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Elon Musk, der Joker-Kapitalist

Der Tesla-Chef ist ein unberechenbarer Witzbold. Die Behörden sollten ihn entsprechend behandeln.

Berlin - Elon Musk ist ein großer Entertainer. Am morgigen Sonnabend tritt der Tesla-Chef als offizieller Host der amerikanischen Comedy-Sendung „Saturday Night Live“ auf. Auf Twitter teilte er letzte Woche ein Paar Ideen für Comedy-Skizzen mit seinen 52,3 Millionen Followern. „Irony-Man – besiegt Bösewichte mit der Kraft der Ironie“ kasperte er. Dafür erntete er 82.000 Likes, eine Zahl, von der deutsche Führungskräfte und Politiker nur träumen können.

Mal postet Musk ein Video von seiner SpaceX-Crew im Internationalen Weltraumstation, mal so was: „Wenn wir das Leben multiplanetarisch gestalten, könnte der Tag kommen, an dem einige Pflanzen und Tiere auf der Erde aussterben, aber auf dem Mars noch am Leben sind.“ Oder einfach zufällige Gedanken: „Was ist die Schönheit?“ Wieder zu viel Zeug geraucht, Elon? War da nicht was mit einer Autofabrik in Brandenburg?

Doch, da war was. Letzte Woche hat die ZDF-Sendung „Frontal 21“ ein Paar problematische Tatsachen ausgegraben. Tesla hat illegal Abwasserohre gelegt – bis das Brandenburger Umweltamt das gemerkt hat, den Baustopp verordnet und dann zügig eine provisorische Baugenehmigung erteilt hat. Es darf weiter gebuddelt werden. Pillepalle im Vergleich zu dem, was als nächstes kam: Tesla hat seinen noch nicht genehmigten Hauptbauantrag für die Autofabrik ergänzt – um einen Bauantrag für die Batteriefabrik, die direkt daneben stehen soll. Es wurde sofort klar, dass neue Unterlagen vom Amt geprüft werden müssen. Und dass das Publikum und Umweltverbände erneut die Akten einsehen können. Das wird Monate dauern. Tesla wird nicht, wie angekündigt, im Juli mit der Produktion anfangen. 

Man könnte sagen: Selber schuld, Elon. Deine Anwälte wissen genau, wie die Verwaltung tickt. Natürlich wussten sie, dass es insgesamt viel länger dauert, wenn man die Anträge bündelt. Musk weiß genau, was er tut. Er kann das Umweltamt für die Verzögerung die Schuld geben – und weiterhin pokern, spielen, ablenken. Das Ziel, die Fabrik im Juli zu öffnen, war wahrscheinlich aus der Luft gegriffen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und um Druck auszuüben.

Der Aktienpreis von Tesla ist in den letzten drei Jahren um 1000 Prozent gestiegen. Irrational hoch, könnte man argumentieren. Die Firma ist derzeit rund 544 Milliarden Euro wert, mehr als doppelt so viel wie Daimler, VW und BMW zusammen. Dank dieser Unmengen an Geld hat Musk auch sehr viel Freiraum. Wenn die Eröffnung in Grünheide sich um sechs Monate verzögert, kann er entspannt bleiben.

Wie schafft Musk das? Er schafft es durch Twitter-Witze, durch Comedy-Auftritte, durch seine Mars-Fantasien. Seine treuen Anhänger lieben ihn und zeigen ihre Liebe mit dem Geld, das sie in Tesla-Aktien investieren.

Mit Amazon, dieser andere US-Riese, der alles ständig aufrütteln will und der die Arbeiter und Gewerkschaften ständig unter Druck setzt, hatte Deutschland schon viel zu tun. Aber mit dem Joker-Kapitalisten Musk, für den seine Dauerpräsenz in den Medien ein Riesenteil seines Business-Models ist, hat Deutschland wenig Erfahrung.

Als Musk die Baustelle in Grünheide einmal besucht hat, hat ihn ein Reporter wegen der Grundwasserproblematik angesprochen. „Hier gibt’s genug Wasser, hier wachsen viele Bäume“, sagte er grinsend. Ein ernstes Anliegen mit einem doofen Witz abweisen, das werden wir öfter hören. Die Brandenburger Beamten sollen sich selber eine ganz spezielle Strategie für diesen ganz speziellen Investor ausdenken. Mein Vorschlag: Musk selber frech begegnen. Nicht alles einfach hinnehmen. Eine glaubwürdige Lösung für das Wasserproblem verlangen. Die Gigafactory in Grünheide ist jetzt „too big to fail“ – für beide Seiten.

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