DFB-Kader: "Es war uns wichtig, nichts zu inszenieren"

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Ein Bäcker war dabei, ein Altenpfleger, Nina Chuba. Die deutschen EM-Spieler wurden in den vergangenen Tagen von den unterschiedlichsten Menschen verkündet. Warum?

16. Mai 2024, 12:32 Uhr

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Mit einem Aufkleber auf ihren Brötchentüten hatte die Bäckerei Seeger die Nominierung von Chris Führich bekanntgegeben. "Etwas Ausgefalleneres" sollte es zur Heim-EM sein, erklärt DFB-Sprecherin Franziska Wülle. © Sebastian Gollnow; Christoph Schmidt/​dpa

Seit mehreren Tagen tröpfeln die Informationen, wer denn nun für Deutschland zur EM fährt, aus vielen verschiedenen Quellen in die Öffentlichkeit, jüngst verkündete etwa die Sängerin Nina Chuba während eines Konzerts den Namen von Florian Wirtz. Ungewöhnlich für den DFB. Franziska Wülle, die Pressesprecherin der Nationalelf, erklärt die Aktion.

ZEIT ONLINE: Frau Wülle, nicht Julian Nagelsmann hat die Nominierung von Nationalspieler Chris Führich bekannt gegeben, sondern die Bäckerei Seeger in Nagold bei Stuttgart. Mehrere Tage vor der offiziellen Pressekonferenz. Warum?

Franziska Wülle: Zur Weltmeisterschaft in Katar hatten wir den Kader ganz bewusst in sehr reduziertem Rahmen vorgestellt. Schon damals war uns klar, dass wir zur Heim-EM etwas Ausgefalleneres machen wollen. Unsere Idee war es, das ganze Land einzubeziehen. Deutschland sollte den EM-Kader nominieren. Dabei wollten wir einen Querschnitt der Gesellschaft abbilden. Von der Bäckerei, über die Müllabfuhr bis hin zu prominenten Gesichtern.

ZEIT ONLINE: Wie hat der Bundestrainer darauf reagiert, als Sie ihm von der Idee erzählt haben?

Wülle: Wir haben das Konzept Julian Nagelsmann und unserem Sportdirektor Rudi Völler im Februar vorgestellt. Uns war natürlich klar, dass wir das Projekt nur mit dem Bundestrainer umsetzen können. Wenn die sportliche Leitung so etwas nicht mitträgt, funktioniert das nicht. Die beiden haben schon Nachfragen gestellt, aber wir konnten sie schnell für das Konzept gewinnen.

ZEIT ONLINE: Haben die Spieler erst über die Leaks von ihrer Nominierung erfahren?

Wülle: Nein. Die Informationshoheit lag natürlich weiterhin beim Bundestrainer. Er hat jeden Spieler informiert, auch diejenigen, die es nicht in den Kader geschafft haben.  

ZEIT ONLINE: Was haben die Spieler gesagt, als Sie ihnen von der ungewöhnlichen Verkündungspraxis erzählt haben?

Wülle: Ich habe jeden Spieler angerufen oder ihm eine Nachricht per Whatsapp geschrieben. Niclas Füllkrug hat zum Beispiel mit dem Radiosender 1Live gedreht, diese Aktion brauchte etwas mehr Vorlauf. Die Rückmeldungen waren sehr positiv. Jeder Spieler wusste vorher, über welchen Kanal seine Nominierung geleakt wird.

ZEIT ONLINE: Gab es Proteste?

Wülle: Nein. Aber wenn sich jemand unwohl gefühlt hätte, hätten wir seinen Leak natürlich nicht veröffentlicht.

ZEIT ONLINE: Wie haben Sie die Influencer, Unternehmen und Medien ausgewählt?

Wülle: Uns war wichtig, einen guten Mix zu finden. Berühmte Persönlichkeiten wie Günther Jauch, aber auch Menschen, die für Deutschland typische oder wichtige Berufe ausüben. Bei einigen Spielern war schon absehbar, dass sie wahrscheinlich nominiert werden würden. In diesen Fällen haben wir versucht, eine persönliche Verbindung herzustellen. Wir wussten zum Beispiel, dass Joshua Kimmich Fan von Gute Zeiten, Schlechte Zeiten ist. Oder dass Antonio Rüdigers Lieblingsdöner Hisar Fresh Food in Berlin ist.

ZEIT ONLINE: Wann haben Sie die Leute kontaktiert?

Wülle: Ab Anfang April, aber die Ideen haben wir schon im Januar gesammelt.

ZEIT ONLINE: Wie haben die Angeschriebenen reagiert? Die dürften ja durchaus überrascht davon gewesen sein, dass sich der DFB meldet und fragt, ob man nicht einen Spieler nominieren wolle.

Wülle: Unterschiedlich. Wenn es einen persönlichen Bezug gab, wie bei Antonio Rüdiger, dann waren alle meist sehr schnell dabei. Als wir den Besitzer der Dönerbude in Berlin angefragt haben, hat er sofort eine Geschichte erzählt. Dass Antonio früher als Kind regelmäßig bei ihm vorbeigekommen ist und einen Döner gegessen hat.

ZEIT ONLINE: Gab es auch Absagen?

Wülle: Ja, aber zu Namen und Begründungen wollen wir uns öffentlich nicht äußern.

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