Elefanten für Deutschland: Kurioses Geschenk aus Botswana ...

8 Tage vor

Umweltministerin Lemke will die Einfuhr von Jagdtrophäen verbieten. Botswanas Präsident reagierte prompt und möchte Deutschland 20.000 Elefanten schicken. Wäre deren Haltung in Brandenburg umsetzbar?

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Foto moz.de

03. April 2024, 11:00 Uhr

Frankfurt (Oder)

Der botswanische Präsident Masisi bietet Deutschland 20.000 Elefanten an. Wäre die Haltung in Brandenburg möglich? © Foto: Simone Spohr/dpa

Elefanten in freier Wildbahn? Das möchte Botswanas Präsident Mokgweetsi Masisi nun für Deutschland. Was ist passiert? Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) will die Einfuhr von Jagd-Trophäen verbieten. In Botswana kam das gar nicht gut an.

„Wenn die Grünen alles besser wissen, sollen sie und Lemke zeigen, wie man ohne Jagd, mit Elefanten zusammenlebt“, sagte Masis, Präsident von Botswana, der „Bild“ und möchte Deutschland 20.000 wilde Elefanten schicken. „Das ist kein Scherz“. Wohin mit den Tieren, wenn sie wirklich kommen? Ist deren Haltung in Brandenburg erlaubt?

20.000 Elefanten für Deutschland? Experte hat seine Zweifel

Sonni Frankello ist Eigentümer des Elefantenhofes in Platschow, Mecklenburg-Vorpommern. Sein Gelände grenzt direkt an Brandenburg. „Wenn die Elefanten wollen, können sie mit ihren Rüsseln Wasser nach Brandenburg spritzen“, sagt er. Über die Nachricht mit dem tierischen Neuzugang habe er gelacht, würde sogar selbst welche aufnehmen, falls es dazu kommen sollte, sagt er mit einem Lächeln.

Dass die 20.000 Elefanten in Deutschland überleben würden, halte er für unrealistisch. Die feuchte Kälte im Winter wäre für viele der Dickhäuter zu belastend. „In Afrika gehen die Temperaturen ja auch unter null. Die Kälte dort ist aber trocken“, sagt der Fachmann.

Elefanten sind „allgemein ganz friedliche Tiere“

Dabei seien die riesigen Pflanzenfresser Überlebenskünstler und ziemlich schlau, wie Fankello mitteilt. „Sie riechen bis zu 15 Kilometer weit und können sich sehr gut orientieren“, sagt er. Würden die grauen Riesen in freier Wildbahn einfach ausgesetzt werden, würden sie als erstes größere Städte ansteuern und alles fressen, was ihnen in den Weg käme.

Eine Fensterscheibe, durch welche ein Teller Obst zu sehen sei, wäre für Elefanten kein Hindernis, wie Frankello erklärt. Eine direkte Bedrohung seien Elefanten aber nicht, solange ihre Privatsphäre respektiert wird. „Sie sind allgemein ganz friedliche Tiere.“

Fühlen sie sich dennoch einmal bedroht, nutzen sie Scheinangriffe, um Feinde fernzuhalten, führt Frankello fort. Elefanten würden in Gruppen leben und ihre Familie beschützen.

Sonni Frankello kennt die Tiere sehr gut. Er ist in einer Zirkusfamilie groß geworden. Bereits seine Urgroßeltern hatten Elefanten – ein Familiengeschäft über Generationen. Während Kinder in jungen Jahren für gewöhnlich mit Hamster, Katze oder Hund aufwachsen, hatte Frankello mit 15 Jahren seinen ersten Elefanten. „Ich lebe nicht für sie, sondern mit ihnen“, sagt er. Mittlerweile ist der Elefanten-Flüsterer über 60 Jahre alt.

Botswana verzeichnet Überpopulation von Elefanten

Den Ärger in Botswana kann er übrigens verstehen. Einige Regionen, wie Botswana, würden eine Überpopulation an Elefanten verzeichnen. „Dort gibt es ein großes Fluss-Delta. Und wenn Dürre herrscht, gehen sie eben dorthin, wo es Wasser gibt“, sagt Frankello.

Auch wenn er das Jagen grundsätzlich ablehne, habe die Jagd auf Elefanten in vielen Ländern eine wichtige Bedeutung. Sie bringt nämlich Geld ins Land und fördert den Tourismus. „Wenn keine Jäger kommen, würde man die Tiere einfach vergiften“, verdeutlicht der Elefanten-Experte. Das wäre eine noch größere Katastrophe.

Laut „Bild“-Bericht hat Botswana inzwischen mehr als 130.000 Elefanten. 8000 Tiere habe man bereits an Angola verschenkt, Mosambik müsste sein Kontingent noch abholen. „Und genauso möchten wir ein solches Angebot hiermit der Bundesrepublik Deutschland machen. Wir akzeptieren kein Nein“, betont Masisi.

Elefanten in Deutschland: Private Haltung kaum möglich

Eine private Haltung von Elefanten in Deutschland halte er allerdings für unrealistisch, sagt Frankello. Theoretisch sei sie aber machbar. Es gelten strenge Vorschriften, die in der Tierschutzverordnung verankert sind. „Das ist auch gut so“, betont er. Nicht jeder solle sich einen Elefanten anschaffen können, sie brauchen viel Platz und müssen sich sozialisieren können.

„Die Mindestgehegegröße beträgt 2000 Quadratmeter“, so steht es in der Haltungsordnung für Säugetiere des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Frankello ergänzt: „Man braucht auch einen warmen Unterschlupf für den Winter, Pflegewissen und ein spezielles Gutachten für die Haltung von Säugetieren“.

Der Vorgang von der Beantragung bis zur Genehmigung der Haltung sei ein langer und kostenintensiver Prozess, wie er aus eigener Erfahrung sagen kann. Zudem würden die grauen Riesen über 60 Jahre alt. „Eine Elefantenhaltung läuft über Generationen. Man kann die Tiere nicht einfach im Tierheim abgeben“, erklärt Frankello.

Im Elefantenhof von Sonni Frankello leben acht Elefanten. Damit die Tiere so artgerecht wie möglich gehalten werden, gibt der Chef ihnen Aufgaben. „Manchmal verstecke ich das Futter oder bringe sie für einen Marsch in den Wald“, sagt er.

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