigen sowie um einen Mann im Alter von 55 Jahren. Nach dem ersten Befund sind der 18-Jährige und der 55-Jährige an den Folgen einer Rauchgasintoxikation gestorben. Sie waren Bewohner des Mehrfamilienhauses.

Bei dem 48 Jahre alten Mann handelte es sich um den Ehemann der Kioskpächterin, welcher den Laden zusammen mit seiner Ehefrau betrieben hat. Zum Zeitpunkt des von mehreren Zeugen beschriebenen lauten Knalls muss er sich an dem im Hausinneren gelegenen Zugang zum Kiosk befunden haben. Rechtsmedizinische Befunde legen nahe, dass er unmittelbar an den Folgen des Explosionsereignisses verstorben ist. Es liegt nahe, dass der Kioskbesitzer selbst den Brand gelegt hat.

Brandort wurde durch viele Spezialisten untersucht

Der Brandort wurde durch mehrere Spezialisten untersucht und umfangreiches Spurenmaterial gesichert. Erste kriminaltechnische und chemische Untersuchungen, u.a. des Brandschutts aus dem Kiosk, haben deutliche Hinweise auf Brandbeschleuniger, in diesem Fall Ottokraftstoff, ergeben. Die Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass die brennbare Flüssigkeit in dem im Erdgeschoss gelegenen Ladenlokal ausgebracht worden ist, was die Entwicklung eines zündfähigen Benzin-Luft-Gemischs zur Folge hatte. Eine Umsetzung eines solch gefährlichen Gemischs geschieht in der Regel explosionsartig mit Freisetzung hoher Energie.

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Die Ermittlungen zu der Tat und den Hintergründen dauern an, „wobei zum jetzigen Stand weder Hinweise auf ein Delikt der politisch motivierten Kriminalität noch auf eine Einwirkung anderer Personen von außen vorliegen“, so die Polizei.

Eine Frau schwebt noch in Lebensgefahr

Die bei dem Ereignis verletzten Menschen werden in Krankenhäusern und teilweise in Spezialkliniken behandelt. Bei einer schwer verletzten Frau besteht nach wie vor akute Lebensgefahr.

Am Freitagmorgen waren die Straßen wieder freigegeben, am Hauseingang der Grafenberger Allee steht ein Grablicht, wie unsere Reporterin berichtet. Einige Trümmerteile gegenüber vom Kiosk und Brandgeruch in direkter Nähe des Hauses deuten noch immer auf das Unglück hin, das sich eine Nacht zuvor ereignet hat.

Explosion in Düsseldorf: Dramatischer Feuerwehreinsatz am Donnerstagmorgen

Die Explosion in dem Kiosk hatte in Düsseldorf für einen dramatischen Großeinsatz der Feuerwehr gesorgt. Passiert war es gegen 2.30 Uhr in der Nacht auf Donnerstag in einem Mehrfamilien- und Geschäftshaus an der Kreuzung Lichtstraße und Grafenberger Allee, sagt Alexander Vieten, Sprecher der Feuerwehr Düsseldorf. Als die Feuerwehr kam, „da brannte der Kiosk schon lichterloh.“ Außer den drei Toten gab es 16 Verletzte, zwei davon schwebten auch am Freitagmorgen noch in Lebensgefahr.

Eines der Todesopfer ist inzwischen identifiziert worden. Es handele sich um einen 55-jährigen Bewohner des Hauses, sagte Staatsanwalt Martin Stücker der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Einer der Toten sei in einer Wohnung entdeckt worden, zwei im Treppenhaus. Alle Toten seien Männer.

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Der Brandgeruch war am Donnerstagmorgen noch mehrere hundert Meter weiter zu riechen, wie unser Reporter vor Ort berichtete, Trümmerteile lagen auf der Straße. Rollos wurden zerschlagen und auf die andere Straßenseite geschleudert, Glassplitter ebenfalls. Der Kiosk ist komplett zerstört, das sechsstöckige Gebäude, in dem sich der Kiosk befindet, ist nicht mehr bewohnbar. Einsturzgefährdet ist das Wohnhaus aber nicht, wie die Düsseldorfer Feuerwehr am Donnerstag mitteilte.

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„Ich dachte, hier ist eine Bombe eingeschlagen“, erzählte ein Anwohner. Er ist in der Nacht von dem riesigen Knall wach geworden. „Dass sowas vor der Haustür passiert, ist der absolute Albtraum“, erklärt er.

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Explosion in Düsseldorfer Kiosk: Gerüchte um Vertuschungstat

Staatsanwalt Martin Stücker machte sich am Donnerstagmorgen selbst ein Bild von der Lage vor Ort. Eine detaillierte Beweislage gebe es noch nicht, sagte er unserem Reporter. „Wir können auch noch nicht sagen, wo genau die drei Toten gefunden wurden.“ Vor Ort kursiert das Gerücht, dass es sich bei dem Brand um eine Vertuschungstat handeln soll, berichtet unser Reporter. Laut eines Berichtes des WDR heißt es aus Feuerwehrkreisen, dass eine Leiche „massive Verletzungen“ aufgewiesen habe, „die nicht vom Brand oder der Explosion“ stammen sollen.

Beamte des Landeskriminalamtes wollten diesen Verdacht am Morgen aber nicht bestätigen. Marcel Fiebig, Pressesprecher der Polizei Düsseldorf, erklärte am Donnerstagvormittag, dass es bisher „keiner Hinweise darauf gibt, dass das Brandgeschehen durch eine Fremdeinwirkung von Außen entstanden ist“.

