Ukraine-Krieg im Liveticker: Deutschland wollte laut Boris Johnson schnelle Aufgabe der Ukraine

Die Ukraine wird immer wieder aufs Neue von russischen Raketenangriffen erschüttert. Zudem gibt es schwere Kämpfe im Osten des Landes.

Ukraine - Die Menschen in der Ukraine zählen jeden Kriegstag. Am Donnerstag ist eine bittere Marke erreicht: Vor genau neun Monaten marschierte Russland in das Nachbarland ein.

"Stop Minen" heißt es auf einem Warnschild in ukrainischer und russischer Sprache unweit der Hauptstadt Kiew. "Stop Minen" heißt es auf einem Warnschild in ukrainischer und russischer Sprache unweit der Hauptstadt Kiew.  © Genya SAVILOV / AFP

Am Donnerstag dauert der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine genau neun Monate: Russische Truppen waren am 24. Februar in das Nachbarland einmarschiert.

Russland schoss am Mittwoch etwa 70 Raketen sowie Drohnen auf die Ukraine ab. Zwar wurden nach Luftwaffenangaben 51 Raketen und 5 Drohnen abgefangen. Doch die übrigen Geschosse töteten zehn Menschen und richteten zum wiederholten Mal schwere Schäden am Stromnetz der Ukraine an. Die Kernkraftwerke des Landes schalteten sich ab, die meisten Wärme- und Wasserkraftwerke fielen aus, wie das Energieministerium mitteilte. Es kam zu großflächigen Blackouts.

In der Hauptstadt Kiew mit ihren drei Millionen Einwohnern waren nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko (51) 80 Prozent der Haushalte ohne Strom und Wasser.

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Russland werde das militärische Potenzial der Ukraine weiter dezimieren, bis Kiew eine "realistische Haltung" zu Verhandlungen einnehme, sagte der Moskauer UN-Botschafter Wassili Nebensja im Sicherheitsrat.

Bundeskanzler Scholz sagte zu den Angriffen, der russische Präsident Wladimir Putin zeige einmal mehr, wie rücksichtslos und erbarmungslos er in diesen Krieg vorgehe. "Ein Krieg, den er auf dem Schlachtfeld gar nicht mehr gewinnen kann, so viel scheint klar." Er forderte Putin auf, seine Truppen abzuziehen und in Friedensgespräche mit der Ukraine einzuwilligen.

Polen änderte am Mittwoch seine Haltung zu dem Berliner Vorschlag einer gemeinsamen Verteidigung des Luftraums an der Nato-Ostgrenze. Deutsche Patriot-Flugabwehrsysteme sollten nicht wie geplant in Polen, sondern im Westen der Ukraine stationiert werden, schrieb Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak auf Twitter.

Alle aktuellen Entwicklungen in der Ukraine und rund um den Krieg findet Ihr hier in unserem TAG24-Liveticker.

24. November, 13.10 Uhr: Russland will Schutzzone um AKW Saporischschja - aber nicht abziehen

Die russische Atombehörde Rosatom hat sich für die Einrichtung einer Schutzzone um das besetzte Kernkraftwerk Saporischschja im Süden der Ukraine ausgesprochen - allerdings zu Moskauer Bedingungen.

"Wir glauben daran, wir brauchen sie, die Parameter sind klar und ein Gespräch mit Rafael Grossi (Chef der Internationalen Atombehörde IAEA) gab es", sagte Behördenchef Alexej Lichatschow am Donnerstag der Nachrichtenagentur Interfax zufolge.

Lichatschow gab auch an, wie er sich die Schutzzone vorstelle: Demnach dürfe die Ukraine das Gelände weder beschießen noch versuchen, es zurückzuerobern. "Im Gegenzug, das ist klar, stationiert Russland dort keine Angriffswaffen und -kräfte, sondern nutzt nur Mittel zum physischen Schutz und der Bewachung der Anlage", sagte Lichatschow.

Zugleich teilte der Rosatom-Direktor mit, alle elektrischen Leitungen um die Nuklearanlage herum seien beschädigt. Das Herunterfahren des Reaktors in den Kaltzustand biete nur "relative Sicherheit", warnte er.

