Lupita Nyong'o: Das ist die Berlinale-Jurypräsidentin 2024

16 Tage vor

Berlin. Mit 31 gewann sie einen Oscar. Jetzt geht die kenianische Schauspielerin als erste schwarze Präsidentin in die Festivalgeschichte ein.

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Wenn es so etwas wie eine Konstante in Lupita Nyong’os Leben gibt, ist es, dass sie immer für eine Überraschung gut ist. Gleich für ihre ersten Kinorolle in „12 Years A Slave“ heimste die Schauspielerin 2014, einen Tag nach ihrem 31. Geburtstag, einen Oscar ein - als erste schwarze Afrikanerin überhaupt. Zwei Jahre später gab sie ihr Bühnendebüt am Broadway und wurde prompt für einen Tony als beste Hauptdarstellerin nominiert. Nun ist sie Jury-Präsidentin der am 15. Februar beginnenden Berlinale, als erste schwarze Person überhaupt in der 74-jährigen Geschichte des Festivals.

Lupita Nyong‘o: Eine Präsidentin, die Weltoffenheit ausstrahlt

Damit setzt die Berlinale erneut ein klares Zeichen in Sachen Diversität, nachdem in den vergangenen beiden Ausgaben der indischstämmige US-Regisseur M.Night Shyamalan und die offen lesbische Hollywoodschauspielerin Kristen Stewart der Wettbewerbsjury vorstanden. Eine Weltoffenheit ausstrahlende Jurypräsidentin steht dem Festival in diesen Tagen umso dringender gut zu Gesicht, nach der Debatte um die Einladung mehrere AfD-Politiker, die eine deutliche Haltung der Berlinale-Leitung vermissen ließen und erst nach massivem Druck von innen, durch Mitarbeitende des Festivals, und von außen, durch zahlreiche Filmemacher weltweit, zurückgenommen wurden.

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Mit Michael Fassbender (l.) und Chiwetel Ejiofor im preisgekrönten Filmdrama „12 Years a Slave“. © dpa | Francois Duhamel

Der 40-jährige Filmstar wird dem Festival zu dringend nötigem Glamour und Aufsehen verhelfen, keine Frage. Das betont auch das Berlinale-Leitungsduo Carlo Chatrian und Marietta Rissenbeek, das „die vielseitige Herangehensweise an verschiedene Projekte“ Nyongo’s lobt, aber auch „die Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen und zugleich eine Konsistenz, die in ihren Rollen, so unterschiedlich sie auch sein mögen, deutlich sichtbar wird“.

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Erfolgreich als Schauspielerin wie als Regisseurin

Geboren wurde sie am 1. März 1983 in Mexico City, wohin ihre kenianischen Eltern vor den Unruhen in der Heimat geflohen waren. Nach wenigen Jahren zog die Familie zurück nach Kenia, wo Lupita Nyong‘o mit ihren fünf Geschwistern aufwuchs. Zum Studium ging sie in die USA, wo sie an einem Privatcollege an der Ostküste zunächst Film- und Theaterwissenschaften studierte und erste Erfahrungen bei Filmdrehs sammelte, unter anderem bei Mira Nair und Fernando Meirelles („Der ewige Gärtner“).

2008 drehte sie dann ihren ersten Dokumentarkurzfilm „In My Genes“, bevor sie ein Schauspielstudium begann und bei ersten Bühnenauftritten für Aufsehen sorgte. Und so noch vor Uniabschluss die Rolle als junge Sklavin in Steve McQueens Südstaatendrama „12 Years A Slave“ ergatterte, mit der sie vor zehn Jahren den Oscar als beste Nebendarstellerin erhielt, überreicht von Christoph Waltz.

