Erster Start der Ariane 6: Esa spricht von vollem Erfolg

5 Tage vor
Ariane 6 Start

Es ist echte Präzisionsarbeit. 300 Millisekunden vor dem Start um 21 Uhr mitteleuropäischer Zeit im Weltraumzentrum in Kourou in Französisch-Guayana wurden die Tanksysteme zurückgezogen. Auf der Startrampe herrscht extreme Hitze. Dann übernehmen die beiden Booster der Ariane 6 die Arbeit und katapultieren die neue europäische Trägerrakete in den Weltraum. Ein Bilderbuchstart, der am Dienstagabend in der Bremischen Landesvertretung in Berlin gefeiert wurde.

Im Verlauf des auf fast drei Stunden angesetzten Fluges allerdings traten nach etwa zwei Stunden Probleme auf: Die Hilfsantriebseinheit der in Bremen gefertigten Oberstufe ließ sich nach einer erfolgreichen ersten Betriebsphase und dem Aussetzen einiger Minisatelliten nicht wie geplant ein weiteres Mal starten. Dadurch wich die Rakete im Weltall von ihrem geplanten Kurs ab. Wie es hieß, soll die dritte Zündung nicht wie geplant funktioniert haben. Aus Sicherheitsgründen, so das Kontrollzentrum in Kourou, wurde dann die Zündung abgeschaltet. In der Folge kam die Rakete von ihrem vorgesehenen Kurs ab und blieb statt auf 630 Kilometern Höhe zu steigen konstant auf 590 Kilometern Höhe. Außerdem flog sie weiter als ursprünglich geplant.

Die beiden Wiedereintrittskapseln der "The Exploration Company", die von der ehemaligen Airbusmanagerin 2021 von der ehemaligen Airbus-Managerin Hélène Huby gegründet wurde, mussten an Bord bleiben. Auf einer anschließenden Pressekonferenz in Kourou sprach Josef Aschbacher, Generaldirektor der Europäischen Weltraumagentur Esa, dennoch von einem vollen Erfolg. "Europa ist zurück im Weltraum", so Aschbacher.

Auch Ariane-Chef Martin Sion zeigte sich erleichtert. Während des gesamten Countdowns und der Startphase habe es keine Probleme gegeben. "Und das war unser Hauptziel", so Sion. Warum die Hilfsantriebseinheit sich bei der erneuten Inbetriebnahme von alleine abgeschaltet habe, wisse man gegenwärtig noch nicht. "Wir warten auf die Daten", so der Ariane-Chef.

Sion sagte weiter zu dem Vorfall: «Das ist bedauerlich, aber das ist auch der Grund, weshalb wir eine technische Demonstration vornehmen, weil es Dinge gibt, die wir nicht am Boden testen können.» Mit der Testphase am Ende des Erstflugs habe man so viele Informationen wie möglich sammeln wollen.

Auf den geplanten Start der Ariane 6 im Dezember mit den ersten großen Satelliten an Bord habe das Problem jedoch keinerlei Auswirkungen, versicherte Stéphane Israel, Chef von Arianespace, der Vermarktungsgesellschaft der Ariane.

Ohnehin hinkt die Ariane schon weit hinter dem ursprünglichen Zeitplan hinterher. Staatsrat Kai Stührenberg – Senatorin Kristina Vogt war beim Start in Kourou anwesend – wies auf der Veranstaltung in Berlin auf die vierjährige Verspätung hin, mit der die Ariane 6 abheben konnte: "Was heute hier passiert, ist für alle, die daran beteiligt waren, ein großer Moment." Wenn sich vorstellt, dass irgendetwas mit 26 Millionen Pferdestärken nach oben geschossen wird, ist wirklich faszinierend."