Russland will eine Schutzzone um das bedrohte AKW Saporischschja. Diese, so schlägt es der russische Atom-Boss Alexej Lichatschow vor, darf dann nicht von der ukrainischen Armee angegriffen werden. Im Gegenzug wolle man verzichten dort "Angriffswaffen" zu stationieren. Russland will eine Schutzzone um das bedrohte AKW Saporischschja. Diese, so schlägt es der russische Atom-Boss Alexej Lichatschow vor, darf dann nicht von der ukrainischen Armee angegriffen werden. Im Gegenzug wolle man verzichten dort "Angriffswaffen" zu stationieren.  © Leo Correa/AP/dpa 24. November, 12.10 Uhr: Kiew begrüßt Polen-Vorstoß für deutsche Luftabwehr in der Ukraine

Die Militärführung in Kiew hat sich für den polnischen Vorschlag ausgesprochen, die von Berlin angebotenen Luftabwehrsysteme vom Typ Patriot in der Ukraine zu stationieren.

"Warum sollten sie in Polen stehen? Man kann sie im westlichen Teil der Ukraine aufstellen", sagte Luftwaffensprecher Jurij Ihnat am Donnerstag im Fernsehen. Damit würde Europa seinen Luftraum schon im Vorfeld schützen, argumentierte der ranghohe ukrainische Militärvertreter.

24. November, 11.16 Uhr: Polens Regierungschef: Deutsche Luftabwehr in die Ukraine verlegen

Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki hat sich auch dafür ausgesprochen, die von Deutschland angebotenen Flugabwehrsysteme direkt in der Ukraine zu stationieren.

Dies sei ein guter Vorschlag, um zugleich "das westliche ukrainisch-polnische Grenzgebiet und das östliche polnisch-ukrainische Grenzgebiet" zu schützen, sagte Morawiecki am Donnerstag in Warschau. Zuvor hatte Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak am Mittwochabend die Verlegung in die Ukraine angeregt.

24. November, 8.29 Uhr: Russland verlegt Luftlandetruppen in den Donbass

Russland hat nach britischer Einschätzung große Teile seiner Luftlandeeinheiten (WDW) in die Ostukraine verlegt.

Potenzielle Einsatzgebiete seien die Verteidigungsstellungen in der Gegend um die Städte Swatowe und Kreminna im Gebiet Luhansk oder auch bei der andauernden russischen Offensive gegen die Stadt Bachmut im Gebiet Donezk, teilte das Verteidigungsministerium in London am Donnerstag unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse mit.

Im September und Oktober seien die Truppen zur Verteidigung westlich des Flusses Dnipro im südukrainischen Gebiet Cherson eingesetzt worden.

Russische WDW-Soldaten gelten als besonders gefürchtet und kompromisslos. Russische WDW-Soldaten gelten als besonders gefürchtet und kompromisslos.  © Russisches Verteidigungsministerium 24. November, 7.42 Uhr: Kiew zu 70 Prozent ohne Strom - Wasserversorgung teils hergestellt

Am Morgen nach den schweren russischen Raketenangriffen konnte die Strom- und Wasserversorgung in Kiew erst teilweise wieder hergestellt werden. "70 Prozent der Hauptstadt sind bisher ohne Elektrizität", teilte Bürgermeister Vitali Klitschko am Donnerstag mit.

Immerhin sei es gelungen, die Stadtteile am linken Flussufer des Dnipro wieder mit Wasser zu versorgen. Die kommunalen Dienste arbeiteten mit Hochdruck an der Behebung der Schäden, erklärte Klitschko weiter.

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko (51) ist entschlossen, die Schäden des russischen Raketen-Terrors zu beseitigen. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko (51) ist entschlossen, die Schäden des russischen Raketen-Terrors zu beseitigen.  © Fabrice COFFRINI / AFP 24. November, 6.43 Uhr: Stromausfall in der Ukraine: Noch kein großer Flüchtlingsandrang

Die jüngsten russischen Angriffe auf Elektrizitätswerke und andere Infrastruktureinrichtungen in der Ukraine haben bisher nicht dazu geführt, dass deutlich mehr Menschen aus dem Land in Deutschland Zuflucht suchen.