Ein Trümmerfeld - das Haus und die beschädigten Autos an der Ecke Lichtstraße und Grafenberger Allee in Düsseldorf-Flingern. © NRZ Düsseldorf | Stephan Wappner

„Es war so was wie eine Explosion“, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstagmorgen der dpa. Dies habe zu dem Brand geführt, der dann ganz schnell auch auf Fahrzeuge und das gesamte Gebäude übergegriffen habe. Polizei und Feuerwehr seien schnell vor Ort gewesen. Notfallseelsorger seien im Einsatz. Es gibt demnach noch keine näheren Erkenntnisse, weil die Polizei das Gebäude zunächst wegen möglicher Einsturzgefahr nicht betreten konnte. Die Ursache sei völlig unklar: Momentan gebe es „gar keine Hinweise auf gar nix“, so der NRW-Innenminister.

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Staatsanwalt Martin Stücker wollte eine Fremdeinwirkung von außen hingegen nicht ausschließen. Genaueres müssten nun die Untersuchungen der Sachverständigen ergeben. Die Todesursachen stehen noch nicht definitiv fest, stünden aber vermutlich im Zusammenhang mit dem Brand.

Explosion sorgte für viel Zerstörung: „Detonation, die es in sich hatte“

Eine Anwohnerin, die gegenüber der Haltestelle „Engerstraße“ und des Brandgebäudes wohnt, hat in den frühen Morgenstunden gesehen, wie Anwohner aus dem ersten Stock gesprungen sind, schildert sie unserem Reporter.

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Detlef Melzer wohnt in einem Nachbarhaus an der Grafenberger Allee. Er hat von der Explosion nichts mitbekommen. „Die Feuerwehr hat uns heute Nacht aus dem Bett geklingelt“, erzählt er. Er, seine Nachbarn und die Bewohner von zwei weiteren Häusern wurden in einen nahegelegenen Kindergarten gebracht und versorgt. „Die Feuerwehr hat das super organisiert“, lobt Melzer.

Hans Jordans hat das ganze Ausmaß der Explosion erst heute Morgen gesehen. „Heute Nacht haben die Scheiben gewackelt. Ich dachte, irgendetwas ist mit einem Stromkabel.“ Er wohnt im gegenüberliegenden Haus. „Traurig, traurig“, sagt der Düsseldorfer darüber, dass es drei Todesopfer gibt. Er kennt den Besitzer des Kiosks, hat dort häufiger eingekauft.

„Das ist eine Detonation, die es in sich hatte“, sagt auch ein Mitarbeiter der Kriminaltechnischen Untersuchung (KTU). Schließlich seien noch Autos auf der anderen Straßenseite von der Detonation ergriffen worden.

Ursache der Kiosk-Explosion ist noch unklar

Einen dramatischen Großeinsatz hatte die Feuerwehr Düsseldorf in der Nacht: In einem Kiosk eines Mehrfamilien- und Geschäftshaus in Flingern hat es eine Explosion gegeben. © Patrick Schüller | Patrick Schüller

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Alle Verletzten sind in Krankenhäuser gebracht worden. Das betroffene Haus ist nicht mehr bewohnbar. Auch 70 Bewohner von angrenzenden Gebäuden mussten ihre Wohnungen verlassen müssen. Die Stadt Düsseldorf hat für die Bewohner eine Notunterkunft in einem nahegelegenen Kindergarten eingerichtet.

Die Nachbarhäuser sind aber erstem Anschein nach nicht beschädigt. Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller machte sich am Donnerstagvormittag vor Ort ein Bild von der Lage und verspricht Hilfe für alle betroffenen Anwohner: „Die Stadt Düsseldorf bedankt sich bei dem Einsatz der Feuerwehr Düsseldorf und wird all denjenigen, die unsere Unterstützung benötigen, zur Seite stehen.“

Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (links) machte sich am Donnerstagvormittag ein Bild von der katastrophalen Lage an der Lichtstraße in Flingern. © NRZ Düsseldorf | Stephan Wappner

Feuerwehr mit bis zu 100 Kräften im Einsatz

Am frühen Morgen war die Feuerwehr noch mit Nachlöscharbeiten beschäftigt. Mittlerweile ist der Feuerwehreinsatz in Flingern beendet. Rund neun Stunden waren die in der Spitze etwa 100 Kräfte nach Angaben der Feuerwehr im Einsatz. Über die Höhe des Sachschadens können noch keine Angaben getroffen werden, teilte die Feuerwehr Düsseldorf am Nachmittag mit. Nach derzeitigem Stand haben sich Menschen zum Zeitpunkt der Explosion nicht in dem Ladenlokal aufgehalten, so ein Feuerwehrsprecher.

Bis zum Nachmittag liefen vor dem Brandgebäude die Aufräumarbeiten. Autowracks, die von Trümmern erfasst wurden, oder in Flammen aufgegangen sind, wurden abgeschleppt. Außerdem mussten Trümmerteile von der Fahrbahn und dem Gehweg beseitigt werden. Der Bereich wurde rund um die Lichtstraße und die Grafenberger Allee großräumig abgesperrt.

Vor dem betroffenen Haus fahren normalerweise auch mehrere Linien der Rheinbahn. Der Betrieb wurde in der Nacht zu Donnerstag eingestellt. Erst am Donnerstagabend konnte die Rheinbahn vermelden, dass alle Bahnen wieder fahren. Betroffen waren die Linien U72, U73, U83 und 709. (mit dpa)

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