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Neurodermitis: Neuartige Therapeutika als vielversprechende Therapieoption

Neurodermitis: Neue Therapie im Visier Neurodermitis, auch atopisches Ekzem genannt, ist laut Fachleuten eine der häufigsten Hauterkrankungen. Bis zu fünf
Frau kratzt sich am Oberarm
Ein internationales Forschungsteam soll die Entwicklung neuartiger Therapeutika zur Behandlung von Neurodermitis und anderen entzündlichen Hauterkrankungen vorantreiben. (Bild: Gina Sanders/stock.adobe.com)
Neurodermitis: Neue Therapie im Visier

Neurodermitis, auch atopisches Ekzem genannt, ist laut Fachleuten eine der häufigsten Hauterkrankungen. Bis zu fünf Millionen Menschen in Deutschland sollen betroffen sein. Die Erkrankung ist bislang nicht ursächlich behandelbar. Doch nun stehen antimikrobielle Peptide als vielversprechende Therapieoption im Fokus eines Forschungsteams.

Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die in der Regel mit starkem Juckreiz, trockener, schuppiger und geröteter Haut einhergeht. Die Lebensqualität der Betroffenen kann stark beeinträchtigt sein. Zwar kann die Krankheit nicht ursächlich geheilt werden, doch in den vergangenen Jahren wurden bei der Behandlung der Erkrankung zum Teil große Erfolge erzielt. Nun hat auch ein internationales Forschungsteam neue Behandlungsmöglichkeiten im Visier.

Entwicklung neuer Therapeutika vorantreiben

Wie die Medizinische Universität Graz in einer aktuellen Presseinformation schreibt, ist die atopische Dermatitis, besser bekannt als Neurodermitis, eine chronische, juckende Hauterkrankung, von der weltweit etwa 15-20 Prozent der Kinder und auch viele Erwachsene betroffen sind. Neurodermitis zählt damit zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter.

Oft steht das Auftreten dieser Hautkrankheit in Zusammenhang mit der Familiengeschichte, häufig tritt sie auch bei Personen auf, die an Heuschnupfen oder Asthma leiden, oder deren Familienmitglieder von diesen Allergien betroffen sind.

Das internationale Forschungsprojekt „Therapeutic potential of antimicrobial peptides in atopic dermatitis (thera-AMPD)“ der Med Uni Graz in Kooperation mit dem Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale (INSERM) und dem International Center for Infectiology Research (CIRI), Lyon, Frankreich, soll die Entwicklung neuartiger Therapeutika zur Behandlung von Neurodermitis und anderen entzündlichen Hauterkrankungen vorantreiben.

Hautmikrobiom im Ungleichgewicht

Neurodermitis kann erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten haben. Hauptmerkmale wie wiederkehrende Entzündungen (auch als Schübe bezeichnet) bis hin zu lästigen Ekzemen, starker Juckreiz und Veränderungen der Hautbarriere können bei den Betroffenen nicht nur zu physischen, sondern auch zu psychischen Beeinträchtigungen führen.

Wie die Fachleute erklären, ist bei Neurodermitis die obere Hautschicht entzündet, Grund dafür ist einerseits eine übermäßige Anhäufung des Bakteriums Staphylococcus aureus und andererseits eine gestörte Menge und Qualität an antimikrobiellen Peptiden (AMP) auf der Haut.

Den Angaben zufolge erfüllen diese kleinen Eiweißmoleküle die wichtige Funktion, das gesunde Gleichgewicht des Hautmikrobioms aufrechtzuerhalten und pathogene Mikroben, die sich auf der Haut ansiedeln, zu bekämpfen.

AMP werden nicht nur von der Haut selbst, sondern auch von vielen Mikroben produziert. Mithilfe einer neuartigen Methode zur Isolierung und Charakterisierung dieser Peptide soll nun eine umfassende Datenbank erstellt werden, die alle AMP beinhaltet.