Seit dem Höhepunkt im März sei die Zahl der bei der Einreise nach Deutschland oder im Inland von der Bundespolizei festgestellten Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine gesunken, teilte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums auf Anfrage mit.

In Kiew ist es düster. Putins-Raketen-Terror dauert derweil an. In Kiew ist es düster. Putins-Raketen-Terror dauert derweil an.  © Andrew Kravchenko/AP/dpa 24. November, 6.20 Uhr: Macron: Kriegsverbrechen in Ukraine dürfen nicht ungestraft bleiben

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (44) hat die russischen Angriffe auf die ukrainische Strom- und Wasserversorgung als Kriegsverbrechen bezeichnet, die Konsequenzen haben müssten.

"Heute fanden massive Bombenangriffe auf die Ukraine statt, wodurch große Teile des Landes ohne Wasser und Strom blieben", sagte Macron am Mittwochabend. "Jeder Schlag gegen zivile Infrastruktur stellt ein Kriegsverbrechen dar und darf nicht ungestraft bleiben."

Frankreich-Präsident Emmanuel Macron (44) gestikuliert bei einer Rede. Er fordert Konsequenzen für das Putin-Regime. Frankreich-Präsident Emmanuel Macron (44) gestikuliert bei einer Rede. Er fordert Konsequenzen für das Putin-Regime.  © Ludovic MARIN / AFP 24. November, 6.19 Uhr: Ukraine berichtet von ersten Erfolgen bei Netzreparaturen

Nach dem schweren russischen Raketenangriff auf die Energie-Infrastruktur der Ukraine machen Techniker nach offiziellen Angaben Fortschritte bei der Wiederherstellung der Stromversorgung.

In 15 Verwaltungsgebieten gebe es teilweise wieder Strom, teilte der Vizechef des Präsidialamtes, Kyrylo Tymoschenko, am Mittwochabend in Kiew mit.

In der Hauptstadt selbst werde die kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser wieder versorgt, danach seien private Verbraucher dran. Bis zum Abend seien landesweit 2750 Notfallanlaufstellen in Betrieb gegangen, in denen es Heizung, Licht, Wasser, Internet und Telefon für die Bürger gibt.

Die russische Armee hatte die Ukraine am Mittwoch mit etwa 70 Raketen beschossen und erneut schwere Schäden an der Infrastruktur angerichtet.

24. November, 6.17 Uhr: Europäische Politikerinnen zu Solidaritätsbesuch in Kiew

Europastaatsministerin Anna Lührmann (39, Grüne) und die Vizepräsidentin des EU-Parlaments Nicola Beer (52, FDP) sind zusammen mit weiteren europäischen Politikerinnen in die Ukraine gereist.

"Wir sind auch hierher gekommen, um als weibliche Politikerinnen unsere Solidarität mit den Frauen der Ukraine zu zeigen", sagte Lührmann am Mittwoch in Kiew. Sie und Beer waren zusammen mit sechs anderen Politikerinnen aus EU-Staaten und Liechtenstein in der ukrainischen Hauptstadt.

Anna Lührmann (39, Grüne, links) und Nicola Beer (52, FDP) hoffen mit ihrer Stippvisite den Frauen in der Ukraine helfen zu können. Anna Lührmann (39, Grüne, links) und Nicola Beer (52, FDP) hoffen mit ihrer Stippvisite den Frauen in der Ukraine helfen zu können.  © Montage: Hans Punz/APA/dpa, Philipp von Ditfurth/dpa 24. November, 6.12 Uhr: Selenskyj fordert vor UN weitere Verurteilung Russlands

Nach russischen Angriffen auf kritische Infrastruktur in der Ukraine hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (44) vor dem UN-Sicherheitsrat eine weitere Verurteilung Moskaus gefordert.