Bremen ist nach acht Minuten an der Reihe

"In dieser Rakete steckt ganz viel europäisches Herzblut", sagte die Staatsministerin im Bundeskanzleramt, Sarah Ryglewski. Nicht ohne Grund: 600 Unternehmen aus 13 Nationen waren am Bau beteiligt. Zunächst war ganz viel Frankreich an der Reihe. Nach etwa acht Minuten wurde dann in etwa 400 Kilometern Höhe die Oberstufe der Rakete abgetrennt, die in Bremen gebaut wird. Das war Grund genug für alle Beteiligten, erstmals die Sektgläser klingen zu lassen. Bernhard Kluttig, Abteilungsleiter Industriepolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, schwärmte: „Das Ariane-Programm steht symbolisch für die Exzellenz, die Europa in Sachen Raumfahrt hat. Sie ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie wir durch europäische Zusammenarbeit Großes erreichen können."

Rolf Densing, Direktor für Missionsbetrieb der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), erinnerte daran, wie wichtig es ist, dass Europa den Zugang zum Weltraum wieder gewinnt. „Europa benötigt diese Rakete heute dringender denn je.“ Und Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft – und Raumfahrt, wies darauf hin, dass allein in Deutschland 2000 hoch qualifizierte Arbeitsplätze mit der Ariane 6 verbunden seien. Nicht nur in Bremen, sondern auch in Augsburg und anderen Orten in Deutschland. „Raumfahrt ist ein Innovationsmotor“, zeigte sich Wissenschaftlerin überzeugt.

Eine Oberstufe pro Monat

Wie viel Arbeitsplätze in Bremen von der Produktion der Oberstufe abhängen, machte Max Reinhardt von der Ariane Group deutlich: „Allein 40 bis 50 Mitarbeiter in der Fertigungshalle sind mit der Montage der Oberstufe beschäftigt. Hinzu kämen auf 50 Ingenieursarbeitsplätze in den Büros.“ In den kommenden Monaten werden die Bremer Beschäftigten etwa eine Oberstufe pro Monat fertigen. Was am Dienstag ins All geschossen wurde und später verglühte, wurde in Bremen bereits im Januar zusammengebaut und im Februar ausgeliefert. „Zukünftig wird das aber schneller gehen, da nicht mehr so viel Tests notwendig sind“, so der Bremer Produktionsmanager der Ariane.

François Delattre, der französische Botschafter in Deutschland, der trotz des zeitgleichen Halbfinales der "Equipe tricolore" bei der Fußball-Europameisterschaft in München dem Start der Ariane bewohnte, bezeichnete das Projekt als eine „deutsch-französische Herzensangelegenheit.“ Ohne die Zusammenarbeit der beiden Länder wäre die europäische Raumfahrt am Boden geblieben. „Wir haben den Traum einer gemeinsamen europäischen Weltraummacht“, so der Botschafter. „Und wir arbeiten an der Realisierung eines Traums: die Rückkehr Europas ins All.“

"Europa ist anstrengend"

Pierre Godart, Vorstandsvorsitzender der Ariane Group in Deutschland, hatte auch einige Worte des Dankes zu sagen: „Ich möchte mich bei der Bundespolitik bedanken. Die Zeiten waren nicht immer einfach. Danke für die Geduld. Ich weiß auch, wie viele Probleme wir hatten. Ich möchte eine Lanze für Europa brechen. Ja, Europa ist anstrengend, aber am Ende zahlt es wirklich aus.“

Die Ariane 6 ist das Nachfolgemodell der Ariane 5, die von 1996 bis Sommer 2023 im Einsatz war. Sie soll Satelliten für kommerzielle und öffentliche Auftraggeber ins All befördern und ist deutlich günstiger als ihre Vorgängerin. Die Rakete kann Satelliten in verschiedene Umlaufbahnen ausliefern. Sie kann mit zwei oder vier Boostern (Antriebsraketen) ausgestattet werden und Satelliten mit einem Gesamtgewicht von 11,5 Tonnen ins All bringen. Bei Satelliten mit niedriger Erdumlaufbahn sind sogar bis zu 21,6 Tonnen Gesamtgewicht möglich.

Die Esa plant, die Rakete bis Mitte der 2030er-Jahre zu nutzen. Deutschland ist nach Frankreich mit rund 20 Prozent der wichtigste Geldgeber für die Ariane 6 unter den Esa-Ländern.

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