Deutsche WM-Pleite gegen Japan: Schon wieder am Boden

Die deutsche Nationalmannschaft glänzte gestenreich vor dem Anpfiff – und erlebte dann gegen Japan ein Debakel. Nun droht das WM-Aus, weil viele Torchancen ...

Aus der Bundesliga geschlagen: »Wir brauchen gegen Deutschland drei Punkte« , hatte Daichi Kamada im Vorfeld der WM 2022 gesagt. Der Mittelfeldspieler ist einer von acht Bundesligaprofis im japanischen Kader. Nach dem ersten Gruppenspiel wissen deutsche Fans und Nationalspieler, wie viel Selbstbewusstsein in dieser Aussage steckte. Passend dazu waren es mit Ritsu Dōan und Takuma Asano zwei der in Deutschland tätigen Profis, die die entscheidenden Treffer erzielten. Der Freiburger Dōan staubte nach einer von Manuel Neuer abgewehrten Flanke ab (76. Minute), Bochums Asano nutzte den zu zögerlichen Einsatz von Nico Schlotterbeck zu einem Tor aus spitzem Winkel (83.). Zuvor hatte Niklas Süle das Abseits von Asano durch schlechtes Stellungsspiel aufgehoben.

Das Ergebnis: Japan schlägt Deutschland 2:1 (0:1). Damit steht das DFB-Team in der Gruppe E extrem unter Druck, im zweiten Spiel geht es gegen die favorisierten Spanier. Hier geht es zum Spielbericht.

Ganz zu schweigen von der Binde: In den ersten WM-Tagen hat der Fußball – das ist dieser Sport, um den es bei einer Weltmeisterschaft eigentlich gehen sollte – nur eine untergeordnete Rolle. »One Love«-Kapitänsbinde, angedrohte Sanktionen der Fifa, ganz allgemein die Rolle von Politik im Sport. Vonseiten des DFB war in den Stunden vor dem Anpfiff eine Protestaktion der Spieler angedeutet worden, Bundestrainer Hansi Flick sagte in der ARD beckenbaueresk: »Schau’n mer mal.« Beim Mannschaftsfoto hielten sich die Spieler eine Hand vor den Mund – schweigender Protest gegen das Bindenverbot des Weltverbands um Präsident Gianni Infantino.

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Süle und Schlotterbeck machen es wie beim BVB: Leroy Sané verpasste das erste Gruppenspiel, das stand im Vorfeld fest. Ansonsten gab es ein paar Fragezeichen bezüglich der Startelf. Flick entschied sich für Niklas Süle von Borussia Dortmund als Rechts- und Teamkollege Nico Schlotterbeck als Innenverteidiger. Das BVB-Duo kam nicht in bester Form ins WM-Lager – und bestätigte dies beim japanischen Siegtreffer. Im Mittelfeldzentrum erhielt İlkay Gündoğan den Vorzug vor Leon Goretzka und der angeschlagen ins Turnier gegangene Thomas Müller ersetzte Sané.

Die Anfangsphase: Nach zehn Minuten schaute sich Joshua Kimmich um, suchte schweigend den Blick seiner Mitspieler und schien sagen zu wollen: »Mehr Bewegung, wir haben im Mittelfeld keine Zeit.« Die Taktik der Japaner war so klar wie erwartbar. Die Samurai Blue machten die Räume im Zentrum sehr eng, störten den Spielaufbau mit aggressiver Zweikampfführung und lauerten auf Konter. Das hätte nach acht Minuten zum Erfolg führen können, Daizen Maeda stand bei seinem erfolgreichen Torabschluss jedoch im Abseits. Nach einer Viertelstunde lösten sich Kimmichs Fragezeichen zusehends auf.

Der Anfang vom Ende: Ritsu Doan trifft zum 1:1

Der Anfang vom Ende: Ritsu Doan trifft zum 1:1

Foto:

KAI PFAFFENBACH / REUTERS

Asymmetrisch zur Führung: Die Leistung der DFB-Elf wurde zielstrebiger, weil das Passtempo erhöht wurde – und weil Flicks Plan mit zunehmender Spieldauer immer besser aufging. Während Süle auf der rechten Seite meist auf Höhe der Innenverteidiger Schlotterbeck und Antonio Rüdiger blieb, rückte Linksverteidiger David Raum sehr hoch in die japanische Hälfte. Der Bundestrainer ist ein Fan dieser asymmetrischen Anordnung, aus der auch der Führungstreffer fiel. Kimmich fand mit einem Chipball Raum tief im Sechzehner, der Leipziger nahm den Ball zwar eher schlecht an, wurde in der Rückwärtsbewegung jedoch von Torhüter Shūichi Gonda gefoult. Gündoğan verwandelte den anschließenden Elfmeter sicher (33.).

Dominanz mit Makel: 81 Prozent Ballbesitz, 14:1-Torschüsse, nur 62 angekommene japanische Pässe – Deutschland ging mit einer verdienten Führung in die Pause. In der Nachspielzeit jubelten die deutschen Fans im Chalifa-International-Stadion ein zweites Mal, allerdings stand auch Kai Havertz beim Querpass von Serge Gnabry im Abseits. Zuvor hatten schon Rüdiger (17.), der starke Youngster Jamal Musiala (21.), Gündoğan (28.) und Raum (29.) gute Gelegenheiten vergeben. In der Nachspielzeit rauschte allerdings auch ein Kopfball von Maeda knapp am rechten Pfosten vorbei. Ein 1:0 ist auch bei einer WM eine knappe Führung, frag nach bei Argentinien und Lionel Messi .

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Der Treffer will nicht fallen: Der deutsche Chancenwucher ging in der zweiten Hälfte weiter. Nach einem fulminanten Sololauf setzte Musiala den Schuss deutlich über das Tor (51.). Gündoğan traf aus 17 Metern den Pfosten, ein Anspiel auf den freien Gnabry wäre wohl besser gewesen (60.). In der 70. Minute gab es gar drei Chancen am Stück, doch Japans Keeper Gonda – ansonsten nicht immer mit dem sichersten Eindruck – war dreimal zur Stelle. Spätestens jetzt hätte das DFB-Team den zweiten Treffer gebraucht, denn in dieser Phase kam Japan immer stärker auf.

Defensive Probleme: Die Japaner hatten in der Pause auf eine Dreierkette in der Abwehr umgestellt, bekamen so mehr Zugriff im Mittelfeld. Das mag den Erfolg erst möglich gemacht haben. Doch der Anteil der deutschen Mannschaft ist viel größer. Auf die schlechte Chancenverwertung folgten viele Aussetzer in der Abwehr, ein Thema, das das DFB-Team schon lange begleitet. »Das darf nicht passieren«, sagte Gündoğan nach Schlusspfiff in der ARD. Der Torschütze ging in seiner Kritik noch weiter: »Das zweite Tor – ich weiß nicht, ob es je ein einfacheres Tor bei der WM gab.«

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