Russland müsse deutlich als terroristischer Staat bezeichnet werden, forderte Selenskyj am Mittwoch per Video von dem Gremium in New York. Das Treffen des Rates war zuvor nach einer Forderung von Selenskyj kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt worden.

Die Angriffe auf die kritische Infrastruktur, die zu weitreichenden Stromausfällen geführt hätten, seien "Verbrechen gegen die Menschlichkeit", sagte Selenskyj.

Wolodymyr Selenskyj (44) will Russland als Terrorstaat brandmarken und hat vor dem UN-Sicherheitsrat eine weitere Verurteilung Moskaus gefordert. Eine Zustimmung des Gremiums gilt als ausgeschlossen, Russland hat dort Veto-Recht. Wolodymyr Selenskyj (44) will Russland als Terrorstaat brandmarken und hat vor dem UN-Sicherheitsrat eine weitere Verurteilung Moskaus gefordert. Eine Zustimmung des Gremiums gilt als ausgeschlossen, Russland hat dort Veto-Recht.  © Ukraine Presidency/Planet Pix via ZUMA Press Wire/dpa 24. November, 6.03 Uhr: Polen will Patriot-Flugabwehrsystem aus Deutschland in Ukraine verlegen

Nach erneuten massiven russischen Raketenschlägen gegen ukrainische Städte hat Polen vorgeschlagen, die ihm von Deutschland angebotenen Patriot-Flugabwehrsysteme in der Ukraine zu stationieren.

Eine entsprechende Bitte habe er an Berlin gerichtet, schrieb Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak am Mittwochabend auf Twitter. Die Patriot-Batterien sollten an der Westgrenze der Ukraine aufgestellt werden. "Dies würde es ermöglichen, die Ukraine vor weiteren Opfern und Stromausfällen zu bewahren und die Sicherheit an unserer Ostgrenze zu erhöhen."

Polen würde gerne Patriot-Batterien aus Bundeswehrbeständen in der Westukraine sehen. Doch die Verlegung eines solchen Flugabwehrraketen-System, nebst NATO-Soldaten käme einer Kriegserklärung an Russland gleich. (Archivbild) Polen würde gerne Patriot-Batterien aus Bundeswehrbeständen in der Westukraine sehen. Doch die Verlegung eines solchen Flugabwehrraketen-System, nebst NATO-Soldaten käme einer Kriegserklärung an Russland gleich. (Archivbild)  © Axel Heimken/dpa 23. November, 22.05 Uhr: US-Regierung verurteilt russische Angriffe auf Infrastruktur

Die US-Regierung hat russische Angriffe auf kritische Infrastruktur in der Ukraine mit deutlichen Worten verurteilt.

Diese Angriffe schienen keinen militärischen Zweck zu verfolgen und würden bewusst kurz vor Winterbeginn erfolgen, teilte der Nationale Sicherheitsrat im Weißen Haus am Mittwoch mit. Sie würden das Leid der Menschen in der Ukraine erhöhen.

"Es zeigt auch, dass Russland bereit ist, das Risiko eines nuklearen Zwischenfalls zu erhöhen, der nicht nur der Ukraine, sondern auch der gesamten Region schaden könnte."

Das Onlineportal "Politico" schrieb unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen, die US-Regierung gehe davon aus, dass Russland vor einer nuklearen Konfrontation mit der Nato zuerst chemische Waffen in der Ukraine einsetzen könnte - sollten die russischen Truppen weiter an Boden verlieren.

Den USA lägen aber keine Erkenntnisse vor, die darauf hindeuteten, dass ein solcher Angriff in der Ukraine unmittelbar bevorstehe, hieß es weiter.

Nach dem "Politico"-Bericht gehen Pentagon-Mitarbeiter davon aus, dass die Kämpfe während der Wintermonate ins Stocken geraten würden und keine der beiden Seiten große Erfolge erzielen könne.

Im Falle anhaltender Verluste oder "eines völligen Zusammenbruchs der russischen Armee" könnten aber chemische Waffen zum Einsatz kommen, so der Bericht unter Berufung auf einige hochrangige Pentagon-Vertreter.

Titelfoto: Axel Heimken/dpa

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