„Wir werden ausgewählte AMP aus dieser Datenbank als Therapeutika zur Neutralisierung pathogener Mikroben und zur Verringerung der Symptome von atopischer Dermatitis untersuchen, um mögliche Therapiemöglichkeiten zu finden“, erläutert Peter Wolf von der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Med Uni Graz. Diese sollen dann in der Behandlung der durch Staphylococcus aureus induzierten Hautentzündungen eingesetzt werden.

„Neue (bio-) therapeutische Alternativen“

Laut der Presseinformation haben neuere Untersuchungen den Fokus auf antimikrobielle Moleküle und ihre Verbindung mit Mikroben auf der Haut gesetzt. AMP sowie antimikrobielle Substanzen begrenzen das Wachstum gefährlicher Mikroben und unterstützen die Abwehrmechanismen der Haut.

„Darüber hinaus besitzen AMP auch immunmodulierende Eigenschaften, sie können also körpereigene Abwehrmechanismen des Immunsystems verändern. Neben der Beteiligung an angeborenen Immunantworten sind AMP auch aktiv an der Gestaltung von adaptiven Immunantworten beteiligt“, so Vijaykumar Patra, Joint Postdoc an der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Med Uni Graz und INSERM/CIRI, Lyon, Frankreich.

Leichte Verläufe von Neurodermitis sind bereits mit entzündungshemmenden Wirkstoffen behandelbar. Doch die Möglichkeiten der Therapie reichen noch nicht für schwere Formen der Erkrankung aus.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind angesichts der aktuellen Beobachtungen jedoch zuversichtlich: „Erste Studienergebnisse haben gezeigt, dass die Transplantation des Hautmikrobioms Neurodermitis-Symptome reduzieren kann. Dies eröffnet neue (bio-) therapeutische Alternativen zur Behandlung dieser chronischen Hauterkrankung“, so die Forschenden.

Verbesserung der Barrierefunktion der Haut

Die Phototherapie (UV-Bestrahlung) ist eine weit verbreitete Behandlungsform für moderate bis schwere Formen der Neurodermitis und dafür bekannt, Entzündungen der Haut mit minimalen oder keinen Nebenwirkungen zu reduzieren.

Den Fachleuten zufolge wird angenommen, dass die Wirksamkeit dieser Methode auf die anschließende Akkumulation und Aktivierung von regulatorischen T-Zellen in der lichtexponierten Haut zurückzuführen ist.

Die UV-Bestrahlung kann demnach die Barrierefunktion der Haut verbessern, indem die Expression von Filaggrin und Involucrin erhöht wird und bestimmte AMP in der Haut induziert werden. Durch die Verdickung der obersten Hautschicht, die vor der Sonneneinstrahlung schützen soll, wird auch das Eindringen externer Antigene verhindert.

UV-Licht kann direkt auf Mikroben auf der Haut einwirken und das Wachstum sowie die Virulenz des Bakteriums Staphylococcus aureus hemmen. Mit dieser Methode könnten Hautentzündungen und Neurodermitis-Symptome gelindert werden.

„Unsere Forschungsergebnisse zeigen die positiven Auswirkungen von UV-Exposition auf das Hautmikrobiom und die Expression von AMP, die so vielversprechend sind, um sie weiter zu verfolgen und für die Entwicklung neuer Behandlungsstrategien zu nutzen“, sagt Peter Wolf.

Diese Annahme wurde kürzlich auch mittels Microarray-Analyse im Mausmodell in einer klein angelegten klinischen Studie bestätigt. „Nun werden wir die Dynamik verschiedener Mikroben in der Neurodermitis-Haut vor und nach der Phototherapie untersuchen und ihre Häufigkeit mit dem Gehalt an AMP auf der Haut in Beziehung setzen. Denn es gibt zahlreiche andere AMP, die noch nicht untersucht wurden“, erklärt Vijaykumar Patra.

Die Bestätigung, dass antimikrobielle Peptide als Therapeutika bei Neurodermitis eingesetzt werden können, gibt Zuversicht und wird laut den Fachleuten entscheidende Wege für klinische Studien eröffnen. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen
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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:

Alfred Domke

Wichtiger Hinweis:Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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