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Am 2. März, einen Tag nach ihrem Geburtstag, gewann Lupita Nyong‘o 2014 den Oscar als beste Nebendarstellerin. © picture alliance / John Shearer/Invision/AP | John Shearer

Eine klassische Festivalgröße ist sie bislang eher nicht, in den zehn Jahren seit dem Academy Award hat sich Nyong’o vor allem im Genre- und Blockbusterkino etabliert, spielte in Jordan Peeles satirischem Horrorfilm „Wir“ eine unvergessliche Doppelrolle, war Teil des Ensembles des Marvel-Superheldenfilms„Black Panther“ und dessen Fortsetzung „Wakanda Forever“, die zu weltweiten Kinohits und kulturellen Phänomenen wurden.

Der laute Auftritt ist Nyong‘os Sache nicht

In den „Star Wars“-Filmen war sie als Stimme einer digital animierten Figur, der nichtmenschlichen Piratin Maz Kanata, nur zu hören. Im Agentinnen-Achtionspektalel „The 355“ war sie Teil einer weiblichen Starriege um Jessica Chastain, Penélope Cruz und Diane Kruger. Auch abseits der Leinwand war sie erfolgreich, ihre Rolle in Danai Guriras Broadwaystück „Eclipsed“ brachte ihr eine Nominierung für den wichtigsten US-amerikanischen Theaterpreis, den Tony Award, ein.

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Mit der Berlinale-Berufung betritt sie nun wieder Neuland.

Erst vor knapp drei Jahren, im Juli 2021, hatte das weltweit wichtigste Filmfestival in Cannes mit US-Regisseur Spike Lee erstmals einen schwarzen Jury-Präsidente

n. Der hatte die Aufmerksamkeit genutzt, den fortwährenden Rassismus in den Vereinigten Staaten anzuprangern. Der laute Auftritt ist nicht Nyong’os Sache, sie engagiert sich eher im Hintergrund wohltätig. Ein Zeichen setzt sie als erste schwarze Frau an der Spitze einer Jury eines der großen A-Festivals ohnehin.

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Im Marvel-Superheldenfilm „Black Panther“ (l.) mit Chadwick Boseman und Danai Gurira. © Raufeld | null

Doch die ganz große Geste hat man sich bei der Berlinale dann womöglich doch nicht getraut. Warum keine renommiere Regisseurin wie Ava DuVernay, die mit ihrem Martin Luther King-Biopic „Selma“ Filmgeschichte schrieb und mit ihrer inszenatorischen Expertise die Werke ihrer Regiekollegen anders bewerten kann als eine Schauspielerin. Die Frage stellt sich zumindest bei der Nachfolge von Hollywoodstar Kristen Stewart, die im vergangenen Jahr für Starpower auf der Bühne und auf dem Roten Teppich gesorgt hatte, die Preisentscheidungen am Ende bei manchen allerdings für Stirnrunzeln.

Man darf sich auf eine aufregende Berlinale mit ihr freuen

Dabei hat Nyong’o durchaus ernsthafte Ambitionen, auch hinter der Kamera zu reüssieren. Sie hat sich die Rechte am Roman „Americanah“ gesichert, dem preisgekrönten Bestseller der in Nigeria geborenen US-Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie, und kämpft seit Jahren um die Finanzierung. Sie ist außerdem Autorin eines Kinderbuchs, „Sulwe“, das 2019 erschien und auf der Bestsellerliste der New York Times und in der deutschen Übersetzung zwei Jahre später auf der Shortlist des Deutschen Kinderbuchpreises landete.

Festlegen lässt sich die Tausendsassa jedenfalls nicht. Und es wäre ein Fehler, sie zu unterschätzen. Vielleicht bringt sie auch den neuen Mann an ihrer Seite mit nach Berlin. Schauspielkollege Joshua Jackson kennt Deutschland gut. Er war von 2006 bis 2016 mit der aus Niedersachsen stammenden Filmdiva Diane Kruger liiert. So oder so wird Lupita Nyong’o sicher wieder für eine Überraschung gut sein. Man darf sich auf eine aufregende Berlinale mit ihr freuen.

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