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#MeToo im Deutschrap: Bushido räumt Belästigungsvorwürfe ein

Ein kürzlich veröffentlichtes Video zeigt, wie Bushido vor rund 16 Jahren eine mutmaßlich Minderjährige sexuell bedrängt. Der Rapper bestätigt die Echtheit der Aufnahme – und bittet um Entschuldigung.

Im Zuge der aktuellen #MeToo-Debatte in der deutschen Rap-Szene wurde nun auch der Musiker Bushido, 42, von der Vergangenheit eingeholt. In einem älteren Video, das am Samstagabend veröffentlicht wurde, ist zu sehen, wie der damals 26-jährige Rapper ein möglicherweise minderjähriges Mädchen unter Druck setzt und sexuell bedrängt.

Anis Ferchichi, wie Bushido mit bürgerlichem Namen heißt, hockt in dem Video mit freiem Oberkörper vor einer jungen Frau, die auf seinem Bett sitzt. Mehrfach sagt sie, sie wisse nicht, was sie jetzt machen wolle. Bushido entgegnet: »Willst du dich anziehen und gehen? Wohin willst du denn gehen? Draußen in den Wald?« Dann versucht er sie zu einer Entscheidung zu drängen, augenscheinlich geht es um Sex. »Ich hab keinen Bock, hier wach zu sein und wie so ein Idiot vor meinem Bett zu hocken«, sagt Bushido.

Als das Mädchen weiterhin zögert, gibt sich der Rapper beleidigt: »Du tust gerade so, als wärst du bei irgendwelchen Neandertalern in der Höhle«, sagt er. Dabei wird deutlich, dass Bushido Zweifel an der Volljährigkeit der Frau hat. »Ich bin acht Jahre älter als du, wenn du überhaupt 18 bist«, so der Rapper. Später sagt er, er sei »locker elf Jahre älter«, eine Äußerung, die nahelegt, dass das Mädchen womöglich erst 15 Jahre alt ist.

Bushido bittet um Entschuldigung

Mittlerweile hat der Rapper in einer 28-minütigen Erklärung bei Instagram die Echtheit des Videos eingeräumt und sich für sein Verhalten gegenüber Frauen entschuldigt. Der Clip zeige, wie er in einem Hotelzimmer ein Mädchen verbal sexuell bedrängt habe, räumte Bushido ein: »Ja, das, was dort gezeigt wurde, ist tatsächlich passiert.«

Bei seinem damaligen Lebensstil und »Rapstyle« hätten Konzerte und »Mädels abschleppen« dazugehört. Die Art und Weise, wie man damals mit Mädchen, mit Frauen umgegangen sei, sei aber absolut nicht in Ordnung gewesen. »Ich möchte mich an dieser Stelle nicht nur, aber vor allem bei diesem Mädchen entschuldigen«, sagte er. Es sei ausschließlich sein Fehler und seine Schuld gewesen, was dem Mädchen »im Hotelzimmer verbal angetan wurde«, er übernehme dafür die alleinige Verantwortung.

Inzwischen hoffe er als älterer Mensch und Vater von Kindern, dass seine Töchter »nicht solchen Menschen über den Weg laufen wie mir, wie ich damals gewesen bin«, sagte Bushido. Er habe auch seine Ehefrau lange Zeit nicht respektiert, was ihm sehr leidtue.

Die Identität des Opfers, das auf dem Video verpixelt gezeigt wird, ist nicht bekannt. Unklar ist außerdem, wer sich zu dem Zeitpunkt mit Bushido im Raum befand und wer das Video erstellt hat.

#MeToo-Debatte erschüttert die Deutschrap-Szene

Die Aufnahme aus dem Hotelzimmer wurde von dem Rapper Cashmo ins Netz gestellt, der die Veröffentlichung wie ein Event inszenierte. In den Tagen zuvor hatte er versprochen, einen »Sündenbock« zu entlarven, sobald er 100.000 Follower auf Instagram habe. Als die Marke erreicht wurde, kommentierte er das »Enthüllungsvideo« live vor der Kamera.

Achim Welsch, so der bürgerliche Name des Rappers, reagierte damit auch auf die Missbrauchsvorwürfe gegen den Rapper Samra, die die Szene in den vergangenen Tagen erschüttert hatten. Die Youtuberin und Influencerin Nika Irani hatte Samra beschuldigt, sie in einem Tonstudio bedrängt und vergewaltigt zu haben. In der Folge schilderten zahlreiche Frauen unter dem Hashtag #deutschrapmetoo ähnliche Erlebnisse mit bekannten Musikern. Samra selbst bestreitet die Vorwürfe und will gerichtlich gegen die Anschuldigungen vorgehen.

Cashmo hatte den unter Druck geratenen Samra verteidigt und angekündigt, gegen die »wahren Täter« in den »Krieg ziehen« zu wollen. Bushido, der sein früheres Verhalten verurteilt, zweifelt deshalb an den Absichten seiner Rap-Kollegen. Den Beteiligten gehe es nicht um das Mädchen oder den Umgang mit Frauen. »Ihr habt kein Interesse daran, das Problem im Deutschrap zu ändern«, sagt er in seinem Entschuldigungsvideo. Das Problem gebe es, seit es Rap gebe, »und euch lag da nichts dran«.

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